Bundesgericht
Unfall mit Motorradfahrer: Bundesgericht bestätigt Urteil gegen PW-Lenkerin

Eine Autofahrerin verletzt mit ihrem Personenwagen im September 2009 einen Motorradfahrer schwer. Die Lenkerin ging wegen des Urteils vor Bundesgericht. Doch auch dieses verurteilt sie zu einer Geldstrafe und einer Busse samt Gerichtskosten.

Urs-Peter Inderbitzin
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Der Motorradfahrer wurde 2009 schwer verletzt.

Der Motorradfahrer wurde 2009 schwer verletzt.

Aargauer Zeitung

Das Aargauer Obergericht hat eine Autolenkerin, die einen abbiegenden Motorradfahrer überholt und diesen dabei schwer verletzt hat, wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 9000 Franken sowie zu einer Busse von 500 Franken verurteilt.

Der schwere Unfall hatte sich am 30. September 2009, morgens um 06.30 Uhr, auf der Othmasingerstrasse in Dottikon zugetragen. Eine Autofahrerin überholte mit ihrem Personenwagen einen Motorfahrradlenker, der im gleichen Zeitpunkt nach links in die Abzweigung Griggelacher einbog.

Es kam zu einer Kollision, bei welcher der Motorradfahrer auf die Windschutzscheibe des Personenwagens und von dort auf die Strasse geschleudert wurde. Der Mann verletzte sich dabei schwer.

Freispruch - Verurteilung

Der Präsident des Bezirksgerichts Bremgarten sprach die Lenkerin des Personenwagens frei. Anders sah es das Obergericht. Es verurteilte die Frau wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 100 Franken sowie zu einer Busse von 500 Franken. Die Klage des Motorradfahrers auf Schmerzensgeld und auf Schadenersatz verwies das Obergericht auf den Zivilweg.

Die Lenkerin des Personenwagens wehrte sich gegen die Verurteilung beim Bundesgericht, hatte mit ihrer Beschwerde aber keinen Erfolg. Sie hatte in Lausanne argumentiert, der Motorradfahrer habe sein beabsichtigtes Abbiegemanöver weder angezeigt noch habe er gegen die Strassenmitte eingespurt.

Wegen des Fehlens einer Richtungsanzeige habe sie darauf vertrauen dürfen, dass der Motorradfahrer weiterhin geradeausfahren werde.

Gefahrenträchtige Situation

Bereits das Obergericht hatte demgegenüber festgestellt, dass es - nota bene auf der Höhe einer Abzweigung - Anzeichen eines Einspurens seitens des Motorradfahrers gegeben habe. Es sei auch nicht auszuschliessen, dass der Mann ein Handzeichen vor dem Überholmanöver gegeben habe, die Lenkerin dies aber wegen der Dunkelheit nicht habe erkennen können.

Das Bundesgericht seinerseits kommt nun in seinem Urteil zum Schluss, dass die Lenkerin aufgrund der insgesamt unklaren und gefahrenträchtigen Situation nicht hätte annehmen dürfen, der Motorradfahrer werde geradaus fahren.

„Vielmehr hätte sie besondere Vorsicht walten lassen und auf das Überholen verzichten müssen", da sie keine Gewissheit gehabe habe, dass die Überholstrecke bis zum Abschluss des Manövers frei bleiben würde, lautet das Fazit des Bundesgerichts. Die Lenkerin muss die Gerichtskosten von 4000 Franken bezahlen.

Der Bericht von Tele M1 zum Unfall von 2009: