Energiewende

Über den az-Redaktor, der solarwarm zu duschen pflegt

Peter Siegrist am neuen Teich, die solare Warmwasseranlage befindet sich rechts beim Kamin.

Peter Siegrist am neuen Teich, die solare Warmwasseranlage befindet sich rechts beim Kamin.

Die Schlagworte Energiesparen, Effizienz, erneuerbare Energien und CO2-Problem kreisen über allen Diskussionen, wenn es um den Ausstieg aus der Atomenergie und die Energiewende geht.

Ideen für Windturbinen, Solaranlagen und neue Wasserkraft gibt es viele, Widerstand allerdings auch - gegen konkrete Projekte. Aber es gibt auch Leute, die handeln, statt nur reden - aus innerer Überzeugung für eine bessere Umwelt. Pro Natura Aargau nennt ein Beispiel: Am Sonnenweg 15 in Reinach hat das Ehepaar Ruth und Peter Siegrist-Bircher eine solare Warmwasseranlage in Betrieb genommen. Der az-Redaktor für das Wynental freut sich, damit einen kleinen Beitrag für Energie und Umwelt zu leisten. Und: «Es ist ein gutes Gefühl am Morgen unter der Dusche, zu wissen, das ist die Wärme von der Sonne.»

Warmes Wasser vom Hausdach

Die neue Solaranlage mit 4,7 Quadratmetern Fläche auf dem Ziegeldach ist optisch nicht störend. Wenn die rund 250 Liter Wasser im Boiler warm genug sind, stellt die Anlage automatisch ab und entleert sich, was einen Hitze- oder Frostschutz überflüssig macht. Die fachliche Arbeit hat die Reinacher Firma von Energiespezialist Urs Löpfe erledigt.

Das Unternehmen hat Kunden in der ganzen Deutschschweiz und macht Anlagen für Notstrom und Warmwasser, Wärmepumpen und Blockheizkraftwerke. Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) «ist ein Unsinn», kritisiert Löpfe. Effizienz und Einsparungen seien um das Zehn- bis Zwanzigfache günstiger zu haben.

Kosten höher als Einsparung

Die neue Anlage für Warmwasser kostete rund 14 000 Franken. «Als Beitrag haben wir 1800 Franken Fördergeld erhalten», stellt Peter Siegrist nüchtern fest. Dank dem neuen Energiegesetz sind solche Kleinanlagen nicht mehr bewilligungsfrei möglich. Zwar läuft ein vereinfachtes Verfahren, aber für Gesuch samt Bewilligung verlangt die Gemeinde 300 Franken - und steckt einen Teil des Fördergeldes wieder ein.

Dank dem solaren Warmwasser braucht das Ehepaar Siegrist weniger Strom. Unternehmer Urs Löpfe rechnet im Jahresmittel mit 20 Prozent Minderverbrauch. Bei heutigen Strompreisen rechnet sich das nie, aber bei Vollkosten für neue Kraftwerke und Leitungen «kostet die Kilowattstunde rund 20 Rappen».

Holzheizung von Anfang an

Umweltschutz genoss am Sonnenweg 15 schon beim Bau 1986 einen hohen Stellenwert. «Wir wollten weg vom Öl und haben uns für eine Bauernhaus-Heizung entschieden», betont Siegrist. Mit allen Konsequenzen: 12 bis 14 Ster Holz sind pro Winter nötig und die Lagerschöpfe dazu, geheizt wird von der Küche aus mit einem Kombiherd, der auch den schönen Kachelofen in der Stube in der kalten Jahreszeit aufwärmt. Dank einem Wasserspeicher mit zwei Kubikmetern im Keller verfügt das Haus über konventionelle Radiatoren, die automatisch funktionieren, aber einzeln steuerbar sind.

Biotop und ein Naturgarten

Im Garten offenbart sich ein drittes Öko-Standbein von Sozialpädagogin Ruth und dem langjährigen Bezlehrer Peter Siegrist (Kasten). Schon beim Bau haben sie 17 verschiedene einheimische Sträucher in die Böschung gesetzt. Letztes Jahr befreiten sie einen Teil des Gemüsegartens vom Humus und füllten Gettnauer Kies aus dem Napfgebiet ein. Jetzt bereiten die ersten Pionierpflanzen Freude, die Königskerze wächst in die Höhe, aber auch Wiesensalbei, Natternkopf und Wilder Fenchel sind zu bewundern.

Ein grösserer Teich kam dazu, um weiteren Lebewesen Platz zu geben. Auf dem 9,6 Aren grossen Grundstück hat es auch normalen Rasen, ein Treibhaus für Gurken, Melonen und Auberginen sowie Sitzplätze und eine Feuerstelle.

Besser als neue Kraftwerke

Die Energiewende könnte dann gelingen, wenn man handle, statt Zeit und Kraft in ideologische Grabenkämpfe zu verlieren, sinniert Siegrist. «Die beste Energie ist jene, die man nicht benötigt», lobt Pro Natura-Geschäftsleiter Johannes Jenny das Reinacher Projekt. Solches Handeln sei viel vernünftiger, als die Naturlandschaft mit Windrädern, neuen Wasserkraftwerken oder Solarzellen weiter zu verschandeln.

Ohne Fleiss kein Preis, Mehrkosten und Anstrengungen inbegriffen: Mit Holz heizen ist zwar heimelig, doch die Nachteile sind nicht zu unterschätzen: Die Heizung hat mit 25 000 Franken inklusiv Kombiherd doppelt so viel gekostet wie eine Ölheizung. Man muss schwere Holzkörbe schleppen, auf Komfort verzichten und die Küche verrusst viel schneller.

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