Für die Ausgangslage zu den Regierungsratswahlen gibt es nach wie vor eine Unbekannte: Die amtierende Frau Landammann Susanne Hochuli von den Grünen lässt die Öffentlichkeit weiter im Ungewissen, ob sie sich zur Wiederwahl stellt. Parteipräsident Daniel Hölzle hatte mit einer Klärung bis zum Ferienbeginn gerechnet, aber daraus wurde nichts. Jetzt weilt er selber in den Ferien, bis zum 18. Juli gehe sicher nichts, meint Hölzle, der aber «nach wie vor relativ entspannt» ist. Will heissen: Er rechnet nicht damit, dass Susanne Hochuli ihn doch noch mit einer Rücktrittserklärung überraschen wird.

Das sieht man bei den anderen Parteien ähnlich, nur: Sicher ist man nicht. Und eine Überraschung würde die Ausgangslage fundamental verändern. Mit ihrer Zweierkandidatur zielt die SVP ganz klar auf Hochulis Sitz.

Franziska Roth am Dienstagabend bei der SVP Windisch:

Gegen eine amtierende Regierungsrätin anzutreten, ist aber ein Unterfangen mit zweifelhaften Erfolgsaussichten, zumal SVP-Kandidatin Franziska Roth bis zu ihrer Nomination selbst Kennern der Aargauer Politik kaum bekannt war. Sollte hingegen ein zweiter Sitz frei werden, dürfte sich die SVP-Kandidatin mehr als gute Wahlchancen ausrechnen, möglicherweise sogar mit Unterstützung der anderen bürgerlichen Parteien.

Franziska Roth offiziell als Regierungsratskandidatin vorgestellt – Angriff gegen Hochuli?

Hier wurde Franziska Roth als Regierungsratskandidatin vorgestellt

Franziska Roth wurde offiziell als Regierungsratskandidatin vorgestellt. Die Nomination der Asyl-Hardlinerin dürfte eine klare Ansage der SVP sein.

Das war der Stand bis jetzt. Doch nun kommen sogar in den eigenen Reihen Zweifel auf, ob man die Wahlen mit Kandidatin Roth richtig angepackt hat. Natürlich will niemand öffentlich Zwietracht säen, aber hinter vorgehaltener Hand wird Kritik daran laut, dass die Kandidatin nicht früher damit begann, das Handicap der mangelnden Bekanntheit und Verankerung im «Politkuchen» mit einer intensiven Kampagne wettzumachen.

Mit gutem Grund: Für den Fall der Fälle (dass es zu einer zweiten Vakanz kommt) muss man sich überall neue Szenarien überlegen: Im links-grünen Lager sowieso, aber auch bei den Bürgerlichen: Soll man den frei werdenden Sitz einfach der SVP überlassen oder selber eine Kandidatur anmelden?

«Das wäre ein Affront»

Der Gedanke scheint bei der FDP an Sympathie zu gewinnen. Sie sollen der SVP bereits mehr oder weniger offen mit einer eigenen Kandidatur gedroht haben. Gerüchte gebe es viele, aber so etwas sei ihm von offizieller Seite nicht eröffnet worden, sagt SVP-Präsident Thomas Burgherr. Die FDP habe schon vor einem halben Jahr erklärt, sie trete nur mit Stephan Attiger an. Er gehe davon aus, dass dies weiterhin gilt, «alles andere wäre ein Affront».

Das Dementi überzeugt allerdings nicht, aus sicherer Quelle ist zu vernehmen: Vielleicht war der Kontakt nicht «offiziell», aber es gab erst vor wenigen Tagen von den Freisinnigen tatsächlich Signale, dass in den eigenen Reihen nicht zuletzt aufgrund des schleppend in Gang kommenden Wahlkampfs der SVP der Druck auf eine eigene Kandidatur spürbar werde.