«Es sind auch ‹jüngere› Kandidaturen zu berücksichtigen, damit innerhalb der Partei eine nachhaltige Personalpolitik sichergestellt ist.» So lautete der Auftrag an die Findungskommis- sion der SVP Aargau vor den Wahlen im Herbst 2015. Gelungen ist dies der Kommission allerdings nicht, wie sich diese Woche gezeigt hat: Mit Ulrich Giezendanner (64), Sylvia Flückiger (65), Luzi Stamm (65) und Maximilian Reimann (75) stehen gleich vier Bisherige bei den Nationalratswahlen 2019 nicht mehr auf der SVP-Liste.

Reimann, der seit 1987 in Bundesbern politisiert, hat der SVP-Findungskommission mitgeteilt, dass er nicht mehr für die Nationalratswahlen kandidiert (die AZ berichtete). Auslöser ist eine neue Regelung der SVP Aargau. Diese sieht vor, dass alle Kandidaten, die 63 Jahre alt oder 16 Jahre lang im Amt sind, für die Nomination eine Zweidrittelmehrheit im Kantonalvorstand und am Parteitag benötigen.

Schibler für Liste angefragt

Reimann kritisiert dies: «Aus Sicht der älteren Wählerschaft ist die Altersguillotine sehr unglücklich. Die Generation Ü70 ist im Parlament eindeutig untervertreten.» Als Konsequenz brachte der Fricktaler letztes Jahr eine eigene Seniorenliste ins Spiel. Irgendwann werde die ältere Generation in der SVP nicht mehr vertreten sein, prophezeite Reimann im Mai 2017 im «Talk Täglich» von Tele M1: «Dann gründen die Senioren möglicherweise eine eigene Wahlplattform.»

Ob sich die Seniorenliste nun konkretisiere, nachdem die SVP alle vier Nationalräte im AHV-Alter nicht mehr nominiert, wollte Reimann gestern auf Anfrage nicht kommentieren. Die AZ weiss aber: Der Fricktaler ist nicht erst seit gestern daran, seine Ankündigung vom letzten Frühling in die Tat umzusetzen.

Wolfgang Schibler, ehemaliger SVP-Grossrat und nun Ortsparteipräsident in Buchs, bestätigt auf Anfrage: «Maximilian Reimann hat mich um den Jahreswechsel kontaktiert und für eine Seniorenliste angefragt.» Schibler wurde in seiner Zeit als Gemeindeammann in Bettwil durch den Kampf gegen eine Asylunterkunft des Bundes kantonsweit bekannt und war auch als Regierungsratskandidat der SVP im Gespräch.

Der mittlerweile 68-Jährige erklärt, er habe Reimann seine grundsätzliche Zusage für die Seniorenliste gegeben. «Wer sonst darauf steht, weiss ich nicht, es sind aber eine Handvoll Personen dabei». Weil die SVP-Findungskommission Luzi Stamm nicht nominieren wolle, könnte auch dieser ein Thema werden. «Ich habe ihn kürzlich getroffen und hatte nicht den Eindruck, dass er gesundheitlich angeschlagen ist», sagt Schibler.

Zuletzt kursierten Gerüchte, auch der ehemalige SVP-Nationalrat Lieni Füglistaller stehe auf der Seniorenliste. Dieser dementiert aber: «Ich habe vor gut einem halben Jahr mit Maximilian Reimann über seine Situation gesprochen und verstehe, dass er sich dem Nominationsverfahren mit der Altersguillotine nicht unterziehen will.»

Eine eigene Seniorenliste sei damals aber nicht zur Sprache gekommen und sei für ihn auch heute kein Thema: «Ich stehe nicht darauf und ich wurde auch nicht angefragt dafür», hält Füglistaller fest. Allerdings sehe er durchaus ein Wählerpotenzial für eine solche Liste, «denn Senioren möchten angemessen in der Politik vertreten sein».

Ziele und Name noch offen

Wolfgang Schibler sagt, bisher habe noch kein Treffen der möglichen Kandidaten auf der Seniorenliste stattgefunden. Auch die politischen Ziele, die Bezeichnung des Projekts, die Finanzierung des Wahlkampfs und weitere wichtige Fragen seien derzeit offen. Klar ist laut alt Grossrat Schibler aber, dass die Seniorenliste überparteilich sein soll. «Ich weiss, dass Maximilian Reimann auch Vertreter anderer Parteien und Parteilose angefragt hat.»

Er hält fest, die Zahl der Senioren steige, deshalb sei das Wählerpotenzial vorhanden. «Zudem haben wir mit Maximilian Reimann ein hervorragendes Zugpferd, er ist ein Motivator, ein sehr dynamischer und engagierter Politiker, der hier entschlossen vorangeht.» Ein absoluter Alleingang ist indes nicht vorgesehen: «Ich gehe davon aus, dass wir eine Listenverbindung mit der SVP anstreben werden, zumal die politische Ausrichtung der Seniorenliste rechtsbürgerlich sein wird».