Arbeitszufriedenheit

Mitarbeiter geben dem Kanton Aargau als Arbeitgeber schlechte Noten

Der Aargau muss seit längerem den Gürtel enger schnallen. Und ohne Gegenmassnahmen drohen neue Defizite. Das Bild stammt von einer Anti-Spar-Demonstration vom November 2016.

Der Aargau muss seit längerem den Gürtel enger schnallen. Und ohne Gegenmassnahmen drohen neue Defizite. Das Bild stammt von einer Anti-Spar-Demonstration vom November 2016.

Die dritte Mitarbeitendenbefragung in der Kantonsverwaltung ergibt gute Werte für Arbeitsinhalte, aber kritische Werte für den Kanton Aargau als Arbeitgeber. Die Regierung will reagieren.

Letztmals liess der Kanton Aargau im Jahr 2013 in der Kantonsverwaltung die Beurteilung der Arbeitsplatzsituation erfragen. Eine weitere Befragung 2015 wurde aufgrund von Sparbemühungen nicht durchgeführt.

Aber auch, so der Aargauer Finanzdirektor und oberste Personalchef Markus Dieth, «weil es noch zu früh war, um die Wirkung der seit 2013 beschlossenen Verbesserungen zu messen». So fand die jüngste Befragung erst Anfang 2018 statt. Künftig sollen solche jeweils alle vier Jahre stattfinden.

Aargauer Staatsangestellte kämpfen mit Motivationsproblemen – so erklärt sich das der Finanzdirektor

Aargauer Staatsangestellte kämpfen mit Motivationsproblemen – so erklärt sich das Finanzdirektor Markus Dieth.

80 Prozent der 5067 kantonalen Angestellten und der Gerichte machten an der nach 2011 und 2013 zum dritten Mal durchgeführten Befragung mit. Das zeigt Dieth, «dass sie sich für ihren Arbeitgeber interessieren» (vgl. Kurzinterview). Die Befragten geben den Arbeitsinhalten, den Vorgesetzten, den Teams und dem zielorientierten Arbeiten laut Mitteilung des Kantons gute Werte. Weit kritischer als in der letzten Umfrage hingegen wird der Kanton Aargau sowohl als Unternehmen als auch als Arbeitgeber beurteilt.

Fehlende Zuversicht

Die Bedenken betreffen die strategische Ausrichtung und Leadership des Kantons im Allgemeinen, insbesondere aber auch als Arbeitgeber. Die Gründe für die fehlende Zuversicht der Mitarbeitenden in die Zukunftsfähigkeit ihres Arbeitgebers sieht die Regierung nicht alleine in den massiven Spar- und Abbaumassnahmen der letzten Jahre. Aufgrund des ausgewiesenen Handlungsbedarfs habe sie die Departemente und die Staatskanzlei beauftragt, konkrete Massnahmen zu erarbeiten, so Dieth.

Zu deren Inhalten könne er noch nichts sagen. Nur so viel: «Es braucht vertrauensbildende Massnahmen. Doch dafür braucht es Zeit.» Es sei auch das Bewusstsein zu stärken, dass die Leistungsbereitschaft und die Qualität der geleisteten Arbeit in der Kantonsverwaltung wertgeschätzt werden. In diesem Zusammenhang sei man froh, dass der Grosse Rat für 2018 die Lohnnullrunden durchbrochen und eine Erhöhung von einem halben Prozent gewährt hat.

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Die Ergebnisse der Mitarbeitendenbefragung zeigen laut Mitteilung des Kantons deutlich, dass die Arbeitsinhalte und das Arbeiten in den einzelnen Sektionen oder Teams sehr positiv wahrgenommen werden. Auch die direkten Vorgesetzten erhalten im Gesamtdurchschnitt sehr gute Beurteilungen. Das nähere Arbeitsumfeld werde damit von den meisten Mitarbeitenden «so gut beurteilt wie in der letzten Befragung», heisst es dazu. Im Bereich des täglichen Einsatzes für die Kundinnen und Kunden sei die Arbeitszufriedenheit hoch.

Keine Angaben zu Departementen

Doch wie ist die Zufriedenheit in den fünf Departementen? Etwa im Gesundheitsdepartement, das viele Wechsel von Führungskräften verkraften muss? Die Daten der einzelnen Departemente habe man noch nie bekannt gegeben, sagt Dieth. Man wolle nicht, dass sie gegeneinander ausgespielt werden. Es gehe um den Kanton als Arbeitgeber insgesamt.

Der bereits sehr schlank aufgestellten Kantonsverwaltung «gleichzeitig immer wieder neue Aufgaben zu übertragen oder die Tatsache zu ignorieren, dass wir im Kanton Aargau neben Zürich das grösste Bevölkerungswachstum und damit auch Mengenwachstum an Aufgaben haben, das geht nicht», sagt Dieth. Dann müsste man auch bereit sein, deutliche Leistungseinbussen in Kauf zu nehmen oder auf Leistungen ganz zu verzichten.

Der Kanton verzeichnet zudem eine leichte Zunahme der Fluktuation. Besorgniserregend sei, so der oberste Personalchef Dieth, dass sich viele gut qualifizierte und jüngere Mitarbeitende bis 45 kritisch geäussert haben. Auch habe man in gewissen Bereichen je länger, je mehr Schwierigkeiten, den passenden und richtig qualifizierten Mitarbeitenden marktkonforme Arbeitsbedingungen anbieten zu können. Die Konkurrenz schlafe nicht. Gemäss Aufgaben- und Finanzplan 2018–2021 soll für 2019 eine Lohnerhöhung von 1 Prozent beantragt werden.

Mehr Lohn plus Teuerung

Vom Ergebnis der Befragung nicht überrascht ist Silvia Dell’Aquila, Geschäftsführerin der Konferenz der Staatspersonalverbände. Die Mitarbeitenden identifizierten sich mit dem Kanton und ihrer Arbeit und machten diese sehr gern, sagt sie, «aber all die Sparmassnahmen der letzten Jahre sind sauer aufgestossen». Der Aargau habe auch aufgrund der stagnierenden Löhne als Arbeitgeber an Attraktivität eingebüsst, das Arbeitsklima habe sich verschlechtert.

Die Arbeitnehmervertreterin fordert für die Mitarbeitenden des Kantons wieder bessere Arbeitsbedingungen, ein besseres Arbeitsumfeld, die Rücknahme von Abbaumassnahmen sowie eine Lohnanpassung. Dell’Aquila: «Die Erhöhung um 1 Prozent, die die Regierung plant, ist das absolute Minimum, um unser Leistungslohnsystem aufrechtzuerhalten. Zusätzlich fordern wir den Ausgleich der Teuerung, die 2017 durchschnittlich 0,5 Prozent betrug und seit Anfang Jahr weiter ansteigt.»

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