Oberentfelden
Unternehmer unter sich: Raiffeisen schafft einen Begegnungsraum für Gewerbetreibende

Die Genossenschaftsbank schafft in Oberentfelden einen Begegnungsraum für Unternehmer. In Oberentfelden treffen sich die Unternehmer künftig in einer für rund 1,5 Millionen Franken umgebauten ehemaligen Kartonagenfabrik.

Peter Brühwiler
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Für den Begegnungsraum in Oberentfelden hat die Genossenschaftbank eine alte Kartonagenfabrik für 1,5 Millionen Franken umgebaut.

Für den Begegnungsraum in Oberentfelden hat die Genossenschaftbank eine alte Kartonagenfabrik für 1,5 Millionen Franken umgebaut.

AZ/Archiv

Die Raiffeisen-Gruppe, traditionell stark im Retailgeschäft, will auch bei der Unternehmensfinanzierung noch weiter vorne mitspielen. Vor zweieinhalb Jahren hat die Genossenschaftsbank deshalb in der Ostschweiz ihr erstes Raiffeisen-Unternehmerzentrum (RUZ) eingeweiht. Ein zweites folgte im Frühling 2015 in der Zentralschweiz, und nun ist mit «Aarau-West» in Oberentfelden die Nordwestschweiz an der Reihe.

«Raiffeisen hat sich zum Ziel gesetzt, das RUZ als wichtigste Anlaufstelle für KMU-Unternehmer und Gewerbetreibende in der Schweiz zu positionieren», so der Raiffeisen-CEO Patrik Gisel gestern anlässlich der Einweihung. Die Gruppe sei überzeugt, damit «einen massiven Beitrag an der Erhaltung des KMU-Wesens leisten zu können».

Grosse Ambitionen also. Auf Pomp hat man trotzdem bewusst verzichtet. Der Innenausbau ist in schlichten Materialien und viel Holz gehalten. Und dass das Unternehmerzentrum direkt neben einem Golfplatz steht, ist laut Raiffeisen Zufall: Die Unternehmer sollen sich bevorzugt um das grosse runde Cheminée versammeln, das bereits in den beiden anderen Zentren fester Bestandteil des Raumkonzepts ist.

Eine weitere Parallele: Für die bereits bestehenden Zentren in Gossau und Baar wurden alte Fabrikgebäude umgenutzt. Und in Oberentfelden treffen sich die Unternehmer künftig in einer für rund 1,5 Millionen Franken umgebauten ehemaligen Kartonagenfabrik. Alte Fabriken seien schliesslich Symbole der Industrialisierung, erklärte RUZ-Geschäftsführer Urs Wehrle. «Da wird gearbeitet, da läuft etwas».

Dafür, dass im RUZ Aarau-West in Oberentfelden etwas läuft, soll Daniel Gloor sorgen. Der Luzerner stammt aus einer Unternehmerfamilie und führte über
25 Jahre lang die Matrazenfabrik Superba in Büron, die einst sein Grossvater gegründet hatte. Damit passt er bestens ins Unternehmerzentrum-Konzept. Dieses lautet «Vom Unternehmer zum Unternehmer». Und damit, ist die Raiffeisen-Gruppe überzeugt, verfüge man über ein Alleinstellungsmerkmal.

Experten als Schlüssel zum Erfolg

An den beiden bisherigen Standorten wurden bereits 170 aktive Unternehmer in sechs halbtägigen Kurstagen zu sogenannten «RUZ-Experten» ausgebildet. In Oberentfelden wird nächste Woche laut Gloor der erste Kurs mit 22 Teilnehmern, die unter sich 400 Unternehmer-Erfahrungsjahre vereinen, abgeschlossen. Die Experten seien der «Schlüssel zu unserem Erfolg», hält er fest. Im Endausbau sollen in landesweit sechs bis acht Unternehmerzentren – die nächsten sind in Bern und Lausanne geplant – 300 bis 400 Unternehmer andere Unternehmer beraten.

Klar hofft die Raiffeisengruppe, durch dieses Angebot neue Kunden zu gewinnen. Man stehe «als Unternehmenspartner mit der ganzen Dienstleistungspalette zur Verfügung», so der Raiffeisen-CEO Gisel. Gloor betonte gestern aber auch, das Unternehmerzentrum wolle möglichst offen sein. Um Club-Mitglied zu werden oder andere Angebote zu nutzen brauche es keine Raiffeisen-Vergangenheit oder -Gegenwart. «Und etwas salopp formuliert: Wenn es dann eine Raiffeisen-Zukunft gibt, sagt hier sicher niemand nein.»

In Gossau und Baar funktioniert das Konzept laut Raiffeisen bereits gut. Und in Oberentfelden war zumindest schon mal das Einweihungsfest mit rund 350 Gästen – darunter laut Gloor «eine Mammut-Mehrheit von Unternehmern» – gut besucht. Auch Annelise Alig, Leiterin der kantonalen Standortförderung, sieht hinter dem Konzept «vom Unternehmer zum Unternehmer» durchaus Potenzial. «Das kommt immer gut an», sagt sie. «Denn einer, der selber schon die gleichen Probleme hatte, hat immer eine hohe Glaubwürdigkeit.»