Freibäder
Urin, Schweiss und Creme – Badis pumpen Frischwasser

Die Freibäder erleben in diesen Tagen den Höhepunkt ihrer Saison. Nach einem nassen und kühlen Start in den Sommer stürmten die Gäste am Wochenende und den Tagen danach nur so die Aargauer Freibäder. Doch was bedeutet das für die Badewasserqualität?

Christine Fürst
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Das Planschbecken in der Schachen Badi in Aarau: Das Wasser wird jeden Tag ausgewechsel.

Das Planschbecken in der Schachen Badi in Aarau: Das Wasser wird jeden Tag ausgewechsel.

Peter Weingartner

Die Seebadi in Beinwil am See war am letzten Sonntag - am Hitzesonntag mit fast 34 Grad - voll besetzt. Die Aargauerinnen und Aargauer suchten sich ein Plätzchen am Wasser, um immer mal wieder ein Bad im kühlen Nass zu nehmen. Doch das bedeutet für die Bademeister in den Freibädern, dass sie besonders darauf achten müssen, dass das Badewasser nicht zu warm wird, wie die az Limmattaler Zeitung meldet.

Schachen: Frischwasser besser als Chemie

Die Schachen Badi in Aarau vermeldete am Wochenende einen Besucherrekord von 4450 Menschen. «Durch die vermehrte Belastung lassen sich vermehrt auch Urin, Sonnencreme und Schweiss im Wasser nachweisen. Dies kann vor allem mit der Zugabe von Frischwasser behoben werden, alleine mit Chemie geht es nicht», sagt Kurt Widmer, der stellvertretende Bademeister. Der Chemiegehalt im Becken bleibe aber immer gleich. Durch Sonnenschein und die Bewegungen würde ein Teil der chemischen Stoffe wieder an die Umwelt abgegeben. Und dieser Teil wir dem Wasser wieder zugeführt.

Widmer ist überzeugt: «Frischwasser zuzuführen, ist immer besser als Chemie.» Zudem könne die Badi im Schachen auch von der Pauschale auf das Grundwasser profitieren, die sie jeweils bezahlen. So könne auch mehr frisches Wasser in die Becken gepumpt werden.

Richtlinien für Badewasserqualität

Im Kanton Aargau existiert eine Verordnung über die öffentlichen Bäder oder auch Bäderverordnung (BäV). Sie hat zum Ziel, Benützende und Personal der öffentlichen Bäder vor gesundheitlichen Schädigungen zu schützen, die durch mangelhafte hygienische Zustände in Badeanlagen oder durch die bei der Wasseraufbereitung und im Unterhalt dieser Anlagen verwendeten Chemikalien verursacht werden. Die Verordnung stützt sich auf die Norm 385/9 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) über die Anforderungen an das Wasser und an die Wasseraufbereitungsanlagen in Gemeinschaftsbädern (gültig ab Mai 2011). Darin steht: «Je nach Wasserqualität (Harnstoff, gebundenes Chlor, Beckenwassertemperatur) und Verfahrenskombination kann der erforderliche Frischwasserzusatz wesentlich höher sein.» Um die Parameter einzuhalten, müsse pro Besucher des Bades mindestens 30 Liter Füllwasser eingespiesen werden.

Das Nichtschwimmerbecken in Aarau ist momentan 24 Grad warm. Da es mehr Bewegung als das Schwimmerbecken erfährt, wird auch dort viel mehr Frischwasser rein gepumpt. Im Schwimmerbecken ist es mit 25,5 Grad etwas wärmer. Wegen der grösseren Wassermenge wird hier weniger Frischwasser gebraucht. Das Wasser im Planschbecken wird jeden Abend abgelassen, das Becken gereinigt und am Morgen mit frischem Wasser gefüllt.

Muri an der Grenze mit 26 Grad

Auch im Freibad Muri wird Frischwasser gepumpt, rund 100 bis 150 Kubikliter pro Tag, wie Bademeister Toni Bösch erklärt. Die Sonnenkollektoren erwärmen das Wasser auf 25 Grad, den Rest erledigt die Sonne selbst. So ist das Badewasser gegenwärtig rund 26 Grad warm. «Das ist an der oberen Temperaturgrenze», sagt Bösch.

Denn mit dem wärmeren Wasser beginnen sich die Algen zu entwickeln. Und das ist in Muri ein Problem. Die Becken bestehen aus Beton, der schnell von einem Algenfilm überzogen werden kann. «Dieses Problem haben wir aber im Griff. Es ist eine grosse Kunst, sicherzustellen dass die Becken nicht veralgen», sagt Bösch. Die Becken werden aus diesem Grund regelmässig abends mit speziellen Bassin-Reinigungsgeräten gereinigt.

Biobadi Biberstein braucht kein Frischwasser

Anders sieht es hingegen in der Biobadi in Biberstein aus. «Wir kühlen unser Wasser nicht mit Frischwasser herunter», sagt Bademeister Andreas Huber. Das Frischwasser hätte einen zu hohen Phosphatgehalt und würde somit das System in der Biobadi «düngen». Momentan ist das Wasser in Biberstein rund 25 Grad warm. «Wenn das Wasser noch wärmer wird, nimmt der Sauerstoffgehalt ab und es wird für die Lebewesen ungemütlich», ergänzt Huber.

Auch er meldet einen Besucherrekord am vergangenen Sonntag: Rund 660 Besucher fanden den Weg in die Biobadi. Huber bestätigt: «Je höher die Temperatur, desto mehr Leute im Wasser, desto mehr Bakterien.» Da die Biobadi auf 300 Besucher ausgelegt ist und dieser Wert am Sonntag deutlich überschritten wurde, geht er davon aus, dass auch der Bakterien-Grenzwert überschritten wurde. Das Ergebnis der Wasserproben sei aber noch offen. «Das pendelt sich aber wieder ein und wir weisen auch die Besucher darauf hin, dass sie nicht mit anstreckenden Krankheiten ins Bad dürfen und auch kein Badewasser trinken sollten», sagt er.

Eine grössere Abkühlung bieten auch die Aargauer Seen nicht: So meldet das Strandbad Seerose in Meisterschwanden 25 Grad im Hallwilersee und auch das Seebad Baldegg meldet 25 Grad im Baldeggersee. Einzig der Rhein kann eine grössere Abkühlung bieten: die Bafu-Messstation in Neuhausen gibt einen Wert von 23,6 Grad und die Station Weil am Rhein 24,1 Grad an.