Twitternde Regierungsräte
«Über Nacht zur Frau Landammann geworden» zwitscherte es vom Bio-Hof

Susanne Hochuli twittert als erstes Mitglied der Aargauer Regierung. Das soziale Medium erlaubt ihr, sich knapp und pointiert auszudrücken, aus der Departementsstube aber auch von zuhause aus. Auch Regierungsräte aus anderen Kantonen twittern.

Daniel Fuchs
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Susanne Hochuli ist seit 1. April auf Twitter aktiv

Susanne Hochuli ist seit 1. April auf Twitter aktiv

Annika Bütschi

Twitter ist das Medium für Politiker, Journalisten und Kommunikationsberater. Das zeigt auch der Blick auf die «Follower»-Liste von Susanne Hochuli. 136 Bürger, meist beruflich in irgendeiner Form mit der Politik direkt verbandelt, beträgt ihre Zahl. Nur wenige «Normalbürger» pflegen hingegen Kontakt über das soziale Netzwerk mit der Aargauer Frau Landammann.

Die grüne Magistratin und Biobäuerin aus Reitnau muss das auch bemerkt haben. Als eine Bürgerin sie über Twitter auffordert, nicht nur Politikern zu folgen, «zwitschert» sie zurück: «Das sehe ich ein und folge Ihnen sogleich. Haben Sie mir noch Tipps, wem ich folgen sollte, um bürgernah zu sein?»

Hochuli ist äusserst fleissig: Dreissig «Tweets» beträgt die Zahl der Einträge in Form von Kurzmitteilungen. Am vergangenen 1. April - just an ihrem ersten Tag als Frau Landammann - beginnt sie damit: «Über Nacht zur Frau Landammann geworden und als Susanne Hochuli erwacht. So soll es bleiben. Ich wünsche allen einen sonnigen Frühlingstag.»

Kein Gezwitscher ohne Konzept

Kein Aprilscherz, Hochuli twittert seither in hoher Kadenz. Doch warum? An Hochulis Stelle gibt Pressesprecher Balz Bruder Auskunft. Das Medium Twitter liege Susanne Hochuli, weil es ihr erlaube, sich «knapp, präzis und pointiert auszudrücken», sagt er.

Wie Bruder ausführt, haben sich Hochuli und ihre Leute im Departement für Gesundheit und Soziales gut überlegt, wann und in welcher Form Twitter einzusetzen ist. Warum dies wichtig ist, zeigt das Beispiel aus dem Kanton Baselland. Dort hatte Hochulis Parteikollege, Isaac Reber, nur bis zu seiner Wahl in den Regierungsrat «getwittert».

Isaac Reber (Grüne, BL) twittert nicht mehr, seit er Regierungsmitglied ist.

Isaac Reber (Grüne, BL) twittert nicht mehr, seit er Regierungsmitglied ist.

Kenneth Nars

Sein Sprecher, Adrian Baumgartner erklärt: «Isaac Reber liess mit Amtsantritt den Twitteraccount verwaisen, weil er es für nicht zielführend hält, als Regierungsrat konzeptlos Kurznachrichten zu verbreiten.» Seither arbeitet der Kanton Baselland an einem Konzept, das den Umgang mit sozialen Medien regeln soll. Man sei nun dabei, Erfahrungen mit der zeitlichen Belastung Rebers als Mitglied der Kantonsregierung zu sammeln. Vorher mache es schlicht keinen Sinn, ins Blaue «loszutwittern».

Grüne besonders twitter-affin

Es fällt auf: Grüne scheinen besonders twitter-affin zu sein. Guy Morin, Basler Regierungspräsident, ist auf Kantonsebene der einzige Magistrat mit einem grösseren Erfahrungsschatz in Sachen Twitter. Seit Juni 2010 ist Morin in mehr oder weniger regelmässigen Abständen am «Zwitschern».

Häufig auf Twitter: Guy Morin (Grüne, BS)

Häufig auf Twitter: Guy Morin (Grüne, BS)

Zurück in den Kanton Aargau: Susanne Hochuli verfasse ihre Twitter-Einträge allesamt selber, versichert Balz Bruder. Das macht sie auch von unterwegs und von zuhause aus.

Doch das Internet vergisst nie, Peinlichkeiten geistern immer irgendwo im WWW herum. Was ist mit den Risiken, Balz Bruder? Die «zwitschernde» Regierungsrätin bereitet dem Kommunikationsprofi keine schlaflosen Nächte. «Susanne Hochuli agiert sehr reflektiert und weiss genau, was sie macht», sagt Bruder.

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