Töfffahren
Unfallverhütungs-Experte: «Sicherheitsreserven einbauen ist das A und O»

Experte Mario Cavegn rät zum defensiven Fahren und warnt davor, die Geschwindigkeit auszureizen.

Mathias Küng
Merken
Drucken
Teilen
Die Helmtragequote liege praktisch bei 100 Prozent, sagt Experte Mario Cavegn. (Archiv)

Die Helmtragequote liege praktisch bei 100 Prozent, sagt Experte Mario Cavegn. (Archiv)

Keystone

30 Prozent der Schwerverletzten im Verkehr sind Motorradfahrer – erschreckend viele. Nützen die Präventionskampagnen nichts?

Mario Cavegn: Obwohl das Unfallgeschehen der Motorradfahrenden in den letzten Jahren zurückgegangen ist, bleibt ihr Unfallrisiko in der Tat überproportional hoch. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat deshalb bereits 2010 ein Präventionsprogramm Motorrad mit einer breiten Palette von Massnahmen lanciert.

Was tut die Beratungsstelle konkret, damit es weniger Unfälle gibt?

Massenmediale Kampagnen zur Sen-sibilisierung der Motorradfahrenden leisten ihren Beitrag, reichen alleine aber nicht aus. Dementsprechend werden im Rahmen des Präventionsprogramms auch andere Bereiche angegangen, wie beispielsweise die Optimierung der Fahrausbildung oder die Sanierung von Gefahrenstellen. Wir sind zuversichtlich, dass das Gesamtpaket einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Unfallreduktion leisten wird.

Setzen Sie sich ein zahlenmässiges Ziel zur Reduktion der Motorradunfälle in den nächsten Jahren?

Bei der Lancierung des Präventionsprogramms haben wir uns das Ziel gesetzt, die Anzahl der schwer oder tödlich verunfallten Motorradfahrenden bis ins Jahr 2015 um 15 Prozent zu senken. Dieses Zwischenziel konnte erreicht werden. Auch in der aktuellen Phase, die bis 2020 dauert, sind wir natürlich bestrebt, das Unfallgeschehen in signifikantem Ausmass zu reduzieren.

Zur Person

Mario Cavegn ist Teamleiter Forschung Strassenverkehr und Motorradexperte bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu

Sind Motorradfahrer in der Regel zum Selbstschutz mit ausreichender Schutzkleidung unterwegs, oder besteht Handlungsbedarf?

Während die Helmtragquote bei praktisch 100 Prozent liegt, gilt dies keineswegs für die protektive Bekleidung. Eines der Hauptprobleme sind junge Lenkende von Kleinmotorrädern, die nicht selten in leichten Alltagskleidern fahren. Auch Pendler sind oftmals zu wenig gut geschützt. Dadurch können selbst kleinere Stürze schwerwiegende Verletzungen zur Folge haben. Fahrer von grösseren Maschinen sind indes verhältnismässig gut ausgestattet. Bei ihnen ist eher die Vorliebe für dezente, unauffällige Farben problematisch. Dadurch steigt das Risiko, übersehen zu werden.

Würde es etwas nützen, Motorradfahrer zum Beispiel vor Kurven, in denen besonders viele Unfälle passieren, über eine App zu warnen?

Die Beratungsstelle möchte die derzeit laufende Kampagne «Stayin’ alive» verlängern und dabei auch das Wissen zu unfallträchtigen Strecken oder Stellen einfliessen lassen. In welcher Form dies am besten geschieht, gilt es aber noch abzuklären.

Sie informieren auf viel befahrenen Pässen mit Ständen und klären über Unfallgefahren auf. Welches ist denn die Hauptursache
für Motorradunfälle?

Zentral sind zwei Unfallarten: Einerseits Unfälle an Kreuzungen und anderseits Selbstunfälle. Diese beiden Unfallarten machen zusammen rund drei Viertel aller schweren Motorradunfälle aus. Kollisionen mit Motorrädern entstehen vor allem wegen Vortrittsmissachtungen durch Autofahrer, die Selbstunfälle wiederum insbesondere durch überhöhte oder unangepasste Geschwindigkeit.

Wie kann man als Motorradfahrer die Fahrt geniessen und trotzdem sicher unterwegs sein?

Das A und O ist es, Sicherheitsreserven bewusst einzubauen und bei der Fahrt die Geschwindigkeit nicht auszureizen. In Vortrittssituationen gilt es nach Möglichkeit Blickkontakt herzustellen und stets bremsbereit zu sein, denn Töffs werden aufgrund ihrer schmalen Silhouette einfach übersehen oder viel zu spät erkannt. Weitere Tipps zum defensiven Fahren gibt unsere Kampagne «Stayin’ alive», die wir übrigens zusammen mit der Fédération Moto Schweiz FMS durchführen.