Nur im Notfall wolle man Asylsuchende in unterirdischen Anlagen einquartieren. Das hat Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales, in den letzten Monaten immer wieder betont.

Inzwischen ist die geschützte Operationsstelle des Kantonsspitals Baden mit Asylbewerbern belegt, das unterirdische Notspital in Muri soll Ende Oktober in Betrieb genommen werden.

Vorgesehen ist überdies die Öffnung der geschützten Operationsstelle unter dem Spital Laufenburg, zudem kann die einst geheime unterirdische Anlage auf der Liebegg in Gränichen zum Asylzentrum umgebaut werden.

Bisher nicht zur Diskussion stand die Nutzung der grössten Zivilschutzanlage im Kanton. Diese befindet sich in Oftringen, wurde kürzlich für 2,8 Millionen Franken saniert, umfasst 105 Räume und erstreckt sich über drei unterirdische Geschosse.

Integriert ist laut Angaben auf der Website der Gemeinde eine geschützte Sanitätsstelle mit zwei Operationsräumen und über 200 Liegestellen. Hat der Kanton angesichts des Platzmangels in bestehenden Unterkünften konkrete Pläne, die Anlage in Oftringen mit Asylbewerbern zu belegen?

Balz Bruder winkt ab: «Ein Vorhaben, das über die Eventualplanung hinausgeht, Schutzanlagen grundsätzlich in Betrieb nehmen zu müssen, besteht für die Zivilschutzanlage Oftringen nicht.»

Unterirdisch ist deutlich teurer

Ein Grund dafür könnte sein, dass die unterirdische Unterbringung von Asylbewerbern auch Nachteile hat. So sagte Christoph Girod, Direktor der Genfer
Sozialorganisation Hospice général, am Dienstag in der SRF-Sendung «Eco», in Zivilschutzanlagen sei klar mehr Sicherheitspersonal notwendig.

Deshalb lägen die Kosten für Bund und Kanton pro Asylbewerber in einer unterirdischen Anlage rund dreimal höher als in einer Containersiedlung. Trifft das auch für den Aargau zu? «Den Direktvergleich mit einer Containersiedlung können wir nicht machen, weil wir keine solche haben», sagt Bruder.

Das Video zeigt den Bau einer Container-Siedlung als Provisorium beim Neubau des Altersheims Lenzburg – ähnliche Pavillons wären auch für Asylunterkünfte denkbar.

Das Video zeigt den Bau einer Container-Siedlung als Provisorium beim Neubau des Altersheims Lenzburg – ähnliche Pavillons wären auch für Asylunterkünfte denkbar.

Grundsätzlich sei die unterirdische Unterbringung von Asylbewerber aber tatsächlich teurer. «Der höhere Personalbedarf ergibt sich nicht zuletzt aus Brandschutzauflagen, die zu erfüllen sind», begründet Bruder.

Obwohl der Kanton mehrere Zivilschutzanlagen geöffnet hat und die Nutzung von Ikea-Flüchtlingshäusern prüft, sind Container-Lösungen laut Bruder nach wie vor ein Thema.

Brittnau will Container aufstellen

Weiter als das Sozialdepartement ist die Gemeinde Brittnau. Schon im Frühsommer sollen Wohncontainer für 15 bis 18 Asylsuchende aufgestellt werden. Diese werden zweistöckig angeordnet und können laut Sozialvorsteherin Nadine Sterchi jederzeit ergänzt werden.

Doch warum setzt Brittnau auf die Container? «Alle Mietwohnungen, die wir angeschaut haben, konnten wir doch nicht mieten», sagt Sterchi. Wenn die Gemeinde bis 2016 keine Unterkunft stellt, muss sie dem Kanton eine Ersatzabgabe von 412 000 Franken bezahlen.

«Wir wollen aber nicht nur aus finanziellen Gründen eine Unterkunft zur Verfügung stellen», betont Sterchi. Vielmehr wolle sich der Gemeinderat Brittnau auch solidarisch zeigen mit den Flüchtlingen.

Im Keller: So sieht es in dem unterirdischen Not-Spital in Muri aus.

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Geplant sind die Container mitten im Dorf, zwischen einem Kindergarten und der neu gebauten Turnhalle, auf einem gemeindeeigenen Grundstück. Bei einer ersten Information äusserten Anwohner die verschiedensten Ängste und Befürchtungen wegen des Standorts.

Unter anderem wurde kritisiert, dass der Gemeinderat die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stelle und eine Auseinandersetzung mit Alternativen nicht mehr möglich sei. In zwei Wochen, am 21. Oktober, findet eine Information für die Bevölkerung statt, am 27. November soll die Gemeindeversammlung über den Kredit für die Container entscheiden. Wie hoch die Kosten sind, ist noch nicht bekannt.

Container-Hersteller im Aargau

Die reine Bauzeit für Container-Unterkünfte ist kurz, in Genf wurde eine solche Siedlung für 200 Asylbewerber in acht Wochen erstellt. Ein möglicher Lieferant kommt aus dem Aargau: Bei Erne Holzbau in Laufenburg laufen laut der SRF-Sendung «Eco» rund 20 Projekte.

Geschäftsleitungsmitglied Patrick Suter sagte, auch in der Schweiz würden die Gemeinden langsam merken, dass sie Handlungsbedarf hätten. «Eine konkrete Anfrage des Kantons oder von Aargauer Gemeinden haben wir allerdings nicht», sagt Suter auf Anfrage der az.

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Die Container-Bauten müssen indes nicht zwingend neu erstellt werden. Wie «Eco» berichtet, ist auch ein Umbau von bestehenden Anlagen nötig. Ein mögliches Beispiel ist der Pavillon, der beim Neubau des Altersheims Obere Mühle in Lenzburg als Bettenprovisorium diente.

Die Anlage ist ab Sommer 2016 für eine Nutzung an einem anderen Ort wieder verfügbar. «Grundsätzlich wäre diese Anlage als Asylunterkunft geeignet, allerdings ist der Ausbaustandard mit Einzel-Nasszellen sehr hoch», sagt Suter. Deshalb geht er eher davon aus, dass dieses Provisorium mit 80 Betten im medizinischen Bereich weiter genutzt wird.

Hier geht es zum Kommentar von Fabian Hägler

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