Urs Hofmann kann am Wahltag feiern – das steht heute schon fest. Und zwar gleich zweimal: Am 23. Oktober wird der Sozialdemokrat im ersten Wahlgang als Regierungsrat bestätigt, und am 27. November, wenn der zweite Wahlgang ansteht, feiert Hofmann seinen 60. Geburtstag.

Hofmann würde bestreiten, dass seine Bestätigung schon im ersten Wahlgang sicher ist. Einen kleinen Hinweis, dass der ehemalige Gewerkschafter insgeheim damit rechnet, gibt die Agenda auf seiner Website. Die reicht genau bis zum 23. Oktober, dem Tag des ersten Wahlgangs, danach gibt es keine weiteren Einträge.

Feiern möchte Hofmann auch diesen Sonntag, vier Wochen vor den Wahlen. Und zwar ganz unpolitisch: Der Fussballfan wird beim Challenge-League-Spiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Zürich ab 15 Uhr in der Totomat-Kurve anzutreffen sein.

Der 59-Jährige hat die Begeisterung für den FCA praktisch in die Wiege gelegt bekommen. Schon als kleiner Bub war Urs mit seinem Vater im Stadion und auf Facebook erfährt man, dass Hofmanns Grossvater im Jahr 1902 Gründungsmitglied, später dann Ehrenpräsident des FCA und auch Gründungspräsident der Platzgenossenschaft war, die 1924 das Stadion Brügglifeld erstellte.

Da schmerzt es den Aarau-Fan natürlich, dass sein Verein nicht in der obersten Liga spielt. Umso attraktiver ist eine Partie wie jene am Sonntag gegen einen «Grossen» wie den FC Zürich. Allerdings zeigt das Spiel auch Hofmanns Zwiespalt: Weil unter den Zürcher Anhängern auch gewaltbereite Hooligans sind, ist ein markant grösseres Polizeiaufgebot nötig als bei normalen Challenge-League-Spielen.

Als FCA-Fan würde sich Hofmann den Wiederaufstieg seines Klubs in die höchste Liga wünschen, als Sicherheitsdirektor ist er froh, wenn Aarau unten bleibt und keine höheren Kosten anfallen.

Gallati: «Wolf im Schafspelz»

Hofmann, der vor seiner Wahl in den Regierungsrat 2009 fast zwanzig Jahre lang als Rechtsanwalt tätig war, scheut sich auch nicht, gegen Problemfans hart durchzugreifen. Ein anderer Fussballfan und Anwalt ist SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati. Er beschreibt den Sozialdemokraten als «Wolf im Schafspelz, der sein Departement zwar brillant führt, aber in der politischen Arbeit eine deutliche Schlagseite nach links aufweist».

Hofmann gilt nicht als linker Ideologe, sondern als Pragmatiker, der ein fast untrügliches Gespür für mehrheitsfähige Lösungen hat, zu Kompromissen bereit ist, wenn sich dadurch Allianzen für seine Ziele finden lassen, und keine Berührungsängste kennt. Hofmann ist aber selbstbewusst und unabhängig genug, auch mal auszuscheren.

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Mit den Bisherigen Urs Hofmann, Stephan Attiger und Alex Hürzeler.

Nur einen Tag bevor die Regierung neue Sparpläne präsentierte, sagte Hofmann beim SP-Wahlauftakt, man müsse dafür kämpfen, dass «der Teil der Bevölkerung in der Regierung vertreten bleibt, der nicht den Staat herunterfahren will, sondern stolz auf den Kanton ist».

Gallati findet, Urs Hofmann setze die SP-Agenda durchaus erfolgreich um – was bei den Mehrheitsverhältnissen im Regierungsrat, mit bisher drei bürgerlichen Mitgliedern, einigermassen erstaunlich ist. «Er hat es geschafft, mit Hightech Aargau staatliche Eingriffe in die Wirtschaft durchzubringen», hält Jean-Pierre Gallati fest. «Und er arbeitet eifrig und konsequent an der Umverteilung, einem linken Kernanliegen», sagt der SVP-Fraktionschef.

Als konkretes Beispiel nennt Gallati den neuen Finanzausgleich – eine Vorlage des Innendirektors, die im Grossen Rat eine Mehrheit fand, von der SVP nun aber mit einem Referendum bekämpft wird.

Lob von einer Freisinnigen

Bei den Gemeinden kommt der SP-Vertreter allerdings gut an – und dies nicht nur, weil Hofmann seit der Auflösung der Bezirksämter 2012 alle neuen Gemeinderatsmitglieder im Aargau persönlich in Pflicht nimmt. «Urs Hofmann kennt die Anliegen der Gemeinden bestens. Die Zusammenarbeit der Gemeinden mit ihm basiert auf gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen.»

Das sagt nicht etwa Hofmanns Parteikollegin Jolanda Urech, SP-Stadtpräsidentin in Aarau. Nein, das Testimonial auf der Website des Regierungsrats stammt von Renate Gautschy, FDP-Grossrätin, Gemeindeammann in Gontenschwil und Präsidentin der kantonalen Gemeindeammänner-Vereinigung.

Dass eine Rechts-Freisinnige wie Gautschy, die Susanne Hochuli (Grüne) heftig kritisierte, den Sozialdemokraten lobt, zeigt auf, wie breit Hofmann politisch akzeptiert ist.

Zu seinem Departement gehört auch die Wirtschaft. Dieser gehe es auf einer Skala von 1 bis 10 «so zwischen 7 und 8», sagte Hofmann kürzlich bei Radio SRF. Er sei beeindruckt, was die Aargauer Industrie und das Gewerbe in der schwierigen Wirtschaftslage leiste.

Hofmann bezeichnet es als «Vorurteil», dass manche Bürgerliche meinen, ein SP-Politiker verstehe die Sorgen des Gewerbes nicht. Tatsächlich findet sich auf seiner Website auch Zuspruch von dieser Seite. «Urs Hofmann redet nicht einfach über die Wirtschaft, er spricht mit uns Gewerblern und nimmt unsere Anliegen auf», lässt sich Gärtnermeister Daniel Suter aus Kölliken zitieren.

Im laufenden Wahljahr ist die Rolle als Volkswirtschaftsminister für Hofmann ein zweischneidiges Schwert. So muss er hinstehen und erklären, weshalb die Regierung den Stellenabbau bei Alstom/General Electric nicht verhindern konnte. Er profitiert andererseits von Medienpräsenz bei seinen regelmässigen Besuchen bei den kleinen und mittleren Unternehmen im Aargau – wo seine Wähler leben.