Wirtschaftsausblick
UBS-Ökonom: «Aargau hat fast keine Schwächen, aber auch keine Stärken»

Der Kanton verteidigt seinen vierten Rang im Wettbewerbsfähigkeits-Ranking 2013 der UBS. Er will aber noch höher hinaus. So könnte er es schaffen.

Mathias Küng
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UBS-Chefökonom Daniel Kalt

UBS-Chefökonom Daniel Kalt

Zur Verfügung gestellt

Der «Outlook», der Wirtschaftsausblick für den Aargau, ist ein Publikumsrenner. Am Montagabend legten in Aarau die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK), die UBS Aargau/Solothurn und der Kanton Aargau ihre Erwartungen und Einschätzungen vor grossem Publikum dar.

Einleitend zeigte AIHK-Präsident Daniel Knecht die grosse Bedeutung der Industrie im Aargau auf. Besonders stark ist die Maschinen-, Elektrotechnik- und Metallindustrie.

Dieser stark exportorientierte Bereich kämpfte 2012 stark mit schwierigen Umständen gerade in Europa. Zu Knechts Verblüffung rechnen die Teilnehmenden in der eben erstellten AIHK-Wirtschaftsumfrage 2013 gesamthaft gleichwohl mit einem Stellenwachstum von rund einem Prozent.

Aargau schneidet im Vergleich mit anderen Kantonen gut ab

Die UBS beurteilt die Wettbewerbsfähigkeit eines Kantons anhand von zehn Kriterien (siehe Grafik). Die Wirtschaftsstruktur bestimmt die Dynamik des Wachstums. Der Aargau ist hier an 8. Stelle aller Kantone.

Bei der Diversifikation wird beurteilt, ob eine breit abgestützte, diversifizierte Volkswirtschaft den Rückgang in einer Branche auffangen kann. Auch hier gilt Rang 8, ebenso bei der Innovation, weil der Aargau von relativ vielen Beschäftigten in Forschung und Entwicklung profitiert.

Nur auf Rang 14 ist er beim Kostenumfeld. Beurteilt werden hier etwa Gewinn- und Kapitalsteuersätze. Auf Platz 6 ist er bei der Erreichbarkeit von Flughäfen (Kloten), Unis, regionalen Zentren. Super ist er mit Rang 3 beim Einzugsgebiet – dank Anbindung an die wichtigsten Verkehrsachsen. Bezüglich Ausbildungsstand der Bevölkerung (Humankapital) rangiert er auf Platz 8.

Je höher die Teilnahme der Menschen am Arbeitsmarkt, desto höher die Ausschöpfung des Potenzials: Hier reicht es für Rang 10. Relativ weit hinten (Rang 13) ist der Aargau bei der Finanzeffizienz (Investitionen in Infrastruktur, unternehmensfreundliches Steuersystem etc.).

Punkto Finanzspielraum sieht die UBS den Aargau auch wegen seiner Verschuldung auf Rang 9. Insgesamt erreicht unser Kanton erneut den hervorragenden 4. Rang. (mku)

An Gewinnsteuern arbeiten?

Viele Teilnehmende kamen gewiss vorab, um den globalen, nationalen und regionalen Ausblick von UBS-Chefökonom Daniel Kalt zu hören. Dieser enttäuschte mit seinem fulminanten Vortrag nicht.

Eindrücklich waren insbesondere seine Extrapolationen der enorm schnell wachsenden Bedeutung der Schwellenländer. Und er bestätigte, «dass uns die Eurokrise noch lange beschäftigt».

Auf nationaler Ebene zeigte er anhand des neuesten UBS-Wettbewerbsindikators, dass der Aargau den vierten Rang verteidigt hat. Aufs Podest reichte es nicht ganz.

Kalt: «Die Aargauer Wirtschaft hat fast keine Schwächen. Sie hat aber auch keine ausgeprägten Stärken. Kalt empfiehlt, nachzudenken, ob sich der Aargau bei den Gewinnsteuern verbessern will.

Hofmann: Ziel ist ein Podestplatz

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann knüpfte beim vierten Platz an. Der Ehrgeiz sei natürlich, den dritten Platz zu erklimmen – den man beim Standortqualitätsindex der CS bereits seit 2009 hält.

Wenn der Industriesektor innovativ bleibt, ist Hofmann überzeugt, dass er eine Zukunftsbranche ist. Die Regierung will den Aargau zusätzlich aber auch als Hightech-Kanton positionieren.

In einem vom Journalisten Werner De Schepper anschliessend eloquent geführten Podium bestätigten die Aargauer Unternehmer Rudolf Hug (VR-Präsident HT-Holding AG) und Peter A. Gehler (GL-Mitglied Siegfried Holding AG) den grossen Mangel an Fachkräften.

Sie hoffen, dass die Rekrutierung in künftigen Abstimmungen etwa zur Personenfreizügigkeit nicht erschwert oder verwehrt wird. Hug plädierte zusätzlich für die Pflege der bestehenden Balance zwischen Akademiker- und Berufsabschlüssen. Die Frauen forderte er auf, mehr Naturwissenschafts- und Ingenieurberufe zu ergreifen.

UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder, einst selbst in der Industrie tätig, meinte auf De Scheppers Frage, ob der Aargau in fünf, zehn Jahren immer noch ein Industriestandort sei, das könne er sich gut vorstellen.

Er habe die besten Voraussetzungen dazu. Gehler gab hier zu bedenken, wie landintensiv die Industrie ist: «Wenn die Bodenkosten steigen, wird es als Erstes für die Industrie knapp.»

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