Busunglück in Norwegen

Unfall-Chauffeur muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten

Beim tödlichen Unglück von Ende Juli in Norwegen war der Schweizer Car nicht zu schnell und wies keine technischen Mängel auf. Ursache des Unfalls mit vier Toten soll ein Fahrfehler des Chauffeurs gewesen sein.

Knapp fünf Monate nach dem tödlichen Carunglück in Norwegen liegt der vorläufige Untersuchungsbericht der norwegischen Strassenbehörde «Statens vegvesen» vor.

Gemäss diesem Bericht hat ein Fahrfehler des Chauffeurs zum Unfall mit vier Todesopfern geführt. Zur genauen Art des Fehlers hat die Strassenbehörde noch keine Angaben gemacht. Augenzeugen beschrieben, dass der Bus geschlingert habe, bevor er in die Böschung fuhr.

Weiter werde aus dem Bericht der Strassenbehörde ersichtlich, dass der Bus keine technischen Fehler aufwies. Dies sagt die zuständige norwegische Staatsanwältin Anita Ravlo Sand auf Anfrage der Aargauer Zeitung.

Auch über die Reisegeschwindigkeit des Cars herrscht nach der Untersuchung Klarheit. Demnach fuhr der Bus zum Zeitpunkt des Unfalls nicht schneller als die vorgeschriebenen 80 Km/h.

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Anklage wurde ausgeweitet

Gegen den Unfallchauffeur wurde nach norwegischem Recht zuerst eine Anklage wegen unachtsamen Fahrens erhoben. Weil der Unfall vier Todes-
opfer gefordert hat, wurde diese inzwischen auf fahrlässige Tötung ausgeweitet. Beim ersten Verhör wurde der Chauffeur zum Vorwurf des unacht-
samen Fahrens befragt.

Nun will die norwegische Staatsanwaltschaft, dass erneut ein Verhör durchgeführt wird. Dabei soll sich der Chauffeur den Fragen zu beiden Anklagepunkten stellen. Das Verhör soll in Deutschland durchgeführt werden, der Fahrer ist deutscher Staatsbürger.

Momentan arbeitet die norwegische Staatsanwaltschaft an der Übersetzung der entsprechenden Dokumente, danach soll in Deutschland ein Rechtshilfegesuch für ein weiteres Verhör gestellt werden.

Beim ersten Verhör kurz nach dem Unglück konnte sich der Chauffeur an nichts erinnern. Die Staatsanwaltschaft hofft darauf, dass bei einem erneuten Verhör einige Erinnerungen zurückkommen würden, die zur Aufklärung des tödlichen Unfalls beitragen könnten, wie Ravlo Sand gegenüber der norwegischen Zeitung «Adressa» sagte.

Fahrer nicht mehr am Steuer

Andreas Meier, Geschäftsführer von Eurobus, bestätigt auf Anfrage, dass das Unternehmen nach wie vor hinter seinem Chauffeur stehe. Zur Frage, ob die Firma dem Fahrer einen Anwalt zur Verfügung stellt und wie die Unterstützung genau aussieht, wollte sich Meier nicht äussern.

Der Unfall-Chauffeur ist immer noch bei Eurobus angestellt, war jedoch seit dem Unfall nicht mehr im Einsatz. Wann ein allfälliger Prozess gegen den Fahrer stattfinden würde, ist derzeit noch offen.

Strecke wird geändert

Trotz des Unfalls bietet Eurobus die Busreise ans Nordkap auch im nächsten Jahr an. Allerdings wurde die rund 8000 Kilometer lange Reise um einen Tag verlängert, wie Tele M1 berichtet. Gegenüber dem Regionalsender räumte Eurobus-Geschäftsführer Andreas Meier ein, damit reduziere sich der Zeitdruck für den Chauffeur.

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