Strassenbau

Trotz Spardruck: Aargauer Wildtierkorridore sollen bis 2030 umgesetzt sein

Über die A1 bei Suhr will das Bundesamt für Strassen eine Tierbrücke für 14 Millionen Franken bauen – im Vergleich zu den Strassenbaukosten sei dies gar nicht so teuer, erklärt der Kanton.

Über die A1 bei Suhr will das Bundesamt für Strassen eine Tierbrücke für 14 Millionen Franken bauen – im Vergleich zu den Strassenbaukosten sei dies gar nicht so teuer, erklärt der Kanton.

Der Kanton verschiebt die Realisierung von Wildtierkorridoren aus Spargründen. Dennoch sollen sämtliche Projekte bis 2030 umgesetzt sein.

Als die Aargauer Zeitung vor vier Monaten über die Pläne des Bundesamts für Strassen berichtete, bei Suhr für 14 Millionen Franken eine Wildtierbrücke über die A1 zu bauen, löste dies heftige Reaktionen aus. SVP-Nationalrat und Transporunternehmer Ulrich Giezendanner betitelte das Projekt als Luxuslösung und sagte: «Da kostet jeder Frosch, der über die Brücke hüpft, schon 100 000 Franken.» Regula Bachmann, CVP-Grossrätin und Präsidentin des WWF Aargau, entgegnete damals, es sei höchste Zeit, dass die Überführung in Suhr gebaut werde. Diese sei längst versprochen und trage dazu bei, einen wichtigen Wildtierkorridor wieder durchgängig zu machen.

1 Laufmeter A1: 18 000 Franken

Doch auch Bachmann liess die Kostenfrage keine Ruhe. In einem Vorstoss wollte die Grossrätin vom Regierungsrat wissen, wie teuer die Wildtierüberführung im Vergleich zur Autobahn selber sei. In der Antwort weist die Regierung darauf hin, dass die A1, welche die Lebensräume der Tiere durchschneide, den Bau der Überführung überhaupt erst nötig mache. Sie schränkt zudem ein, ein Vergleich sei schwierig, weil die Kosten für einen Laufmeter Autobahn wesentlich davon abhängen, ob Kunstbauten wie Brücken oder Tunnels notwendig sind.

Dennoch liefert das Baudepartement eine konkrete Zahl: Demnach kostet ein Laufmeter der A1 im Abschnitt «Suret» bei Suhr – also dort, wo die Wildtierüberführung geplant ist – rund 18 000 Franken. Dies ergebe sich aus den tatsächlichen Kosten für den Bau der heute vierspurigen Autobahn in den 1960er-Jahren, der seither aufgelaufenen Teuerung und der Aufrechnung für einen künftigen Ausbau auf sechs Fahrspuren. Der Wildtierkorridor im Gebiet «Suret», der mit der Brücke wieder durchgängig gemacht werden soll, ist gemäss Kanton rund 1,7 Kilometer breit.

Daraus ergeben sich Kosten von rund 31 Millionen Franken für die Autobahn, diesen stehen die knapp 14 Millionen Franken für die neue Wildtierbrücke gegenüber. In diesem Betrag, der sich innerhalb eines Jahres praktisch verdoppelte, seien auch die Kosten für den Neubau des angrenzenden Waldwegnetzes enthalten, schreibt der Regierungsrat.

Wildtierkorridore zurückgestellt

Regula Bachmann wollte auch wissen, wie es mit der Umsetzung der übrigen Wildtierkorridore im Kanton steht. Aus der Antwort der Regierung geht hervor, dass von den insgesamt 31 geplanten Korridoren momentan erst 18 realisiert sind (siehe Tabellen). Das Sanierungskonzept für Wildtierkorridore stammt aus dem Jahr 2003. Damals ging die
Regierung von einem Zeithorizont für die Sanierung aller Korridore von rund 25 Jahren aus.

«Das bedeutet, dass bis ungefähr 2030 alle Wildtierkorridore im Kanton Aargau funktionsfähig oder zumindest teilweise beziehungsweise eingeschränkt funktionsfähig sein werden», heisst es in der Antwort auf Bachmanns Vorstoss.

An der Sanierung der Korridore mit nationaler Bedeutung beteiligen sich auch die SBB und das Bundesamt für Strassen. Für die Korridore mit regionaler Bedeutung muss der Kanton allein aufkommen. Im ersten Sparpaket im Jahr 2014 wurde die Sanierung dieser Korridore aus finanziellen Gründen zurückgestellt. Der Regierungsrat hält jedoch fest, die Planung der Projekte werde weitergeführt. Und er verspricht, wenn die Realisierung ab 2020 weitergeführt werden könne, sei «eine Umsetzung im ursprünglichen Zeitrahmen möglich».

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