Bezirksgericht

Unbelehrbar: Aargauer Automechaniker fuhr 40 Mal ohne Billett

Die Untersuchungshaft habe ihn eingeschüchtert, gab der Beschuldigte vor Gericht zu Protokoll. (Symbolbild)

Die Untersuchungshaft habe ihn eingeschüchtert, gab der Beschuldigte vor Gericht zu Protokoll. (Symbolbild)

Ein 25-Jähriger hat trotz Fahrausweisentzug 40 Mal ein Auto gelenkt. Macht er das noch mal, muss er ins Gefängnis. Eine Geldstrafe nütze im Fall des vorbestraften Mannes nichts, befand das Bezirksgericht Zofingen.

(11.4.2017)

Der Stolz war ihm im Weg. «Ich habe mich geschämt, keinen Führerausweis mehr zu besitzen», sagte 25-jährige Mechaniker aus Zofingen. Er musste sich vor dem Bezirksgericht Zofingen verantworten, weil er trotz Fahrausweisentzug Auto gefahren war – zur Arbeit und in der Freizeit. Und das nicht wenig.

Der Beschuldigte gab nach einer Kontrolle am 15. März 2016 an, dass er im Zeitraum zwischen dem 25. Juni 2014 und dem 15. März 2016 40 Mal ohne gültigen Fahrausweis hinter dem Steuer sass. Zudem war er bereits vorbestraft wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Nichts gelernt

«Generell hat man das Gefühl, Sie hätten nichts gelernt», sagte die Gerichtspräsidentin. Darauf antwortete der Beschuldigte, dass er durchaus etwas gelernt habe: Seit einem Jahr habe er kein Auto mehr gesteuert. «Die Untersuchungshaft hat mich eingeschüchtert», sagt er. Zuvor hätte er die Sache nicht so ernst genommen, antwortete er auf die Frage, wieso er schon wieder vor Gericht stehe. Er sagte aus, dass er sich bewusst war, etwas Verbotenes zu tun, deshalb habe er auch einen falschen Namen vorgemerkt, den er bei einer Kontrolle angeben konnte. Auf die Frage eines Bezirksrichters, was für ihn schlimmer sei, eine 60 000-Franken-Geldbusse oder eine Gefängnisstrafe, antwortete der Beschuldigte, ohne zu zögern: «Gefängnis.»

Den Fahrausweisentzug hat er mittlerweile seiner Firma gebeichtet. Er könne nun mit der Frühschicht 20 Minuten später beginnen, da der erste Zug nicht rechtzeitig ankomme. Zudem könne er auf die Unterstützung von Arbeitskollegen zählen. «Jetzt wissen alle Bescheid», sagt der Beschuldigte. Dennoch möchte er den Führerschein so schnell wie möglich wieder haben.

«Erschreckende Einsichtslosigkeit»

Der Staatsanwalt wies in seinem Plädoyer auf die «erschreckende Einsichtslosigkeit» des Beschuldigten hin und stellte den Antrag für eine Geldstrafe von 250 Tagessätzen zu 130 Franken. Zudem sei der bedingte Strafvollzug mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 18. Februar von 270 Tagessätzen zu widerrufen. Die Verteidigerin plädierte für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 110 Franken. Hingegen redete sie das Wort für den Verzicht auf einen Widerruf des früheren Urteils. Aber die Probezeit sei um zwei Jahre zu verlängern, da sich ihr Mandant kooperativ zeige und Fortschritte mache.

Schliesslich fällte das Bezirksgericht das Urteil: Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bei einem bedingten Vollzug von vier Jahren wegen mehrfachen Fahrens ohne Ausweis. Den bedingten Strafvollzug aus dem Urteil von 2013 hat das Gericht indes widerrufen. Das Gericht begründete die Freiheitsstrafe damit, dass eine Geldstrafe beim Beschuldigten nichts nütze.

Meistgesehen

Artboard 1