Der Aargau ist ein bürgerlicher Kanton. SVP, FDP und EDU kommen zusammen auf 69 der 140 Grossratssitze, für die kommenden Wahlen prognostizieren die beiden Politexperten Max Knecht und Urs Haeny unabhängig voneinander sogar eine bürgerliche Mehrheit von 80 beziehungsweise 74 Sitzen.

Auch im Regierungsrat gibt es eine bürgerliche Mehrheit, sollte die SVP den angepeilten zweiten Sitz erhalten, sitzt mit Urs Hofmann nur noch ein Linker und mit dem als so gut wie gewählt geltenden Markus Dieth ausserdem ein klar bürgerlicher CVP-Vertreter in der kantonalen Regierung.

Parlaments- und Regierungswahlen sind das eine. Doch während einer Legislatur gibt es auch allerhand Volksinitiativen und Gesetze, die dem Volk unterbreitet werden. Stimmen hier Herr und Frau Aargauer gleich, wie sie wählen?

Bei der grossen Fernsehdebatte in der «Druckerei» in Baden sagte BDP-Kandidatin Maya Bally, die SVP sei bei Abstimmungen keineswegs jene Partei, die mit ihren Parolen und Empfehlungen am nächsten beim Volk liege. Tatsächlich gewinnt auf nationaler Ebene die BDP am meisten Abstimmungen. Doch wie sieht es im Aargau aus – eine Auswertung der letzten vier Jahre zeigt es.

Sehen Sie den ganzen «TalkTäglich» mit den neu Kandidierenden für den Regierungsrat hier:

Die sechs neu Kandidierenden für den Regierungsrat im «TalkTäglich»

Die sechs neu Kandidierenden für den Regierungsrat im «TalkTäglich»

Bei der grossen Podiumsdiskussion in der «Druckerei» im AZ Hochhaus in Baden traten die sechs neuen Kandidierenden live bei «TalkTäglich» auf.

Linke Parolen ziehen nicht

Vor jeder Abstimmung fassen die Kantonalparteien ihre Parolen. In der laufenden Legislatur gab es 13 kantonale Abstimmungen, Ende November folgen, gleichzeitig mit einem eventuellen zweiten Wahlgang bei den Regierungsratswahlen, vier weitere.

Am öftesten daneben lagen zwei linke Parteien: Die Grünen und die SP empfahlen lediglich fünfmal das, was schliesslich an der Urne von der Bevölkerung entschieden wurde. Beide punkteten - im Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien - beim Sparpaket «Gesetz über die Umsetzung der Leistungsanalyse».  Dieses empfahlen SP und Grüne neben der GLP als einzige zur Ablehnung – und das Volk unterstützte dies.

Nicht mitgezählt ist bei den Grünen die aargauische Volksinitiative «zum Schutz von Menschen, Tieren und Umwelt vor privaten Feuerwerken» – hier gab die Partei Stimmfreigabe. Bei weiteren acht Abstimmungen lagen die Grünen und die SP falsch mit ihren Parolen.

Die EVP lag mit sechs ihrer 13 Parolen richtig. Punkten konnte sie beim «Tanzverbot», gegen dessen Aufhebung sich die christlichen Parteien EVP, EDU und CVP sowie die konservative SVP zusammen erfolgreich stemmten.

Die Grünliberalen haben ebenfalls sechsmal die Mehrheitsmeinung getroffen. Da sie, wie auch SP und Grüne, Stimmfreigabe bei der Abstimmung über privates Feuerwerk beschlossen, liegen sie in der Endabrechnung allerdings prozentual knapp vor der EVP.

Die FDP und die BDP teilen sich den vierten Platz. Beide haben bei acht der 13 Abstimmungen das empfohlen, was dann an der Urne auch entschieden wurde. Mögliche weitere Punkte haben beide beim «Tanzverbot» und mit ihrem Nein zur Initiative «Ja für Mundart im Kindergarten» vergeben.

Unerwarteter Sieger

Die Bronzemedaille geht an die SVP, kantonal wie national stärkste Partei, hat sie nur viermal nicht die Meinung des Volkes getroffen. Gerade beim 17-Millionen-Franken-Sparpaket verschätzte sich die SVP, wie alle bürgerlichen Parteien, beim Stimmvolk.

Platz zwei geht im Aargau an die CVP. Obwohl sie starke Verluste bei den Nationalratswahlen 2015 hinnehmen musste, stand sie seither nur dreimal nicht auf der Seite der Mehrheit: beim Wegfall des Steueranteils bei den Grundbuchabgaben, bei der Mundart-Initiative und beim Sparpaket.

Somit ist die volksnaheste Partei ausgerechnet jene, die mit dem kleinsten Stimmenanteil – nämlich 1,7% – im kantonalen Parlament vertreten ist: Die beiden EDU-Vertreter haben sich zwar der SVP-Fraktion angeschlossen, bei kantonalen Abstimmungen vertrat die Partei aber zweimal eine andere Parole.

Nur gerade beim Sparpaket und beim Kinderbetreuungsgesetz stimmte die Parole der EDU Aargau schliesslich nicht mit der Mehrheitsmeinung überein.