Als 1992 der Aargauer Justizdirektor Viktor Rickenbach die Revision der Bürgerrechtsgesetzgebung vorstellte, sprach er deutlich von der Streichung «unzeitgemässer und schikanöser Hemmnisse».

1995 forderte die Aargauer Kantonalpartei der Schweizer Demokraten mehr Mitspracherecht der Bevölkerung. Mittels kantonaler Volksinitiative verlangten sie, dass über jedes einzelne Einbürgerungsgesuch, das von einer Gemeindeversammlung angenommen wurde, zusätzlich eine obligatorische Urnenabstimmung durchgeführt werden müsse. Das Begehren wurde deutlich abgelehnt.

Kaiserstuhl und sein Regisseur

Umstrittene Einbürgerungsentscheide gibt es immer wieder. 1989 etwa über das Gesuch von Jón Laxdal Halldórsson in Kaiserstuhl. Mit 68 zu 51 Stimmen waren die Kaiserstuhler an einer emotionsgeladenen und «nicht ganz unproblematischen» Gmeind dagegen, den isländischen Schauspieler und Regisseur einzubürgern.

Ihm wurde unter anderem zum Verhängnis, dass er mit einem Mann zusammenlebte, ein Altstadthaus gekauft und sich so viele Neider geschaffen hatte und in seinem erfolgreichen Kleintheater im örtlichen Amtshauskeller Stoffe von «Nestbeschmutzern» wie Frisch oder Dürrenmatt inszenierte. Nach dem Entscheid der Bürgerversammlung polterte er: «Die Stimmung, die ich verspüre, ist so ungeheuerlich, dass mir nur bange sein kann um die Zukunft dieses Volkes.»

Vier Jahre später, als sich die Situation beruhigt hatte, klappte es doch noch. Im zweiten Anlauf wurde Laxdal Kaiserstuhler Bürger, mit 69 zu 0 Stimmen.
In Aarau verweigerte das Stadtparlament 1995 dem pensionierten bulgarischen Logopädie- und Pädagogikprofessor Georgi Lyuzkanov das Bürgerrecht. Dieser lancierte sofort ein Referendum in eigener Sache, um eine Urnenabstimmung zu erreichen. Die Frist verstrich allerdings, bevor er die nötigen 1200 Unterschriften beisammen hatte.

Auch er dürfte im zweiten Anlauf glücklicher Schweizer geworden sein. Denn 1998 befand der Stadtrat nach erneuter Prüfung, die Bedingungen seien nun erfüllt, und empfahl Lyuzkanov zur Einbürgerung. Wie die Abstimmung letztlich ausging, darüber wurde allerdings leider nicht mehr berichtet.

Als Suhr Ex-Jugoslawen abstrafte

2009 war es ein Fall aus Suhr, der Aufsehen erregte. Vahid, Dzengis und Jasmin aus Serbien-Montenegro erhielten den Schweizer Pass nicht, weil die Gemeindeversammlung «ein Zeichen gegen gewaltbereite Jugendliche aus Ex-Jugoslawien» setzen wollte. Kurz zuvor hatten in Suhr zwei Kosovaren einen Jugendlichen schwer verletzt und in der Badi damit geprahlt.

Der Regierungsrat stiess den Entscheid um: Die Ablehnung sei nicht haltbar, weil «diskriminierend und sachfremd». Die Gemeinde Suhr musste – obwohl der Gemeinderat die Versammlung in weiser Voraussicht noch vor der Ablehnung gewarnt hatte – als unterlegene Partei über 10 000 Franken an Verfahrenskosten zahlen.

Zum Fall äusserte sich damals auch jene Gemeinde, die wegen des Falls Funda Yilmaz heute in den Schlagzeilen steht: Der Buchser Ammann Heinz Baur sagte, er könne sich nicht vorstellen, «dass eine solche Ungerechtigkeit in einer Einwohnerratsgemeinde vorkommen könnte». Damals prüfte der Ammann die rund 40 Gesuche pro Jahr noch persönlich, kurze Zeit späte wurde in Buchs die Einbürgerungskommission eingeführt.