Praxislehrer
«Übungslehrer» zeigten den Studis, wie das Schulegeben geht

Angehende Lehrerinnen und Lehrer verbrachten einige Praktikums-Wochen «an der Front»: in den Schulzimmern der Region. Sogenannte «Übungslehrer» zeigten ihnen, wie «es» geht, das Schulegeben.

Hans Fahrländer
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Will gelernt sein: Das Schulegeben.

Will gelernt sein: Das Schulegeben.

Keystone

Das gab es auch schon früher: Angehende Lehrerinnen und Lehrer verbrachten einige Praktikums-Wochen «an der Front»: in den Schulzimmern der Region. Sogenannte «Übungslehrer» zeigten ihnen, wie «es» geht, das Schulegeben.

Dann kam die Tertiarisierung der Lehrerbildung, das heisst: ihre konsequente Ansiedlung auf Hochschulstufe. Seither verfolgt ein öffentlicher Vorwurf die Hochschulen: Die Ausbildungsgänge seien «von den Schulen weggerutscht» und viel zu theoretisch geworden. Besonders vehement war die PH Nordwestschweiz diesem Vorwurf ausgesetzt. Nun zeigt sich: Es ist alles ganz anders. Zumindest in der guten Absicht. Und noch eine angenehme Überraschung: Der «Bildungsraum Nordwestschweiz», bestehend aus den vier Kantonen Aargau, beiden Basel und Solothurn, oft totgesagt oder als Papiertiger verschrien, lebt.

Gemeinsames Symposium

Dieser Tage fand im Campussaal der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch das erste vierkantonale Symposium für Schulleitungen an Volksschulen statt. Das Thema im Allgemeinen: die Zusammenarbeit zwischen den Schulen und der Pädagogischen Hochschule, die ihnen den Nachwuchs liefert. Das Thema im Besonderen: die berufspraktische Ausbildung der Studierenden «an der Front». Also: die Nachfolgeregelung für die gute (oder nicht so gute) alte «Übungsschule».

Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler, zurzeit Vorsitzender des Regierungsausschusses des Bildungsraums Nordwestschweiz, zeigte sich erfreut über das neue Tätigkeitsfeld für den Verbund – Verbund nicht nur zwischen den vier Kantonen, sondern auch zwischen den wichtigsten Akteuren des Bildungswesens. Im Saal sassen nämlich nicht nur Schulleiter, sondern auch Vertreter der Bildungsverwaltungen, der Lehrerverbände und natürlich der gastgebenden Hochschule, die bekanntlich ebenfalls vierkantonal organisiert ist.

Angestrebt: Enge Partnerschaft

PH-Direktor Hermann J. Forneck erläuterte das neue «Partnerschulmodell». Die Anforderungen an die Praxislehrkräfte und an die Schulen, welche Studierende bei sich aufnehmen, sind stark gestiegen. Die Praktikumszeit ist inzwischen auf ein ganzes Jahr angewachsen. Die Hochschule strebt eine enge Kooperation mit den Partnerschulen an, dies mit vierfacher Zielsetzung:

Es sollen genügend und vor allem genügend geeignete Praxislehrer zur Betreuung der Studierenden an den Schulen rekrutiert werden.

Die Studierenden sollten nicht Handlanger sein, die vor allem die Wandtafel putzen, sondern echte Partner im Schulzimmer.

Von der engen Zusammenarbeit sollen beide Seiten, die Schulen und die Hochschulen, profitieren, weil sie die Bedürfnisse und Eigenheiten der «anderen Seite» besser kennen.

Die Attraktivität des Lehrberufs soll gesteigert werden, wenn öffentlich bekannt wird, wie sorgfältig und praxisbezogen der Berufsstand seinen Nachwuchs ausbildet.

Einige «Gelingensbedingungen»

Am Symposium kamen auch Lehrpersonen mit bereits grosser Erfahrung in der Betreuung Studierender zu Wort. Sie begrüssten die gemeinsame Initiative der vier Kantone und der Hochschule, stellten aber einige «Gelingensbedingungen». So mahnte etwa Jean-Michel Héritier von der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt, der Praxisteil der Ausbildung dürfe nicht einfach an die Schulen delegiert werden, sondern müsse auch an der Hochschule ein permanentes Thema sein.

Teil der Partnerschaft könne durchaus auch sein, dass aktive Lehrkräfte an der PH einen Lehrauftrag erhielten. Und Karin Nützi, Kindergärtnerin in Olten, erinnerte daran, dass die Betreuung der «Studis» viel Arbeit bedeute und Know-how voraussetze. Es brauche deshalb eine gezielte Weiterbildung für Praxislehrerinnen.

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