Überschwemmungen
Ungenügend versichert: Hausbesitzer können auf hohen Kosten sitzen bleiben

Für manchen vom Unwetter betroffenen Hausbesitzer könnten die Überschwemmungen vom Wochenende noch ein zweites Mal böse Folgen haben: Wenn das Wasser von unten ins Haus fliesst, reicht die obligatorische Gebäudeversicherung nicht aus.

Manuel Bühlmann, Flurina Dünki, Patrick Furrer und Fabian Tschamper
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Nach dem Monstergewitter vom Samstag gingen bei der Feuerwehr in Zofingen rund 550 Meldungen ein. Fast pausenlos standen die Leute von Kommandant Peter Ruch die letzten zwei Tage im Einsatz. Die meisten Schadenfälle seien innerhalb eines Tages erledigt worden, sagt die Zofinger Stadträtin Christiane Guyer. Inzwischen hat der Zivilschutz die Leitung der Aufräumarbeiten übernommen. Doch für viele Betroffene beginnt die grosse Arbeit erst jetzt – und auch die Versicherungsexperten sind gefragt.

Bei der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) sind über 1500 Schadenmeldungen eingegangen – und es dürften noch mehr werden. Die meisten Schäden sind über die obligatorische Gebäudeversicherung gedeckt. Sie zahlt bei Feuer, Steinschlag und Hagel, Schneerutsch oder Hochwasser. In der obligatorischen Versicherung nicht inbegriffen sind geborstene Wasserleitungen oder wenn das Wasser ausschliesslich von unten her ins Hausinnere geströmt – etwa über einen Rückstau bei der Kanalisation. Ohne zusätzliche Gebäudewasserversicherung bleiben Betroffene in solchen Fällen auf den Kosten sitzen. «Dass Einzelne zwischen Stuhl und Bank fallen, lässt sich nicht ausschliessen», sagt AGV-Abteilungsleiter Peter Schiller.

Auch die Besitzer der weit über 100 beschädigten Autos dürften teilweise leer ausgehen. Fahrzeuge sind nicht nach Neuwert versichert. Das heisst: Die Versicherung zahlt nur einen Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises.

Stark getroffen vom Unwetter wurden nicht nur die Stadt Zofingen, sondern auch umliegende Dörfer. In Bottenwil ist die Trinkwasserversorgung beschädigt, das Wasser muss vorläufig abgekocht werden. Und in Uerkheim stellt sich die Frage nach dem Hochwasserschutz. Zweimal haben die Einwohner in den letzten fünf Jahren entsprechende Massnahmen abgelehnt. Der Kanton könnte eine Sanierung der Uerke, die am Samstag den höchsten Gefahrenpegel bei weitem überschritt, zwar verordnen. Gegen den Willen der Bevölkerung ein Projekt zu realisieren, sei aber wenig sinnvoll, sagt Martin Tschannen von der Abteilung Wasserbau. Und er räumt ein, die geplanten Schutzmassnahmen hätten bei einer Überschwemmung wie am Samstag nicht alle Schäden verhindert. «Die Auswirkungen wären aber geringer gewesen.»