Coronavirus

Über 50 Neuansteckungen an einem Tag: Die Aargauer Kantonsärztin Hummel ordnet die hohe Zahl ein

Kantonsärztin Yvonne Hummel im Contact-Tracing-Center in Aarau.

Kantonsärztin Yvonne Hummel im Contact-Tracing-Center in Aarau.

Erstmals wurden im Aargau mehr als 50 Ansteckungen gemeldet. Kantonsärztin Yvonne Hummel sagt, die aktuelle Situation sei nicht mit dem Frühling zu vergleichen.

Seit Beginn der Coronapandemie hat der Kanton Aargau nie mehr als 50 Neuansteckungen an einem Tag vermeldet. Der bisherige Höchstwert von 48 Fällen wurde am 31. März gemeldet, zwei Wochen nachdem der Bundesrat die ausserordentliche Lage ausgerufen hatte.

Am Donnerstag nun meldete der Kanton 55 Neuansteckungen für den Vortag. Bereits am Dienstag waren es mit 43 Infektionen deutlich mehr Fälle als in den vorhergehenden Tagen.

Kein Superspreader-Event, aber Ausbrüche in Firmen

Kantonsärztin Yvonne Hummel sagt, die Zahlen würden schweizweit ansteigen, wobei der Kanton Aargau zurzeit weiter unterdurchschnittlich betroffen sei. «Einen Superspreader-Event gibt es zurzeit nicht», sagt die Kantonsärztin. Es bestünden aber einzelne Infektionsausbrüche mit zwei oder mehr gleichzeitig infizierten Personen innerhalb einer Gruppe. Betroffen sind zwei Unternehmen im Bezirk Aarau und im Freiamt. 

Die aktuelle Situation sei nicht mit dem Frühling zu vergleichen. «Wir gehen davon aus, dass im Frühling die Dunkelziffer deutlich höher war als heute», sagt Yvonne Hummel. Damals seien ausschliesslich schwer erkrankte Personen sowie Gesundheitsfachpersonen getestet worden.

«Heute werden alle Personen mit Symptomen getestet. Dabei sind auch viele Personen mit leichten Symptomen, welche nun – im Gegensatz zum Frühling – zu den laborbestätigten Fällen gezählt werden.» Ausserdem beobachte man seit Mitte September gehäuft Ansteckungen im Rahmen von privaten Anlässen  wie Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern.

Die Kantonsärztin weist ausserdem darauf hin, dass mehr als die Hälfte der laborbestätigten Fälle der letzten Woche in den drei Kantonen Genf, Waadt und Zürich gemeldet wurden. Seit drei Tagen werde nun auch ein Anstieg im Kanton Aargau beobachtet. «Die Situation ist weiterhin fragil und die weitere Entwicklung wird genau beobachtet», so Hummel.

Nur zwei Coronapatienten auf der Intensivstation

Zur Lagebeurteilung berücksichtigen die Verantwortlichen beim Kanton laut Hummel neben den laborbestätigten Fällen ebenso die Spitalkapazitäten mit Belegung von Intensivstation und Beatmungsplätzen, die Todesfallrate, Infektionsausbrüche sowie den Verlauf der letzten 7-14 Tage.

«Die erkrankten Personen sind weiterhin primär jüngere Patienten zwischen 20-40 Jahren, weniger häufig auch Personen zwischen 40-60 Jahren», sagt Hummel. Im Moment sind im Aargau neun Coronapatienten im Spital. Zwei von ihnen werden auf der Intensivstation behandelt. In Isolation befinden sich im Moment 150 infizierte Personen (+32). 454 Kontaktpersonen (+64) sind in Quarantäne.

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