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Überlastetes Konkursamt: So viele Verfahren wie noch nie im Kanton Aargau

2017 gab es im Aargau viele Konkurse (Symbolbild)

2017 gab es im Aargau viele Konkurse (Symbolbild)

2017 sind im Kanton Aargau über 800 Konkurseröffnungen eingegangen – und der Trend setzt sich auch dieses Jahr fort.

Auf den Pulten der Mitarbeiter des Konkursamtes stapeln sich die Dossiers. Es sei fraglich, ob die Arbeitslast langfristig mit dem aktuellen Personalbestand bewältigt werden könne, heisst es im Geschäftsbericht der Aargauer Gerichte, der am Freitag publiziert wurde. Während im Jahr 2008 noch 559 Konkurseröffnungen beim Amt eingingen, waren es 2017 bereits 815. Ein neuer Höchststand. Und wohl keine Ausnahme. «Auch für das Jahr 2018 ist die Anzahl Konkurseröffnungen im Kanton Aargau tendenziell steigend», sagt Corina Trevisan, Mediensprecherin der Aargauer Gerichte. Der Konkurs, der im Februar über das Ärztezentrum Mutschellen eröffnet wurde, ist nur ein Beispiel.

Was den Anstieg der Konkurseröffnungen verursache, sei schwierig zu sagen. «Gründe sind unter anderen, dass die wegen Organisationsmängeln eröffneten Liquidationen zugenommen haben», sagt Trevisan. Das heisst, es gibt immer mehr Firmen, denen eines der vorgeschriebenen Organe, etwa ein Verwaltungsrat, fehlt oder nicht rechtmässig zusammengesetzt ist. Der Richter kann in solchen Fällen die Gesellschaft auflösen.

Anzahl Fälle lässt sich nicht steuern

Ausserdem könnten auch gesellschaftspolitische und ökonomische Gründe für den Anstieg der Konkurseröffnungen verantwortlich sein, sagt Trevisan. Bei natürlichen Personen sei die Anzahl Fälle konstant hoch. «Dazu gehören beispielsweise Konkurseröffnungen wegen Ausschlagung des Erbes», sagt Trevisan. Gegen den stetigen Anstieg kann aber kaum etwas gemacht werden. «Das Gesetz gibt vor, in welchen Fällen ein Konkursverfahren zu führen ist», sagt Trevisan. Die Massnahmen, einem weiteren Anstieg entgegenzuwirken, seien insofern begrenzt.

Noch keine neuen Stellen beantragt

Neben den neu eingegangenen Fällen habe auch die Anzahl der hängigen Konkursverfahren im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen, heisst es im Geschäftsbericht. «Das ist mit ein Grund für die hohe Arbeitslast des Konkursamtes», sagt Trevisan. Obwohl die Belastung der Mitarbeitenden hoch sei, seien bis jetzt noch keine neuen Stellen beantragt worden. «Noch offen sind mögliche Synergieeffekte als Folge der geplanten Zusammenlegung der drei Amtsstellen Baden, Brugg und Oberentfelden an einem gemeinsamen Standort», sagt Trevisan.

Eigentlich wäre diese Zusammenlegung auf Mitte 2017 geplant gewesen. Der Standort in Lupfig war bereits evaluiert. Das Projekt scheiterte jedoch wegen des Rückzugs der Vermieterseite, heisst es im Geschäftsbericht. Nun braucht es eine neue Evaluation. «Die Gerichte unterstützen eine speditive Umsetzung», sagt Trevisan. Der politische Prozess sei jedoch «sehr aufwendig». Die Justizleitung könne ihn auch nur bedingt beeinflussen. Um die erneute Standortsuche kümmere sich die Abteilung Immobilien Aargau, die zum Departement Finanzen und Ressourcen gehört. Der Evaluationsbericht sei in Arbeit und werde demnächst erwartet, sagt Trevisan.

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