Pro Natura

Untersuchung im Aargau zeigt: «Um unsere Quell-Lebensräume steht es nicht gut» – viele sind zerstört

Quellen gehörten somit zu den am meisten bedrohten Lebensräumen in der Schweiz.

Quellen gehörten somit zu den am meisten bedrohten Lebensräumen in der Schweiz.

37 Freiwillige von Pro Natura waren zwei Jahre unterwegs und haben in zwei Gebieten im Aargau die letzten Quellen kartiert. Die Organisation möchte ausgewählte Quellen in Zusammenarbeit mit den Eigentümern aufwerten und renaturieren.

Schweizweit kommen rund 100 Tierarten in natürlichen Quellen vor. Diese Arten – wie etwa die Quelljungfer oder bestimmte Köcher- und Steinfliegen – sind hochspezialisiert und genau an diesen Lebensraum angepasst. Doch zahlreiche Quellen werden in Drainage-Röhren abgeleitet oder für die Trinkwassernutzung gefasst. Deshalb sind sehr viele Quell-Lebensräume verschwunden oder beeinträchtigt. Heute weiss man im Aargau nicht, wo die letzten natürlichen Quellen noch sprudeln und welche besonders wertvoll sind.

So sieht eine natürliche Tuffquelle im Wald aus.

So sieht eine natürliche Tuffquelle im Wald aus.

Um dies herauszufinden, hat Pro Natura Aargau ein Projekt zur Kartierung der Quellen initiiert. «Dabei sind wir so vorgegangen, dass wir die Freiwilligen an Standorte geschickt haben, wo wir eigentlich noch natürliche Quellen erwartet hätten», sagt Projektleiterin Marianne Rutishauser von Pro Natura Aargau. «Wir sind begeistert vom Engagement der Freiwilligen, die rund 1100 Quellen kartiert haben», sagt Rutishauser.

Nun könne man sich ein besseres Bild über die Situation der Quellen in zwei untersuchten Gebieten – erste Jurakette und Unteres Reusstal – im Aargau machen. Nach einem Einführungskurs zur Kartiermethode sowie zum Lebensraum Quelle und seinen Bewohnern suchten die Freiwilligen in einem vorgegebenen Gebiet mögliche Quellenstandorte auf, beurteilten diese mittels eines kurzen Kartierbogens und erfassten diese fotografisch. Die gesammelten Daten flossen danach in eine Datenbank.

Die meisten natürlichen Quellen sind zerstört

Die Resultate seien bedenklich, hält die Projektleiterin fest. Die Auswertung bestätigt laut Rutishauser die Vermutung, «dass es um unsere Quell-Lebensräume nicht sehr gut steht. Nur knapp ein Viertel der Quellen weist einen natürlichen oder mässig beeinträchtigten Quell-Lebensraum auf. Die restlichen Quell-Lebensräume sind laut Rutishauser alle zerstört und bieten kaum Lebensraum für die gefährdeten Tiere. «Dieser Anteil ist in Wirklichkeit mit grosser Wahrscheinlichkeit noch höher, da viele Quellfassungen und Drainagen nicht bekannt sind», hält sie fest.

Quellen gehörten somit zu den am meisten bedrohten Lebensräumen in der Schweiz. «Sorge macht mir auch, dass viele der letzten natürlichen Quellen eine sehr geringe Schüttung aufweisen, also nur wenig Wasser austritt, und der Quell-Lebensraum oftmals nur klein ist», sagt Rutishauser. Bedenklich sei zudem, dass vielerorts Abfall im Quellbereich gefunden wurde. «Dies geschieht fast immer aus Unkenntnis über diesen unscheinbaren, aber sehr wertvollen Lebensraum», sagt die Projektleiterin.

Pro Natura überlegt sich Kauf wertvoller Quellen

Nach dem Pilotprojekt plant Pro Natura Aargau, zusammen mit dem Jurapark Aargau und mit fachlicher Begleitung seitens des Kantons, das Projekt ab 2021 auf den gesamten Nordteil des Kantons auszuweiten. Da sich die allermeisten der letzten natürlichen Quellen im Wald befinden, wird eine Zusammenarbeit mit dem Forst angestrebt.

Neben der umfassenden Kartierung möchte Pro Natura Aargau ausgewählte Quellen in Zusammenarbeit mit den Eigentümern aufwerten und renaturieren. Denkbar ist laut Rutishauser, dass die Naturschutzorganisation einzelne, speziell wertvolle Quell-Lebensräume erwerben und somit nachhaltig schützen könnte. (az)

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