Die bisherigen Regierungsräte haben ihre Wahl beinahe auf sicher. Markus Dieth von der CVP dürfte ebenfalls gewählt werden - umso mehr wird um den einen Sitz gerangelt, den Susanne Hochuli nicht mehr will. Beinahe jede Partei stellt Anspruch darauf. Die SP will Yvonne Feri darauf setzen, die Grünen Robert Obrist, die BDP Maya Bally und die Grünliberalen – nach einem parteiinternen hin und her – Ruth Jo. Scheier.

Die einen sprechen von gelebter Demokratie, Jonas Fricker schreibt auf Twitter von einem Jekami – jeder kann mitmachen. Der Nationalrat der Grünen: «Jetzt fehlt nur noch die EVP» und entfesselt damit eine Twitter-Streiterei.

Denn die Fricker-Provokation fruchtet. In erster Linie reagiert Marco Arni von den Grünliberalen Aargau, eine der Parteien, die rein rechnerisch keinen Anspruch auf einen Regierungsratssitz hätte und dennoch eine Kandidatin zur Wahl stellen. Er entgegnet Fricker: «Und wer hat mit diesem Jekami begonnen... :)?». Denn die Grüne Partei könne im Aargau auch nicht auf viel mehr Wählerstimmen zählen als die Grünliberalen. Bei den letzten Grossratswahlen erzielten die Grünen 7,4 Prozent Stimmenanteile, die Grünliberalen 5,5 Prozent.

Zwischen Arni und Fricker kam es schon früher auf Twitter zu Provokationen. So twitterte Arni am 28. Juni: «Oje, muss ich jetzt wirklich zwischen einer SVP und einer Grünen Pro-forma-Kandidatur auslesen?» Ein Tweet, den Jonas Fricker frech findet, wie er gegenüber der az sagt. Denn: «Wir waren die letzten acht Jahre in der Regierung vertreten. Unsere Kandidatur ist definitiv keine Alibikandidatur.» Jene der GLP bezeichnet Fricker hingegen als Zugpferd-Kandidatur für die Grossratswahlen. Wobei er den Entscheid nachvollziehen kann. Denn: «Wer nicht für die Regierung kandidiert, wird von den Medien nicht wahrgenommen.»

Bei seinem Tweet habe schon ein wenig Enttäuschung mitgespielt, dass die GLP selber eine Kandidatin ins Rennen schicken, statt Robert Obrist von den Grünen zu unterstützen. Wobei er betont: «Mein Tweet ist ernst gemeint. Regierungsratswahlen sind Persönlichkeitswahlen. Die Wählenden werden die bestgeeigneten Personen wählen und nicht ein Parteibuch. Das ist richtig so.» Zurück zum Twitter-Pingpong-Duell von Fricker und Arni.

 «Die Grünen Aargau stellen mit Robert Obrist die geeigneste Person, um die Arbeit von Susanne Hochuli weiter zu führen», verbreitete Fricker als Nächstes Wahlwerbung im Netz. Worauf Arni antwortete: «Ärgerlich für Euch, dass das so viele Parteien offenbar nicht begriffen haben..»

Ihre Parteien haben beide das Wort Grün im Namen, doch mittlerweile sehen beide Politiker rot.

Fricker: «Verkaufe mich nicht für dumm: Allen Parteien geht es um strategische Wahlvorteile.»

Arni: «Genau. Und darum müssen alle bei jedem Tweet – obs passt oder nicht – unablässig behaupten, ihr/-e Kandidat/-in sei am besten.» 

Fricker: «Du bist die löbliche Ausnahme, Marco. Du machst die anderen Kandidaturen schlecht.»

Über das Internet streiten, gibt es eine unterhaltsamere Sonntagsunterhaltung? Marco Arni zumindest hat jetzt genug vom Tweet-Pingpong mit Fricker. Sein letzter Tweet: «Komm, wir gehen besser mit unseren Kindern spielen. Ist die bessere Investition in die Zukunft.» Ein Rat, dem Fricker folgte? «Während er noch weiter twitterte, war ich schon lange mit meiner Familie unterwegs.» 

@FrickerJonas Komm, wir gehen besser mit unseren Kindern spielen. Ist die bessere Investition in die Zukunft... #lasttweet

— Marco Arni (@ArniMarco) 14. August 2016