Regierungsratskandidaten
Urs Hofmann ist der Social-Media-König, Franziska Roth setzt auf Facebook – und einer fehlt ganz

Social Media werden von den Aargauer Regierungsrats-Kandidaten sehr unterschiedlich genutzt. Ruth Jo. Scheier von der GLP ist erst seit zwei Monaten überhaupt auf Facebook präsent, «Altmeister» Urs Hofmann erreicht von allen Kandidaten das grösste Publikum.

Fabian Hägler
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Urs Hofmann – hier im analogen Wahlkampf bei der Auftaktveranstaltung – setzt wie Yvonne Feri stark auf Social Media. Sandra Ardizzone

Urs Hofmann – hier im analogen Wahlkampf bei der Auftaktveranstaltung – setzt wie Yvonne Feri stark auf Social Media. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

In den letzten drei Monaten wurden rund 2300 Online-Beiträge zu den neun ernsthaften Regierungsratskandidaten publiziert. Darin kamen ihre Namen insgesamt 3900-mal vor. Dies zeigt eine Auswertung, die Leo Keller aus Aarau, Managing Director bei Blue Ocean Semantic Web Solutions, für die az erstellt hat. Am häufigsten (606-mal, siehe Tabelle) wurde SP-Regierungsrat Urs Hofmann erwähnt, nur knapp seltener SVP-Kandidatin Franziska Roth.

Einfluss auf die Zahlen haben die Kandidierenden nur bedingt: Welche Themen die Medien aufnehmen – ausgewertet wurden diverse Newsportale –, hängt von der redaktionellen Auswahl ab. Beeinflussen können die Politiker ihren Auftritt in sozialen Medien – mit 605 Beiträgen entfällt mehr als ein Viertel aller Artikel auf diese Kategorie.

Facebook: Nicht nur Likes zählen

Den grössten Teil macht mit 560 Beiträgen Facebook aus. Am meisten Posts auf der eigenen Facebook-Seite hat wieder Urs Hofmann, gefolgt von Franziska Roth, Yvonne Feri und Markus Dieth. Massgebend für den Erfolg, also die Beachtung, ist aber nicht nur die reine Menge der Beiträge.

Wichtig ist auch die Zahl der User, die einen Beitrag lesen, und die Zahl der Leser, die kommentieren, liken oder teilen. Hier kommt Keller zu einem klaren Befund: «Urs Hofmann führt deutlich: mehr Beiträge, grössere Reichweite und mehr Engagement bzw. Reaktionen der Leser als alle anderen.» Von den insgesamt 171 Beiträgen (siehe Tabelle) postete Hofmann selber nur 42, die restlichen 129 kamen von Besuchern seiner Facebookseite.

Ergänzung für traditionelle Mittel

Auch bei den Fans und den Likes, die Kandidierende von Besuchern erhalten, liegt Urs Hofmann vorne. Wie wichtig ist dem SP-Mann sein Social- Media-Auftritt? «Die Fanseite auf Facebook hatte ich schon länger, ich habe sie aber früher weniger intensiv betrieben als im Wahlkampf», sagt er. Wie bei allen Werbemitteln sei die effektive Wirkung schwer abzuschätzen. «In meinem Wahlteam sind wir davon ausgegangen, dass die traditionellen Mittel sinnvollerweise noch durch Aktivitäten auf Facebook ergänzt werden.»

Yvonne Feri hat schon im vergangenen Jahr im Nationalrats-Wahlkampf Twitter und Facebook genutzt. «Deshalb war es klar, dass ich dies auch für den Regierungsrats-Wahlkampf einsetzen möchte.» Feri ist sich bewusst, dass längst nicht alle Wähler internetorientiert sind. Deshalb sei es wichtig, auch andere Kanäle zu bewirtschaften.

Dies tut auch Franziska Roth (SVP) – aber noch nicht lange. «Mein Mann hat mich zu diesem Schritt ermutigt. Wer heute von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden möchte, braucht ein Facebook-Profil», sagt Roth. Jüngere Menschen seien über diese Plattform prima zu erreichen. «Bei älteren Wählern setze ich ein Fragezeichen.»

Für FDP-Regierungsrat Stephan Attiger war von Anfang an klar, dass er für seinen Wahlkampf auch auf Online setzt. «Ein Teil der Wählerschaft ist heute nur noch so zu erreichen», sagt er. Neben dem Facebook-Auftritt hat der Baudirektor deshalb auch seine Website aktualisiert und ausgebaut.

Wirkung noch überschätzt?

Maya Bally (BDP) sagt, ohne Facebook sei man «für einen Teil des Zielpublikums nicht sichtbar», darum gehöre der Online-Auftritt im Wahlkampf dazu. Bally glaubt, dass es noch etwas Zeit braucht, «bis eine wirklich breite Relevanz erreicht wird». Die Wirkung der sozialen Medien werde heute wohl noch etwas überschätzt.

«Es ist eine spannende Sache, auch wenn man dabei immer das richtige Mass haben muss, was für die Öffentlichkeit bestimmt ist», sagt Markus Dieth (CVP) über Facebook. Er habe sich sehr gefreut, dass ihn das Portal «wahlhelfer.ch» im August als positives Beispiel für die Facebook- und Internet-Anwendung genannt habe.

Ruth Jo. Scheier (GLP) schrieb am 19. August: «Ich erstelle gerade meinen Facebook-Account und bitte um Verständnis, wenns vorerst noch nach Anfänger ausschaut.» Weil sie nur eine private Seite hat, wurde sie in der Auswertung nicht berücksichtigt.

Hürzeler verzichtet auf Facebook

SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler nutzt soziale Medien wie Facebook nicht. «Auch wenn Kommunikationsspezialisten und Wahlstrategen der Meinung sind, dass es heute nicht ohne geht: Ich fände es falsch, hier contre coeur aktiv zu werden, und nehme es in Kauf, allenfalls etwas altmodisch zu wirken», sagt Hürzeler.

Die Geschwindigkeit dieser Medien führe zu unüberlegten und für den politischen Prozess nicht hilfreichen Aussagen. Zudem fehle ihm auch die Zeit, um auf Facebook aktiv zu sein. Es gebe genügend andere Kanäle, wie man ihn erreichen könne. «Wer mich kennt, der weiss, dass ich den persönlichen Kontakt mit der Bevölkerung sehr schätze und gerne pflege», hält Hürzeler fest. Die direkte Art der Kommunikation bereite ihm Freude und er nehme sich dafür gerne etwas mehr Zeit. «Ich stelle mich den Fragen der Bürger und komme mit ihnen ins direkte Gespräch, dies gerade auch ausserhalb des offiziellen Teils.»