Kantonspolizei
Übermüdete Fahrer, schrottreife Fahrzeuge: Die Probleme der Kapo Aargau

Wegen des grossen Kostendrucks sind vermehrt schrottreife Fahrzeuge unterwegs. Zudem fahren die Chauffeure bis zur totalen Übermüdung. Offenbar sind unter den Sündern viele Fahrzeuge, die nicht von Schweizern betrieben werden.

Toni Widmer
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Boxenstopp: Lastwagenchauffeure und Kantonspolizisten diskutieren beim gemeinsamen Znüni. Toni Widmer

Boxenstopp: Lastwagenchauffeure und Kantonspolizisten diskutieren beim gemeinsamen Znüni. Toni Widmer

«Die Kantonspolizei hat einen Job zu machen und den macht sie korrekt und kompetent», sagt Ulrich Gloor, Präsident der Aargauer Sektion des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbandes (Astag). Und Rudolf Scherrer, Chef der Mobilen Einsatzpolizei (Mepo), erklärt: «Wir werden von den Lastwagenfahrern akzeptiert, wenn wir Kontrollen machen. Der gegenseitige Umgangston ist freundlich, man respektiert unsere Entscheide.»

Mit den grossen Lastwagen, sagt Scherer weiter, hätte man ohnehin kaum Probleme: «Es gibt immer ein paar schwarze Schafe. Aber die grosse Mehrheit nimmt zur Kenntnis, dass unsere Kontrollen regelmässig sind und die Bussen hoch. Man hält sich an die Verkehrsregeln.»

Mit den Kleintransportern hat die Kapo wesentlich mehr Mühe. Die Lenkerinnen und Lenker der auf 3,5 Tonnen Gesamtgewicht limitierten Fahrzeuge müssen sich weder an die Arbeits- und Ruhezeitverordnung halten und unterliegen auch nicht dem Nachtfahrverbot.

Schrottreife Fahrzeuge unterwegs

«Da wird der massive Kostendruck, der heute in der Transportbranche herrscht, überdeutlich. Es wird nicht nur bis zur totalen Übermüdung gefahren, sondern auch etwa bis fast zur Schrottreife des Fahrzeuges», hält Scherrer fest. «Bis zur Leinwand abgefahrene Pneus sind noch fast harmlos. Wir haben Fahrzeuge kontrolliert, deren Bremsleistung unter 10 Prozent gelegen hat. Mit so einem Fahrzeug unterwegs zu sein, ist kriminell.»

Der Mepo-Chef legt Wert auf die Feststellung, dass diese groben Sünder kaum bei den grossen Schweizer Transportunternehmen zu suchen sind, will dazu aber nicht mehr sagen. Braucht er auch nicht. Es ist bekannt, dass es sich dabei vielfach um Fahrzeuge handelt, die zwar in der Schweiz immatrikuliert sind, aber nicht unbedingt von Schweizern betrieben werden. 120 Fahrzeuge hat die Kapo Aargau 2011 aus dem Verkehr ziehen müssen, 2012 werden es deutlich mehr sein. Man mache bezüglich der Kleintransporter noch mehr gezieltere Kontrollen und das Tag und Nacht, erklärte Rudolf Scherrer am traditionellen Boxenstopp, dem alljährlichen Treffen zwischen Kantonspolizei und Lastwagenbranche auf der Raststätte Würenlos.

Der Kontrolldruck fehlt

Entschärfen könnte man das Problem allenfalls, wenn auch Kleintransporter in regelmässigeren Abständen bei der Motorfahrzeugkontrolle (MFK) vorfahren müssten. Bisher gilt der gleiche Rhythmus wie bei Personenwagen: erste MFK nach 6 Jahren, danach alle 2 Jahre.

Schwere Lastwagen müssen jedes Jahr vorgeführt werden. «Reine Schikane und ein gewaltiger Unkostenfaktor, sagt Astag-Präsident Gloor: «Für dieses strenge Prozedere müssen wir jedes Fahrzeug jährlich 2 bis 3 Tage stilllegen. Das kostet uns sehr viel Geld.» Einen Turnus von 2 bis 3 Jahren würde Gloor unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit als durchaus vertretbar erachten: «Die Fahrzeuge sind heute von einer sehr guten Qualität und wir selber haben ja auch ein Interesse daran, dass unsere Chauffeure sicher unterwegs sind. Sonst schneiden wir uns ins eigene Fleisch.»