Kultur

Trotz Vorwurf der Vetterliwirtschaft: Kulturdirektor Hürzeler will keine neue Regeln für das Aargauer Kuratorium

Bei der 50-Jahre-Feier war die Welt des Aargauer Kuratoriums noch in Ordnung. Jetzt gibt der Verdacht auf Vetterli-Wirtschaft zu reden.

Die SVP sieht Handlungsbedarf, auch wegen der Reputation des Aargauer Kuratoriums. Die SP hingegen sagt, dass man Interessenskonflikte nie ganz verhindern könne.

Seit Stephan Diethelm Vize-Präsident des Aargauer Kuratoriums ist, haben sich die Beiträge für seine Konzertreihe «Musik im Pflegidach» Muri fast verdreifacht . Um dem Vorwurf der Begünstigung entgegenzuwirken, ist in internen Richtlinien festgehalten, dass Kuratoriumsmitglieder bei Projekten, an denen sie selber beteiligt sind, das Gesuch nicht selber einreichen dürfen. So finden sich in den Tätigkeitsberichten unter den Beitragsempfängern keine Namen von Kuratorinnen und Kuratoren – ihre Projekte werden aber trotzdem unterstützt.

Kuratoriumspräsident Rolf Keller findet die Regelungen «sinnvoll und adäquat». Er verweist zudem auf die Ausstandsregel, die vorschreibt, dass Kuratoriumsmitglieder bei der Behandlung von Gesuchen von Projekten, an denen sie beteiligt sind, in den Ausstand treten müssen. Gesuche um individuelle Förderbeiträge dürfen sie keine stellen.

Nur noch ausserkantonale Kuratorinnen und Kuratoren?

Interessenskonflikte sind in der Kulturförderung ein stetiges Thema. Oft sind Kuratorinnen und Kuratoren selbst Kulturaktivisten. Kulturdirektor Alex Hürzeler findet deshalb, dass der Umgang, die Handhabung und die Regelung von Interessenkonflikten zu Recht immer wieder ein Thema in Fachkommissionen seien.

Er weist aber daraufhin, dass solche Gremien auch auf fachlich versierte Mitglieder angewiesen seien, die mit den lokalen Gegebenheiten vertraut sind. «Die gewünschten Erfahrungen und Kenntnisse sind genau in jenen Kreisen zu finden, die selber ehrenamtlich oder professionell im Kulturbereich tätig sind», sagt Hürzeler.

Seiner Meinung nach müssen die aktuellen Regelungen deshalb genügen. «Vor allem wenn wir im Kuratorium weiterhin auch auf die Expertise von Vertreterinnen und Vertretern aus dem Kanton Aargau zählen wollen», sagt Hürzeler. Er sieht auf der Regelungsebene keinen zusätzlichen Bedarf.

Für Tanja Primault, SVP-Grossrätin und Präsidentin der Kulturkommission, ist hingegen klar, dass Handlungsbedarf besteht, «wenn selbst Kuratoren ihr Handeln als Vertuschung ansehen». Es gehe um Steuergelder. Als Kurator dürfe man abgesehen von der Entschädigung «in keiner Weise finanziell vom Kuratorium profitieren».

Zumindest die Ausstandsregel müsse deshalb konsequent angewandt werden und auch eine Anpassung der Richtlinien fände Primault sinnvoll. «Dies auch für die Reputation des Kuratoriums.» Das Thema werde politisch sicher diskutiert. In der Kommission oder möglicherweise über einen politischen Vorstoss.

Auch SP-Grossrätin Colette Basler sitzt in der Kulturkommission. Interessenkonflikte werde man nie vermeiden können, sagt sie. Würde man dies wollen, müsste man Kuratoriumsmitgliedern die kulturelle Tätigkeit im Aargau verbieten. Das hätte zur Folge, dass Ausserkantonale über die Vergabe der Fördergelder entscheiden. «Sie kennen aber die Gegebenheiten im Aargau nicht.»

Basler findet, dass es aufgrund der Berichterstattung über Vetterli-Wirtschaft im Kuratorium eine Auslegeordnung brauche. Auch das Kulturgesetz und die Verordnung müssten angeschaut werden, sagt Basler. «Es wäre aber sehr unprofessionell, jetzt vom Schiff aus Anpassungen zu fordern.» Sie glaubt auch nicht, dass sich einzelne Kuratoriumsmitglieder bereichern können. «Erstens fliessen die Fördergelder an ein Projekt. Zweitens entscheidet nicht nur eine Person darüber, wer Geld erhält.»

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