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Über 400 Betrugsversuche von falschen Polizisten im Aargau 2018 – nur einer fiel darauf rein

Die falschen Polizisten, die sich nach Wertsachen oder Geld erkundigten, hatten keinen Erfolg. (Symbolbild)

Die falschen Polizisten, die sich nach Wertsachen oder Geld erkundigten, hatten keinen Erfolg. (Symbolbild)

Innerhalb eines Tages gingen bei der Kantonspolizei Aargau mehr als ein Dutzend Meldungen über Betrugsversuche am Telefon ein. Die Betrüger haben es ins Besondere auf Senioren abgesehen. Die Häufung solcher Anrufe ist auffällig.

Sie haben es vor allem auf Senioren abgesehen: Betrüger, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben. Die Anrufer erzählen von Einbrechern, die in der Umgebung verhaftet wurden, stellen Fragen zu Ersparnissen und fordern einen auf, Wertsachen oder Geld aus Sicherheitsgründen einem vermeintlichen Polizisten abzugeben.

Am Mittwoch gingen alleine in Wegenstetten im Fricktal und in Koblenz mehr als ein Dutzend betrügerische Anrufe ein. Ein Hochdeutsch sprechender Mann erkundigte sich nach Wertsachen oder Geld. Ohne Erfolg, wie die Kantonspolizei Aargau schreibt: «Die Angerufenen, welche mehrheitlich Senioren waren, zeigten sich misstrauisch und gaben richtigerweise am Telefon keinerlei Auskunft über ihre finanziellen Verhältnisse.»

Trotzdem ist die Häufung auffällig: Letztes Jahr verzeichnete die Kantonspolizei Aargau mehr als 400 solche betrügerischen Anrufe von falschen Polizisten. Zum Vergleich: schweizweit waren es 2479 Fälle. Damit macht der Kanton Aargau zwar fast einen Fünftel der gemeldeten Fälle aus, jedoch waren die Betrüger nur ein Mal erfolgreich: Sie erbeuteten von einem Aargauer 4000 Franken. Schweizweit betrug die Schadenssumme 2018 rund 3,9 Millionen Franken, wie das Bundesamt für Polizei fedpol auf Anfrage mitteilt. 

Ein Grund für die hohe Anzahl Fälle im Kanton Aargau könnte zum einen die Grenznähe zu Deutschland sein, wie Roland Pfister, Kommunikationschef der Kantonspolizei Aargau, sagt: «Das Phänomen ist in Deutschland sehr verbreitet.» Zum anderen seien die Aargauer auch sehr stark sensibilisiert auf Betrugsmaschen und würden solche Anrufe möglicherweise deshalb öfters anzeigen.

Alt klingende Vornamen

Ähnlich wie beim Enkeltrick, bei dem Betrüger sich am Telefon als Verwandte ausgeben, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, würden beim Polizeitrick meistens Menschen aus dem öffentlichen Telefonbuch angerufen, deren Vornamen «alt» klingen.

Dabei seien Elisabeth, Ursula und Erika besonders beliebt. Dies sei am Mittwoch in Wegenstetten und in Koblenz jedoch nicht der Fall gewesen, sagt Pfister.

Notfallnummer auf Display

Eine besonders dreiste Masche: Die Telefonbetrüger können die Telefonnummer über einen Server technisch manipulieren. So erscheint auf dem Display von Telefonen mit Anruferkennung fälschlicherweise entweder eine Nummer mit Schweizer Vorwahl, deren letzte drei Ziffern 117 lauten, oder sogar die Notfallnummer 117 der Polizei. «Die Polizei wird Sie niemals über die Notfallnummer kontaktieren», sagt Roland Pfister.

Die Betrüger würden bewusst den Vertrauensstatus der Polizei missbrauchen, sagt Pfister: «Oftmals behauptet der Anrufer, Kommissar zu sein.» So könne es vorkommen, dass die Opfer einen dubiosen Anruf nicht hinterfragen. 

Wer einen solchen Anruf erhält, sollte auf keinen Fall persönliche Daten, Finanzinformationen oder Passwortangaben an vermeintliche Behörden geben, die einen unaufgefordert anrufen, schreibt die Fachstelle für Schweizerische Kriminalprävention in ihrem Flyer «Bei Anruf ... Betrug!» Ausserdem sollte man die echte Polizei darüber informieren.

Aktuelle Polizeibilder vom Februar 2019:

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