Brittnau
«Übereiltes Konzept»: Anwohner wehren sich gegen Asyl-Container

Bewohner des Brittnauer Hausacker-Quartiers wollen an der Gmeind am Freitag die Containersiedlung für Flüchtlinge verhindern. Sie kritisieren mehreren Punkte wollen stattdessen eine andere, bessere Lösung für die Unterkunft der Asylbewerber.

Lilly-Anne Brugger
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Der Blick aus Silvia Bühlmanns Küchenfenster: Die weiter entfernten Profile markieren den Standort der Wohncontainer, die in der ersten Phase aufgestellt werden.

Der Blick aus Silvia Bühlmanns Küchenfenster: Die weiter entfernten Profile markieren den Standort der Wohncontainer, die in der ersten Phase aufgestellt werden.

Lilly-Anne Brugger

Wenn Silvia Bühlmann ihr Küchenfenster öffnet, schaut sie auf Profile, die wenige Meter vom Fenster entfernt stehen. «Da würde die Wand von den Containern hinkommen, die in der zweiten Phase aufgestellt werden», sagt sie und schliesst das Fenster wieder.

Auch durch das geschlossene Fenster sind die Profile, die die Quartierbewohner am Wochenende gestellt haben, noch gut zu erkennen. «Diese Container werden näher an unserem Haus stehen als das Haus jedes anderen Nachbarn», ergänzt Silvia Bühlmann und nimmt wieder am Esstisch Platz.

Dort sitzen ihr Mann Heinz Bühlmann sowie die Nachbarn Heinz Leuenberger und Andreas Zimmerli. Sie sind die Vertreter einer Arbeitsgruppe, die sich innerhalb des Hausacker-Quartiers gebildet hat und ein Ziel verfolgt: An der Gemeindeversammlung von kommendem Freitag die Containersiedlung für Flüchtlinge im Hausacker-Quartier verhindern.

Stattdessen will die Arbeitsgruppe Inputs für eine alternative Lösung geben. Denn auch für die Bewohner des Hausacker-Quartiers ist klar, dass die Flüchtlinge eine Unterkunft benötigen. «Es gibt aber garantiert bessere Lösungen als die Containersiedlung», sind sie überzeugt.

Die ganze Last in einem Quartier

«Es kann nicht sein, dass wir als kleines Quartier die Last für das ganze Dorf tragen müssen. Der Gemeinderat hat ja auch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Containeranlage beliebig erweiterbar ist», sagt Silvia Bühlmann.

Als Direktbetroffene denkt sie auch an die Entwertung ihres Hauses: Sie werde mit 50 Prozent rechnen müssen, die Häuser von Nachbarn, die von der Containersiedlung weiter entfernt sind, würden wohl noch bis zu 30 Prozent entwertet. «Für uns ist das auch eine grosse Existenzangst.

Wer ersetzt uns die Entwertung des Hauses?», sagt sie mit Nachdruck. Deshalb ist sich die grosse Mehrheit der Quartierbewohner einig, dass die Lasten über die ganze Gemeinde verteilt werden müssten – in Form von dezentralen Wohnungen für die Flüchtlinge. «So können sie auch besser integriert werden – und es entsteht nicht eine Gettoisierung, wie es hier im Hausacker der Fall wäre», sagt Andreas Zimmerli.

Die Anwohner des Hausacker-Quartiers schlagen deshalb vor, dass die Zivilschutzanlage, die sowieso für die Flüchtlinge vorbereitet wird, so lange geöffnet bleibt, bis im Dorf die passenden Wohnungen gefunden worden sind. «In einer Arbeitsgruppe, die Lösungen sucht, würden Vertreter unseres Quartiers gerne auch mitarbeiten», sagen sie. Die Container-siedlung in ein anderes Quartier abzuschieben, kommt für sie aber nicht in Frage.

Die Anwohner des Hausacker-Quartiers sprechen von einem übereilten Konzept, wie der Gemeinderat die Flüchtlinge in der Gemeinde unterbringen will. «Wir haben den Eindruck, dass die Planung sehr schnell gehen musste», sagt Andreas Zimmerli.

Auch was die Finanzen angehe, sei die Lösung im Hausacker-Quartier nicht die beste, ergänzt Heinz Leuenberger. «Das Land, auf dem die Container aufgestellt werden, gehört der Gemeinde und könnte bei einem Verkauf rund 1,2 Millionen Franken einbringen. Wenn darauf 5 Häuser gebaut werden, gäbe dies 50 000 bis 100 000 Franken mehr Steuereinnahmen im Jahr.»

Und auf Geld sei die Gemeinde bei den anstehenden Projekten mehr als angewiesen, meint er und weist darauf hin, dass bei der Variante des Gemeinderates die Folgekosten für den Unterhalt der Container und auch eventuelle Sicherheitsmassnahmen nicht einberechnet seien. «Dezentrale Wohnungen würden wohl nicht teurer kommen», sagt Heinz Leuenberger deshalb.

Das Problem des ganzen Dorfes

Seitdem die Anwohner am vergangenen Samstag die künftige Container-siedlung ausgesteckt haben, ist das Anliegen des Quartiers ins Bewusstsein der Dorfbevölkerung gedrungen. «Viele wussten gar nicht, dass die Container doppelstöckig werden. Es ist erschreckend, wie wenig die Brittnauer wissen», erzählt Andreas Zimmerli.

Alle vier Nachbarn bestätigen, dass im Dorf eine grosse Unwissenheit herrsche und sich kaum jemand Gedanken gemacht habe, wie die Siedlung in natura aussehen könnte. «Seit wir die Profile gestellt haben, sind viele Leute vorbeigefahren und haben alles genau angeschaut.»

Beim Gespräch im Dorf, beim Einkaufen oder im Verein stellen die Quartierbewohner fest, dass sie Verständnis für ihre Situation erhalten, wenn sie die Sachlage genau erklären.

«Uns ist wichtig aufzuzeigen, dass es letztlich nicht nur unser Problem ist, sondern ein Problem des ganzen Dorfes. Hier in der Nähe ist der Friedhof und der Schulweg des Hard-Quartiers führt hier vorbei», sagt Heinz Leuenberger.

Deshalb hoffen die Quartierbewohner, dass sie mit Mund-zu-Mund-Propaganda viele Brittnauer zur Teilnahme an der Gemeindeversammlung bewegen können – und zum Neinstimmen gegen die vom Gemeinderat vorgeschlagene Containersiedlung für Flüchtlinge.