Bremgarten
Über 100 Kilo Marihuana: 3,5 Jahre Haft für Betreiber von Indoor-Hanfanlage

Betreiber einer Hanf-Anlage muss laut Urteil des Bezirksgerichts dreieinhalb Jahre hinter Gitter: Insgesamt geht das Gericht von mehr als 100 Kilo Marihuana aus. Rund 300'000 Franken verdiente der Betreiber für seine Dienste.

Jörg Baumann
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Der Verurteilte betrieb in Bremgarten eine ähnliche Anlage wie diejenige auf dem Foto, die in Pfyn TG ausgehoben wurde.

Der Verurteilte betrieb in Bremgarten eine ähnliche Anlage wie diejenige auf dem Foto, die in Pfyn TG ausgehoben wurde.

Keystone

Für dreieinhalb Jahre muss laut dem Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten ein 43-jähriger ehemaliger Informatiker hinter Gitter. Er betrieb im Auftrag eines unbekannten Bandenchefs namens «Jorge» in einem Gewerbehaus in der Oberen Ebene in Bremgarten eine Indoor-Hanfanlage.

Der Kopf der Bande und weitere Mitglieder sind untergetaucht. «Hängemann» ist der Frontmann, der das Unternehmen vor Ort führte. Er bekam kalte Füsse und stellte sich der Polizei nachdem der schwungvolle Drogenhandel aufgeflogen war.

Grossen Umsatz erzielt

Die Staatsanwaltschaft schätzt, dass in der Anlage zwischen 2008 und 2013 rund 300 Kilo Marihuana im Wert von 2,1 Mio. Franken produziert wurden. Nach Abzug der Lohn- und Nebenkosten soll die Bande einen Nettogewinn von 1,7 Millionen Franken erzielt haben.

Gerichtspräsident Peter Thurnherr kam auf tiefere Zahlen: Auch wenn man die Ausfälle abziehe, die es bei der Hanfproduktion immer gebe, gehe das Gericht aber immer noch von über 100 Kilo Marihuana im Wert von mehr als einer Million Franken aus. Die Menge wurde anhand des Stromverbrauchs für die Wärmelampen berechnet.

Geld im Untergrund verschwunden

Der Erlös aus dem Drogenhandel verschwand im Untergrund, teilweise ins Ausland. Dafür sorgte der Betreiber der Anlage. Der Geldverkehr lief, so das Gericht, über seine zwölf Bankkonti. Darauf zahlte der Angeklagte innerhalb von fünf Jahren 700 000 Franken ein. Die Konti waren alle leer, nachdem die Polizei die Indooranlage geschlossen hatte.

Auf die schiefe Bahn soll der Informatiker gekommen sein, nachdem er ohne Job dastand und bei einem gewissen «Jorge», mutmasslich beim Chef der Bande, in einem finanziellen Engpass ein Darlehen aufgenommen hatte. «Jorge» soll ihm daraufhin vorgeschlagen haben, dass er seine Schulden mit der Betriebsführung der Hanfanlage tilgen könne.

Der Angeklagte machte geltend, dass der grösste Teil des Geldes nicht aus dem Drogengeschäft stamme. Vielmehr habe er das meiste ehrlich mit seinen Kleidergeschäften verdient, die er eine Zeit lang betrieb. Nur führte er nie eine Buchhaltung. «Und zwar, weil ich mir keinen Treuhänder leisten konnte», meinte der Angeklagte.

Monatsverdienst von über 5000 Franken

So habe er aber den Geldfluss verschleiern können, warfen ihm die Staatsanwaltschaft und das Gericht vor, was als qualifizierte Geldwäscherei gelte. Die Staatsanwaltschaft rechnete aus, dass der Informatiker mit der Betriebsleitung der Hanfanlage 298 000 Franken verdient habe.

Die Hintermänner überwiesen ihm für seine geleisteten Dienste regelmässig einen Monatslohn von 5000 bis 6000 Franken.

Das Verschulden stufte die Staatsanwaltschaft als mittelschwer ein und beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, eine bedingte Geldstrafe von 7200 Franken und eine Busse von 1000 Franken. Diesen Strafanträgen schloss sich die Mehrheit des Gerichts an.

Die Minderheit wollte es bei einer milderen, teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren bewenden lassen. Die Verteidigung verlangte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, davon 18 Monate bedingt. Die ausgestandene Untersuchungshaft wird dem Täter an die Strafe angerechnet.

«Ich sitze nun seit einem Jahr in Haft – für mich ein einschneidendes Erlebnis», erklärte der Angeklagte. «Ich will in Zukunft anständig bleiben und nach der Entlassung einen Job suchen. Es ist mir egal, wo. Ich kann auch auf dem Bau arbeiten.»