Rücktritt

Urs Hofmann blickt auf bewegte Amtszeit mit zwei Mordfällen, grosser Gemeindereform und Hightech-Strategie

Urs Hofmann tritt nicht mehr zur Wiederwahl an. Bis dann hat er noch einige Projekte in der Pipeline.

Urs Hofmann tritt nicht mehr zur Wiederwahl an. Bis dann hat er noch einige Projekte in der Pipeline.

Der Justiz-, Polizei- und Volkswirtschaftsdirektor tritt im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl in die Aargauer Regierung an. Er kann auf eine bewegte Amtszeit zurückblicken.

In einem knappen Communiqué teilte die Staatskanzlei am Mittwoch mit, was von vielen erwartet worden war: Nämlich dass Justiz-, Polizei- und Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann (SP) nach drei Legislaturen am 18. Oktober nicht mehr zu den Gesamterneuerungswahlen des Regierungsrats antritt.

Die anderen Regierungsräte, Landammann und Finanzdirektor Markus Dieth (CVP), Energie- und Baudirektor Stephan Attiger (FDP), Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati (SVP), treten nochmals an. Damit kommt es am 18. Oktober lediglich zu einer Vakanz.

Vor einem Jahr sagte Urs Hofmann mit Blick auf die Wahlen 2020, altershalber könne er nochmals antreten, müsse aber nicht. Jetzt hat er sich entschieden. Es seien nicht gesundheitliche Gründe, die ihn dazu bewogen haben, sagt Hofmann, aber: «12 Jahre als Regierungsrat sind eine gute Zeit. Wäre ich acht Jahre jünger, wäre eine vierte Legislatur eine echte Option gewesen. So aber trete ich nicht nochmals an.»

Urs Hofmanns Karriere in Bildern:

Spekulationen, er hätte wieder antreten und nach zwei Jahren den Rücktritt geben können, damit seine Partei mehr Zeit hat, um seine Nachfolge aufzugleisen, weist er zurück: «Wenn ich nochmals angetreten wäre, dann für vier Jahre. Es entspräche nicht meinem Naturell, für eine neue Legislatur anzutreten, in der Absicht, sie nicht zu vollenden.»

Was er in einem Jahr machen wird, könne er noch nicht sagen. Er habe schon gewisse Vorstellungen, will aber noch nicht darüber reden: «Ich konnte bis jetzt im weiteren Bekanntenkreis gar nicht darüber sprechen. Jetzt kann ich es und werde es auch tun und meine weitere Zukunft planen. Ich habe ja noch knapp ein Jahr Zeit dafür.»

Urs Hofmann über die wichtigsten Momente seiner Amtszeit – beim Fall Rupperswil versagt ihm die Stimme

Urs Hofmann über die wichtigsten Momente seiner Amtszeit – beim Fall Rupperswil versagt ihm die Stimme

    

Keine Angst, als «lame duck» zu gelten?

Den Entscheid habe er bewusst früh gefällt und kommuniziert, damit seine Partei für die Nachfolgekandidatur genug Zeit hat. Dass er jetzt zur «lame duck» werden könnte, befürchtet er nicht: «Ich gedenke, in diesem Jahr noch einige Nägel einzuschlagen.»

Projekte hat er viele. Sein Ziel ist, noch 2020 die geplante Asylgrossunterkunft aufzugleisen. Und schon in den nächsten Monaten kommt das neue Polizeigesetz ins Parlament. Bis Ende Jahr soll auch der Baukredit für das neue Polizeigebäude in die Anhörung gehen.

Mord an Lucie Trezzini und Vierfachmord waren Zäsuren

Hofmann will noch die Integrationsagenda weiterentwickeln, lässt das Aargauer Polizeisystem evaluieren, prüft Optionen für die Weiterentwicklung des Jugendheims Aarburg und bereitet eine neue Anhörungsvorlage für eine Verlängerung des Hightech-Zentrums in Brugg vor, um nur einige Geschäfte zu nennen. In bisher elf Jahren Regierungstätigkeit hat Hofmann viel erlebt.

Zu seinen schwierigsten Zeiten zählte gewiss die Zeit nach dem Mord an der 16-jährigen Lucie Trezzini, der unmittelbar vor seinem Amtsantritt 2009 geschehen war. Und 2015 der Vierfachmord von Rupperswil, der mit aufwendigster und akribischster Polizeiarbeit geklärt werden konnte. Die Morde und das Leid der Angehörigen gingen Hofmann sichtlich auch menschlich sehr nahe.

«Unvorstellbar, diese Brutalität»

«Unvorstellbar, diese Brutalität»: Polizeidirektor Urs Hofmann im Interview mit Moderator Markus Gilli nach der Medienkonferenz zum Ermittlungserfolg im Vierfachmord Rupperswil. (12.5.2016)

Kaum im Amt, hatte er eine schon zuvor vom Parlament verabschiedete Gemeindereform zu vertreten. Weil sie einen Passus enthielt, wonach eine Gemeinde zur Fusion gezwungen werden könnte, ergriff die SVP erfolgreich das Referendum.

Eine sorgfältig aufgegleiste neue Aufgabenverteilung zwischen Kanton und Gemeinden sowie die Reform des kantonalen Finanzausgleichs wurden 2017 vom Volk gutgeheissen. Hofmann setzt sich überzeugt für das Milizsystem und Reformen ein, um es für die Zukunft zu erhalten.

2010 im Gespräch als Leuenberger-Nachfolger

2010 war er im Gespräch als möglicher Nachfolger für Bundesrat Moritz Leuenberger, nahm sich jedoch selbst aus dem Rennen. Er sei eben erst Regierungsrat geworden, und wolle jetzt diese Aufgabe ausführen.

Ein Jahr später machten er und seine damalige Regierungskollegin Susanne Hochuli (Grüne) Schlagzeilen mit ihrem öffentlichen Einsatz für die Waffenschutz-Initiative, wonach Wehrmänner aus Sicherheitsgründen ihr Sturmgewehr nicht mehr daheim aufbewahren sollten. Das Volk lehnte die Initiative ab.

Weitere gewichtige Stationen seines Wirkens sind eine Justizreform, die Hightech-Strategie der Regierung, und daraus abgeleitet das Hightech-Zentrum in Brugg sowie der im Aufbau begriffene Innovationspark in Villigen.

Er, der frühere kantonale Gewerkschaftsbundpräsident, engagierte sich besonders für Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort Aargau, besuchte zahllose Firmen, um sich ein Bild zu machen, sein Departement trommelte immer wieder für ältere Arbeitslose.

Nach verpasstem Aufstieg mit dem FC Aarau gelitten

Hofmann ist ein grosser Fan des FC Aarau, und litt öffentlich mit, als der Wiederaufstieg in die Super League auf der Ziellinie scheiterte. Er ärgert sich genauso öffentlich über Sporthooligans, für die er auch als Präsident der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz eine klare Antwort des Staates fordert.

019 fand er als Landammann nach dem abrupten Abgang von Gesundheitsdirektorin Franziska Roth mit Baudirektor Stephan Attiger eine gute Übergangslösung.

Am 9. Februar stimmt das Volk mit den neuen kantonalen Einbürgerungsregeln just über eine Vorlage aus Hofmanns Departement ab. Die vom Kantonsparlament verschärfte Lösung geht allerdings ihm und der Regierung zu weit. Hofmann dürfte also nicht unglücklich sein, falls sie an der Urne scheitern sollte.

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