Die Aargauerinnen und Aargauer entscheiden am 18. Mai an der Urne, ob im Kindergarten nur noch Mundart gesprochen werden soll. Dies verlangt eine seinerzeit von den Schweizer Demokraten lancierte Volksinitiative.

Die Initianten machen geltend, Mundart und Dialekte gehörten zu unserer Kultur und festigten unsere Identität. Die Kinder sollten das soziale Verhalten im Umfeld des Kindergartens erleben und stärken können, und das sei in der Ausdrucksweise der Muttersprache am besten möglich. Sie befürchten zudem, dass die Kinder mit Mundart und Hochdeutsch ein Durcheinander bekommen könnten.

Dass Mundart und Dialekte zu unserer Kultur gehören und unsere Identität festigen, ist zweifellos richtig. Nur funktioniert dies im Kindergarten längst genau so.

Die Kinder können dort selbstverständlich heute und auch morgen ausschliesslich Mundart reden. Niemand will ihnen etwas vorschreiben. Wenn ein Kind aber von sich aus im Chindsgi mal Hochdeutsch üben und sprechen will, ist dies ebenfalls möglich.

Die Kindergartenlehrkräfte hingegen haben heute den Auftrag, je hälftig Mundart und Hochdeutsch zu reden.

Per 1. August 2014 wird der Anteil an Hochdeutsch auf rund einen Drittel gesenkt, der Mundartanteil auf rund zwei Drittel erhöht. Dies hat die Regierung in der Hoffnung beschlossen, die Initiative würde aufgrund dieses Entgegenkommens zurückgezogen. Das passierte nicht, deshalb kommt es zur Volksabstimmung.

Sollte das Volk die Initiative ablehnen, kommt diese Änderung selbstverständlich zum Tragen. Dies ist eine angemessene Lösung.

Mit Blick auf die Schule kommen die Kinder so spielerisch mit Hochdeutsch in Kontakt. Das schärft ihr Sprachbewusstsein. Nach allen Erfahrungen reagieren sie darauf mit Offenheit und Neugier.

In der Schule und später im Beruf kommt ihnen das zugute. Ein Durcheinander bekommen sie deswegen nicht. Dies auch, weil die Lehrpersonen gehalten sind, Hochdeutsch- und Mundartsequenzen sauber zu trennen, sodass die Kinder beide Sprachformen voneinander unterscheiden können.

Das gelingt offenkundig gut. Das Bildungsdepartement beteuert, in den Jahren, seit die Mundart-/Hochdeutsch-Regelung gilt, kaum negative Reaktionen erhalten zu haben.

Die Kinder kommen zudem im Alltag via TV, Radio, Kino, Märchen-CDs usw. sowieso täglich mit Hochdeutsch in Kontakt. Das gehört zu ihrer Realität. Dass der heutige Umgang mit Mundart und Hochdeutsch im Kindergarten nicht negativ wirkt, zeigen auch die Leistungstests in der fünften Klasse.

Diese weisen laut Regierung einen Trend zu besseren Deutschleistungen aus - gewiss aus vielen Gründen.

Aber auch dies zeigt: Es gibt keinen Grund, die in den Kindergärten geltende Mundart-Hochdeutsch-Regelung über Bord zu werfen.