Wer erst einmal den Führerschein in der Tasche hat, freut sich auf das Autofahren und setzt sich nun auch regelmässig hinters Lenkrad. Das würde man meinen – doch diese Annahme stimmt keineswegs mit der Realität überein. Wie Daniel Menzi vom Schweizerischen Fahrlehrerverband gegenüber «20 Minuten» sagt, verfügen manche Fahrschüler über nur wenig Fahrerfahrung. Ihre Zahl sei seit Jahren konstant. 

Das ist auch dem Aargauer Fahrlehrer Verband (AFV) aufgefallen. Dessen Präsident Roger Wintsch erklärte auf Anfrage der AZ: «Dieses Phänomen trifft vor allem auf Neulenker zu, die in Gebieten mit sehr gut ausgebautem öffentlichen Verkehr zu Hause sind.»

Logisch, dass es sich unter solchen Umständen für junge Menschen anbietet, das Auto stehen zu lassen – sei es wegen der Kosten oder Staus wegen überfüllten Strassen.

Doch damit eignen sich viele junge Fahrer nicht die nötige Praxiserfahrung und Fahrsicherheit an. Eine Studie aus den Niederlanden zeigt: Wer das Jahr hindurch nur wenige Kilometer (unter 3000) zurücklegt, hat ein sechsmal höheres Unfallrisiko als Automobilisten, die jährlich 14'000 und mehr Kilometer fahren.

Mangelnde Praxiserfahrung bei Neulenkern ist also durchaus problematisch. Wintsch meint dazu: «Erfahrung ist in den Bereichen in denen es um Menschenleben geht immer wichtig.»

Ein Blechschaden sei diesbezüglich zwar sicherlich zu verschmerzen. Trotzdem sei jeder Unfall einer zu viel: «Unfälle passieren nicht, sie werden verursacht. Und das zu 98 Prozent durch menschliches Versagen.»

Im Aargau gibt es dabei zwar keine Unfall-Statistik, die aussagekräftige Zahlen dazu liefern könnte, inwiefern dieses Versagen auf mangelnde Fahrerfahrung zurückzuführen ist. Doch auch David Venetz vom TCS erklärte gegenüber «20 Minuten», dass mangelnde Fahrpraxis zu den wichtigsten Risikofaktoren im Strassenverkehr gehört.

Rat beim Fahrlehrer suchen

Für ältere Leute, die unsicher auf der Strasse sind, hat der AFV bereits «Sicher fahren im Alter» ins Leben gerufen. Dabei überprüfen Fahrlehrer die Fahrfähigkeite von Senioren. 

Projekte, die mangelnde Fahrpraxis von Fahranfängern als Hauptthema behandeln, gibt es laut Roger Wintsch beim AFV zwar nicht. Doch sei jeder Fahrlehrer natürlich in der Lage, konkret auf die Probleme eines Neulenkers mit mangelnder Fahrpraxis einzugehen und diese auch zu beheben. 

Knackpunkte sind aber das eigene Interesse der jungen Fahrer, an solch einer Weiterbildung teilzunehmen, und die Bereitschaft, dafür zu zahlen. 

(cki)