Stromabkommen
Ungeschminkte Kritik an Bundesbern aus dem Aargau: «Die Politik hat versagt»

AEW-Präsident Ernst Werthmüller kritisiert den Bund für die unerfolgreichen Verhandlungen mit der EU: «Wir haben immer noch kein Stromabkommen, die nationale Politik hat versagt.»

Mathias Küng
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So verschieden sind die Stromtarife für eine Vierzimmerwohnung

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MTA

AEW-Präsident Ernst Werthmüller ist ein kritischer Beobachter der Energiepolitik. Er wartet dringend auf das Stromabkommen, über das die Schweiz mit der EU seit vielen Jahren verhandelt. Es ist inzwischen offenbar ausgehandelt, aber derzeit geht zwischen Bern und Brüssel nichts.

Werthmüller ungeschminkt: «Wir haben immer noch kein Stromabkommen, die nationale Politik hat versagt.» So fehle ein Marktzugang etwa für das teure Pumpspeicherwerk Linth-Limmern, bei dem man schon rund 1,5 Milliarden Franken abschreiben musste. Werthmüller: «In Süddeutschland bestünde ein Markt.»

Einst hoffte man, dass die Geothermie substanziell Wärme und Strom liefert. Wärme werde man erhalten, kaum aber Strom, sagt Werthmüller nach dem Abbruch mehrerer hoffnungsvoller Projekte in Basel, St. Gallen und Zürich. Er kommt deshalb zum Schluss: «Die Geothermie ist tot.» Die Windkraft habe Potenzial, man komme aber kaum voran: «Es herrscht das St.-Florians-Prinzip. Wir sind dabei und kämpfen für unsere Projekte. Die Hoffnung stirbt zuletzt.»

Er fragt sich, wohin sich die Energiewende entwickelt. Die deutsche Kanzlerin habe die CO2-Ziele offenbar aufgegeben, sagt Werthmüller mit Blick auf unseren nördlichen Nachbarn. Der tiefe Strompreis sei aber diktiert aus der EU, primär aus Deutschland. Die Grafik unten zeigt den durchschnittlichen Strompreis 2018 in den Kantonen – am Beispiel eines Haushalts mit einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden jährlich.

Wasserzins: Für andere Lösung

Der Wasserzins belastet traditionell die schweizerische Wasserkraftproduktion. Bergkantone sind auf dieses Geld angewiesen. Auch der Aargau als einer der grössten Stromproduzenten aus Wasserkraft kassiert so jährlich rund 50 Millionen Franken. Solange die Preise stimmten, trug die Energiewirtschaft dieses Regime mit.

Doch seit 2009 hat sich der Marktpreis halbiert. Zudem habe sich der Wasserzins von der Teuerungsentwicklung entkoppelt, sagt AEW-CEO Hubert Zimmermann. Die Wasserkraft sei der Schlüssel zur Versorgungssicherheit, betont er. Die Wasserzinsentwicklung gefährde die Konkurrenzfähigkeit. Er verstehe, dass die Kantone dieses Geld brauchen. Zimmermann schlägt eine andere Lösung vor, nämlich den Wasserzins künftig via Netzabgaben zu sichern.

Die AEW Energie AG könne mit diesem Thema umgehen, so Zimmermann weiter. Die Axpo – an der Kanton und AEW substanziell beteiligt sind – habe aber einen hohen Anteil Wasserkraft im Portefeuille. Man könne kaum erwarten, dass der Kanton den Wasserzins senkt, ergänzt Ernst Werthmüller. Aber es brauche eine andere Lösung.