Bildungspolitik

«Unsinnig und teuer»: Aargauer Schulpflegen wehren sich gegen Abschaffung

Seit der Einführung der geleiteten Schulen im Jahr 2003 gingen viele Aufgaben von der Schulpflege an die Schulleitungen über. (Symbolbild)

Seit der Einführung der geleiteten Schulen im Jahr 2003 gingen viele Aufgaben von der Schulpflege an die Schulleitungen über. (Symbolbild)

Die vom Regierungsrat geplante Abschaffung der Schulpflegen stösst erwartungsgemäss beim Verband der Aargauer Schulpflegen (VASP) auf heftigen Widerstand. An einer ausserordentlichen Generalversammlung hat der Verband beschlossen, dieses «wenig weitsichtige Vorhaben» zu bekämpfen, wie es in einer Mitteilung heisst.

Die Schulpflege nehme heute eine ausgleichende, integrierende Rolle zwischen Schule, Eltern und Gemeinderat wahr, erklärt Franco Corsiglia, Präsident des Verbandes der Aargauer Schulpflegen. «Sie hat damit auch eine sehr wichtige Funktion bei der Qualitätssicherung des Bildungsauftrages.»

Der Verband kritisiert weiter, dass die neuen Strukturen ohne Schulpflegen dazu führen würden, dass in Zukunft sämtliche Schulprobleme beim Gemeinderat landen, ohne dass in diesem sensiblen Bereich eine demokratische Instanz wie die Schulpflege zwischengeschaltet sei. So müsste sich der Gemeinderat künftig auch zu Promotionen äussern und diese bei allfälligen Elternrekursen rechtfertigen; der VASP sieht da viel Arbeit für Rechtsanwälte und hohe Kosten auf die Gemeinden zukommen.

Dass durch die Abschaffung der Schulpflegen unter dem Strich noch 1,7 Millionen Franken für die Gemeinden übrig bleiben, wie dies der Regierungsrat ausgerechnet hat, bezeichnet der Verband der Schulpflegen als «Augenwischerei». Denn die durch Abschaffung vermeintlich gesparten Gelder würden nie ausreichen, um die Mehrkosten zu decken, welche den Gemeinden dadurch entstehen, dass die Aufgaben der Schulpflege von anderen, teureren Gremien übernommen werden müssen. So müsste zum Beispiel der für die Schule zuständige Gemeinderat für sein grösseres Arbeitspensum auch eine höhere Entschädigung erhalten.

Schulleiter stärker belastet?

Ohne Schulpflege wären auch die Schulleitungen geschwächt, argumentiert der Verband. Denn sie müssten durch die vermehrten strategischen und politischen Aufgaben ihr eigentliches Kerngeschäft noch mehr vernachlässigen. Die Arbeitspensen würden weiter steigen, die ohnehin schon schwierige Rekrutierung von Schulleitungen würde nochmals erschwert.

Angesichts der Herausforderungen, die auf die Schule Aargau zukommen, brauche es Schulpflegen mehr denn je, schreibt der Verband. Einer Weiterentwicklung verschliesse man sich nicht. «Aber wir wehren uns gegen die unsinnige und teure Abschaffung einer bewährten, vom Volk gewählten Behörde», lautet die deutliche Kampfansage von Franco Corsiglia.

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