Aargauer Kantonalbank
Und wieder heisst es: Wer wird der 600'000-Franken-Chef?

Die Finanzmarktaufsicht belegt den designierten Chef der Aargauischen Kantonalbank mit einem Berufsverbot. Der Bankrat muss nun entscheiden, wie er einen neuen Nachfolger findet. Der Lohndeckel von 600'000 Franken macht die Suche nicht einfacher.

Roman Seiler
Drucken

Welch ein Paukenschlag: Andreas Waespi (53), designierter Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB), erhält ein dreijähriges Berufsverbot. Dies teilte die Finanzmarktaufsicht (Finma) gestern Morgen um sieben Uhr mit.

Grund dafür ist ein bis daher nicht öffentlich gemachtes Verfahren der Finma gegen die Bank Coop. Die Aufseher rügten die Tochtergesellschaft der Basler Kantonalbank wegen Manipulationen des Aktienkurses. Waespi war bis im August deren CEO (siehe Chronologie unten). Die Sanktion ist nicht rechtskräftig. Waespi prüft, ob er die Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht anfechten will.

Dellenbach arbeitet weiter

Zum Zeitpunkt seiner Wahl hatte die Finma allerdings erst ein Verfahren gegen die Bank Coop eröffnet. Die Ausweitung auf deren Ex-Chef erfolgte erst später. Der Bankrat der AKB schätzte das Risiko als minimal ein, dass Waespi persönlich von der Finma abgestraft werden würde.

Nachdem dies nun erfolgt ist, wird Waespi das Amt des Direktionspräsidenten bei der AKB nicht antreten. Bei der Bank Coop bezieht er aktuell noch sein Gehalt. Das Geldhaus halte sich an die vertraglichen Abmachungen, schrieb eine Sprecherin des Basler Geldhauses. Im Aargau ist dies anders. Bankpräsident Dieter Egloff: «Die AKB kostet die Vertragsauflösung mit Andreas Waespi keinen Franken.»

Jetzt muss sich der Bankrat erneut auf die Suche nach einem neuen AKB-Chef machen. Eile sei nicht geboten, sagt Egloff. Rudolf Dellenbach, seit 2006 Chef des Geldhauses, hat sich bereit erklärt, so lange weiterzumachen, bis ein Nachfolger gefunden und eingearbeitet ist.

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger wird kein Spaziergang. Erschwert wird sie durch den Grossen Rat. Der hatte nämlich im Sommer 2012 fast einstimmig eine Motion angenommen, die einen Lohndeckel von 600 000 Franken verlangt. Das entspricht dem doppelten Lohn eines Regierungsrats.

Somit soll der Cheflohn happig gekürzt werden: Dellenbach verdiente laut Geschäftsbericht im vergangenen Jahr 957000 Franken. Daher sagte Bankpräsident Egloff im Februar gegenüber der «Nordwestschweiz»: «Wir haben Bewerbungen. Aber es gibt nicht sehr viele qualifizierte Kandidaten für die Stelle des Direktionspräsidenten.» Die Honorarfrage enge die Zahl der Bewerbungen ein. Rund 40 waren es schliesslich. Dem gewählten Kandidaten gewährte der Bankrat ein Salär von 690 000 Franken.

Damit hätte Waespi bei der AKB nur 3000 Franken weniger verdient als bei seinem früheren Arbeitgeber, der Bank Coop. Die Lohneinbusse war also weniger gravierend, als nach dem Beschluss des Grossen Rats zu vermuten war. Gegenüber der «Nordwestschweiz» sagte Waespi daher locker im Interview nach seiner Wahl zum AKB-Direktionspräsidenten: «Ich nahm nie ein Amt wegen des Salärs an.»

Die Lohnfrage ist umstritten

Der Bankrat hingegen weiss eigentlich noch immer nicht, wie hoch das Salär des zukünftigen AKB-CEOs sein darf. Dies muss der Grosse Rat im Rahmen der Debatte über das neue AKB-Gesetz nämlich noch definitiv beschliessen. Ob er seinen einst gefällten Beschluss zurücknimmt, ist aktuell nicht abzuschätzen.

Das macht das Dilemma des Bankrats eher grösser. Soll er nun doch noch Kandidaten berücksichtigen, die sich auf die erste Ausschreibung der Stelle im vergangenen Dezember gemeldet haben? Oder den ganzen Prozess nochmals mit einer neuen Ausschreibung von vorne starten? Dieser Entscheid muss der Bankrat erst noch fällen, sagt Bankpräsident Egloff. Wie gross die Auswahl an Kandidaten sein wird, hängt damit auch vom Beschluss der Politik zur AKB-Gesetzesrevision ab.

Lesen Sie den Kommentar zur Lohndeckel-Frage hier.

CHRONOLOGIE

Dezember 2013: Die Aargauische Kantonalbank (AKB) sucht in Zeitungsinseraten einen neuen Chef.

– Januar 2014: Andreas Waespi bewirbt sich um die Stelle als AKB-Chef.

– März 2014: Die Finanzmarktaufsicht (Finma) eröffnet eine Untersuchung gegen die Bank Coop wegen der Manipulation des Aktienkurses. Waespi informiert den Bankrat über das Verfahren. Die Finma befragt Waespi als Auskunftsperson.

– Juli 2014: Die AKB macht die Wahl von Andreas Waespi zum neuen CEO publik. Er soll nach einer zwei Monate dauernden Einarbeitung im Mai 2015 Rudolf Dellenbach ablösen.

– August 2014: Die Bank Coop stellt Andreas Waespi frei. Damit sollen Interessenskonflikte vermieden werden, weil Waespi zu einem anderen Geldhaus wechselt. Kurz danach informiert Waespi den Bankrat, dass die Finma nun auch gegen ihn selbst ein sogenanntes Enforcement-Verfahren eingeleitet hat. Gestern kam aus, dass die Finma Andreas Waespi ein drei Jahre dauerndes Berufsverbot verpasst hat. Der Entscheid ist nicht rechtsgültig. Waespi prüft, ob er ihn anfechten will.

Aktuelle Nachrichten