Novartis-Kahlschlag
Unia greift Bundesrat Schneider-Ammann an: «Hat seine Verantwortung offensichtlich abgegeben»

Einen Monat nach der Hiobsbotschaft von Novartis fordert die Gewerkschaft Unia der Region Aargau-Nordwestschweiz Taten von den betroffenen Kantonen – und ärgert sich über Johann Schneider-Ammanns Passivität.

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Im Novartis-Werk in Stein werden 700 Stellen abgebaut. Keystone

Im Novartis-Werk in Stein werden 700 Stellen abgebaut. Keystone

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Novartis wird in der Schweiz über 2000 Stellen abbauen – 1000 davon allein in Basel, 700 im aargauischen Stein. Die Schreckensnachricht des Pharmariesens vor rund einem Monat schlug hohe Wellen. Von Sauerei, Schock und Enttäuschung war die Rede. Nun fordert die Geschwerkschaft Unia der Region Aargau-Nordwestschweiz die Regierungen der betroffenen Kantone auf, gemeinsam an einem Strick zu ziehen.

Dies sei umso wichtiger, da «Bundesrat Johann Schneider-Ammann seine Verantwortung offensichtlich bereits abgegeben hat und sich weigert, für die 2150 Stellen einzusetzen», schreibt die Gewerkschaft in einer Medienmitteilung. Die Unia habe den Bundesrat bereits aufgefordert, eine Kommission einzusetzen, dies hatte der (Noch-)Wirtschaftsminister jedoch abgelehnt.

Der Entscheid des Bundesrates dürfe den Kantonen aber nicht als Ausrede dienen, noch länger zuzuwarten und keine eigene Schritte in die Wege zu leiten, schreibt die Unia weiter. Und nimmt die zuständigen Regierungsräte der Kantone Basel-Stadt, Basel-Land und Aargau in die Pflicht: «Sie müssen sich im Sinne der Standortpolitik für den Erhalt der Arbeitsplätze, für die Arbeitnehmenden und ihre Familien einsetzen.»

Der Aargauer Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann hatte von Novartis bereits gefordert, den Entscheid noch einmal zu überdenken. Direkte Einflussmöglichkeiten habe die Regierung jedoch nicht, so Hofmann. (sam)

Auf- und Abbau bei Novartis – von der Ciba-Sandoz-Fusion bis zum jüngsten Stellenabbau:

Fusion Sandoz und Ciba geben 1996 die Fusion zu Novartis bekannt. Alex Krauer (Ciba) wird Präsident, Daniel Vasella (Sandoz) wird Chef. Von den rund 100 000 Stellen sollen 10 000 abgebaut werden, davon rund ein Drittel in der Schweiz.
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Fokus I Zwischen 1997 und 2002 trennt sich Novartis von mehreren Bereichen. Die Ciba Spezialitätenchemie wird 1997 anhand eines Börsengangs verselbstständigt. Im Jahr 2000 folgt die Abspaltung des Agrochemieteils. Dieser wird mit jenem von Astrazeneca fusioniert, woraus Syngenta entsteht. Zwei Jahre später wird die Lebensmittel- und Getränkesparte (u. a. Ovomaltine, Wander) verkauft.
Krisenjahr Novartis reagiert 2007 auf einen schleppenden Geschäftsgang, unter anderem wegen der Konkurrenz durch Generika. Der Pharmakonzern plant, weltweit 2500 Stellen abzubauen, davon 400 in der Region Basel.
Alcon Novartis übernimmt die Augenheilfirma Alcon 2011 vollständig. Die Basler zahlen dafür 51 Milliarden Dollar. Zwei Jahre später geht Daniel Vasella von Bord. Bereits seit 2011 übergab er das Amt des Konzernchefs an Joe Jimenez. Neuer Präsident wird Jörg Reinhardt. Für Empörung sorgt Vasellas Abgangsentschädigung in der Höhe von 72 Millionen Franken. Nach der landesweiten Empörung «verzichtet» Vasella darauf.
Fokus II Novartis konzentriert sich auf Pharma, Augenheilkunde und Generika. Das Geschäft mit Tiergesundheit und Impfstoffen wird verkauft, das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten wird in ein Gemeinschaftsunternehmen mit GlaxoSmithKline ausgelagert. IT, Einkauf, Immobilienmanagement werden in der neuen Einheit Novartis Business Services zusammengefasst.
Abbau I Im Frühling 2017 kündigt Novartis an, 500 Stellen in der Region Basel abzubauen und gleichzeitig 350 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Im Herbst gibt Joe Jimenez seinen Rücktritt bekannt. Nachfolger wird Vas Narasimhan, ein Amerikaner mit indischen Wurzeln. Er fällt den bereits angedachten Entscheid, Alcon abzustossen und an die Börse zu bringen.
Abbau II Novartis gab gestern bekannt, dass in der Schweiz rund 2100 Stellen abgebaut werden. Betroffen sind vor allem die Standorte Basel, Schweizerhalle BL und Stein AG. Einen Monat zuvor kündigte der Konzern an, in Stein zunächst 260 neue Stellen für die Herstellung einer neuen Gentherapie zu schaffen. Im besten Fall könnten später gar 450 Arbeitsplätze entstehen.

Fusion Sandoz und Ciba geben 1996 die Fusion zu Novartis bekannt. Alex Krauer (Ciba) wird Präsident, Daniel Vasella (Sandoz) wird Chef. Von den rund 100 000 Stellen sollen 10 000 abgebaut werden, davon rund ein Drittel in der Schweiz.

Keystone