Stromnetzsparte-Verkauf

Urs Hofmann fordert: ABB soll die Hitachi-Milliarden nicht nur den Aktionären geben

Urs Hofmann vor dem ABB-Schweiz-Hauptsitz in Baden. (Montage)

Urs Hofmann vor dem ABB-Schweiz-Hauptsitz in Baden. (Montage)

Der neue Aargauer Landammann Urs Hofmann erwartet von Hitachi als neuem Eigentümer der ABB-Stromnetzsparte ein Bekenntnis zum Industriestandort Aargau. An dessen Zukunft glaubt er selbst nach wie vor.

Der SP-Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann ist zum dritten Mal Aargauer Landammann. Im grossen AZ-Interview sagt er, er könne den Entscheid der ABB, ihre Stromnetzsparte ans japanische Unternehmen Hitachi zu verkaufen, «nach wie vor nicht nachvollziehen».

Vom neuen Eigentümer Hitachi erwartet der Regierungsrat – wie auch von der ABB – ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Aargau. Hofmann: «Die ABB selbst wäre zudem gut beraten, einen substanziellen Teil des Verkaufserlöses in die Entwicklung ihrer industriellen Tätigkeit und die Weiterbildung des treuen Personals zu investieren. Ich bin überzeugt, dass dies auch im Interesse eines langfristig denkenden Aktionariats liegt.»

Die Realität sei, dass auch die Regierung meist erst informiert wird, wenn eine Entscheidung nicht mehr beeinflusst werden kann, sagt Hofmann zur Frage, ob man sich als Volkswirtschaftsdirektor auch mal hilflos fühlt. Dann bleibe oft nur, «sich mit aller Kraft für den Arbeitsplatzerhalt und für die künftige Entwicklung der Unternehmung im Aargau einzusetzen». Hofmann glaubt aber an die Zukunft des Industriestandorts Aargau.

Im Interview spricht er auch über islamistischen Terror, den FC Aarau, die Zusammenarbeit in der Regierung und darüber, warum seine SP im Vergleich zur deutschen Schwesterpartei gut dasteht.

Lesen Sie hier die Fragen und Antworten aus dem Interview zum ABB-Hitachi-Deal:

2019 hat nicht gut angefangen. Gerade vor Weihnachten verkaufte ABB das Stromübertragungsgeschäft. Viele ABB-Angestellte arbeiten bald für Hitachi. Was erwarten Sie vom neuen Besitzer?

Urs Hofmann: Ich kann den Entscheid der ABB nach wie vor nicht nachvollziehen. Vom neuen Eigentümer erwartet der Regierungsrat – wie auch von der ABB – ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Aargau. Die ABB selbst wäre zudem gut beraten, einen substanziellen Teil des Verkaufserlöses in die Entwicklung ihrer industriellen Tätigkeit und die Weiterbildung des treuen Personals zu investieren. Ich bin überzeugt, dass dies auch im Interesse eines langfristig denkenden Aktionariats liegt.

Fühlt man sich als Volkswirtschaftsdirektor in solchen Situationen manchmal auch hilflos?

Die Realität ist, dass auch wir meist erst informiert werden, wenn eine Entscheidung nicht mehr beeinflusst werden kann. Dann bleibt oft nur, sich mit aller Kraft für den Arbeitsplatzerhalt und für die künftige Entwicklung der Unternehmung im Aargau einzusetzen.

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Der Industriestandort Aargau wird durchgeschüttelt – nicht zum ersten Mal. Glauben Sie an seine Zukunft?

Ja. Es wäre falsch, in Pessimismus zu verfallen. Die rasante technische Entwicklung und die Digitalisierung bieten auch für die Industrie grosse Chancen. Ich bin immer wieder in Aargauer Unternehmen zu Besuch, die mit ihren Produkten Weltmarktführer sind. Auch Zulieferbetrieben, die sich spezialisieren und sich laufend weiterentwickeln, bieten sich in Zukunft gute Möglichkeiten. Zumal wir sehr gut ausgebildete Berufsleute haben. Tatsache ist aber: Man muss immer dranbleiben. Wer die Entwicklung verpasst, ist rasch weg vom Fenster. Der Regierungsrat unterstützt mit seiner Strategie «Hightech Aargau» den Industriestandort Aargau im Rahmen seiner Möglichkeiten.

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