Aarburg

Unia verhilft 13 ungarischen Gipsern mit Protestaktion zum Lohn

Christian Capacoel (braune Jacke) von der Unia hat die Arbeiter informiert, dass sie bald einen Teil ihres Lohnes bekommen.

Christian Capacoel (braune Jacke) von der Unia hat die Arbeiter informiert, dass sie bald einen Teil ihres Lohnes bekommen.

Die Gewerkschaft Unia wollte am Mittwoch gegen das Aarburger Gipserunternehmen Mirarchi demonstrieren lassen – doch dazu kam es nicht. Die beiden Seiten einigten sich vor Protestbeginn. Laut Unia geht es um 70'000 Franken.

Weil die Alpine Gips AG, ein Subunternehmen des Gipsergeschäfts Gabriele Mirarchi AG, die Löhne von 13 ungarischen Arbeitern nicht bezahlt haben soll, rief die Unia gestern zur Protestaktion. Es kam aber anders. Die Unia und das Gipsergeschäft konnten sich im Vorfeld der auf 14 Uhr angesetzten Demonstration darauf einigen, dass vorerst jeder Mitarbeiter heute eine Teilauszahlung bekommt.

Weil die meisten der betroffenen Bauarbeiter seit Januar oder Februar keinen Lohn erhalten hatten, konnten sie ihre Wohnungen oder Hotels nicht mehr bezahlen und hatten auch sonst kein Geld für den täglichen Gebrauch. Ab und zu hätten sie gemäss Unia eine kleinere Barauszahlung erhalten.

Notzahlung oder Goodwill?

Christian Capacoel, Leiter Bau und Gewerbe bei der Unia Region Aargau sieht in der ausgehandelten Lösung
eine Notzahlung. Rita Gänssler-Mirarchi, Tochter des Besitzers der Firma und Frau des Geschäftsführers sprach von «Goodwill».

Konkret erhält jeder betroffene Bauarbeiter heute 1000 Franken; für Essen und Unterkunft. Dass manche Arbeiter aufgrund der Situation in ihre Heimat zurückkehren, ist gemäss Capacoel nicht auszuschliessen. Klar ist gemäss Capacoel aber: «Innerhalb der nächsten zwei Wochen müssen die offenen Zahlungen beglichen werden.»

Nach Schätzungen der Unia belaufen sich die Ausstände auf 70 000 Franken. Die Gabriele Mirarchi AG kommt auf einen geringeren Betrag. Die Firma ist sich zwar ihrer Pflicht der Nachzahlungen bewusst, will aber erst klären, wer effektiv wie viele Stunden geleistet hat. «Wir arbeiten seit dem 1. Februar mit der Alpine Gips GmbH zusammen», sagt Rita Gänssler.

13 ungarische Gipser erhalten keinen Lohn - Gewerkschaft protestiert

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Die Unia ihrerseits spricht von ausstehenden Lohnzahlungen teilweise seit Januar. Gearbeitet haben die Männer aus Ungarn auf drei Baustellen: auf jener von Cinema 8 in Schöftland, der Überbauung Stollenweg in Hausen und dem Erweiterungsbau des Alters- und Pflegeheims in Derendingen (SO).

Die Alpine Gips GmbH, deren Generalunternehmen Alpine Gips GU letzte Woche Konkurs ging, hat gemäss Rita Gänssler 20 Männer für Bauarbeiten aus Ungarn in die Schweiz geholt. Für die Gabriele Mirarchi AG gearbeitet hätten aber höchstens neun von ihnen.

«Unser Unternehmen hat 35 Mitarbeiter und 31 Unterakkordantenfirmen. Diese bestehen aus je zwei bis zehn Personen», sagt Rita Gänssler weiter. «Wir kontrollieren bei jedem Mitarbeiter monatlich die Arbeitsverträge, Löhne, etc. Weil die Zusammenarbeit mit der Alpine Gips GmbH neu ist, dauert es mindestens einen Monat, bis jeweils alle Dokumente vorliegen.» Die Dubiosität dieser Firma sei der Mirarchi AG schlichtweg durch die Lappen gegangen.

Die Verantwortlichen des Aarburger Gipsergeschäfts waren über das Vorgehen der Unia mit Protestankündigung an die Medien verärgert, zumal sie keine Kenntnis davon hatten. So erstaunte es nicht sonderlich, dass zum Schluss auch Regional- und Kantonspolizei aufgeboten wurden.

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