Ausbildung
Trotz Rotstift in der Schule: Lehrernachwuchs lässt sich nicht abschrecken

Trotz dem Sparpaket und der Schulreform 6/3 steigt die Zahl der Studierenden an der Pädagogischen Hochschule. Quereinsteiger werden bald schweizweit zugelassen. Dies könnte aber auch zu einer Abwanderung aus dem Aargau führen.

Christene Fürst
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Um gegen den Lehrermangel vorzugehen, lancierten die Kantone der Nordwestschweiz 2011 ein Schnellstudium für Quereinsteiger aus anderen Berufen. (Symbolbild)

Um gegen den Lehrermangel vorzugehen, lancierten die Kantone der Nordwestschweiz 2011 ein Schnellstudium für Quereinsteiger aus anderen Berufen. (Symbolbild)

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In «Max und Moritz», 1865 veröffentlicht, musste sich Lehrer Lämpel noch mit den beiden Lausbuben herumschlagen. Die Lehrer von heute plagen andere Sorgen als explodierende Pfeifen. Tausende demonstrierten gestern vor dem Aargauer Grossratsgebäude in Aarau. Sie wehren sich gegen die Sparvorschläge der Regierung im Bildungsbereich. Hinzu kommt die grosse Schulreform 6/3: Nach den Sommerferien dauert die Primarschule neu sechs, die Oberstufe drei Jahre.

Kein Wunder, sind dieses Jahr bisher über 1000 Stellen ausgeschrieben worden, während es im Vorjahr noch 750 waren. Und die Oberstufenlehrer suchen laut Martin Schaffner, Präsident des Bezirkslehrerverbands, nun vermehrt im Kanton Zürich eine Stelle - wo sie pro Monat 1000 Franken mehr Lohn erhalten (az vom Montag).

Wer will unter diesen schwierigen Voraussetzungen überhaupt noch Lehrer werden? Der Lehrermangel ist ein chronisches Problem, Schulleiter beklagen einen Mangel an brauchbaren Bewerbungen. Die Pädagogische Hochschule (PH) der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) wirbt auf verschiedenen Kanälen für ihre Studiengänge.

Lara Müller, angehende Primarlehrerin Lara Müller ist eine von über 3000 Studierenden an der Ph in Brugg-Windisch: Frau Müller, Sie studieren an der Pädagogischen Hochschule. Warum wollen Sie Lehrerin werden? Lara Müller: Es war immer mein Traum, Lehrerin zu werden und mit Kindern zusammenzuarbeiten. In diesem Beruf kann man etwas Sinnvolles bei Kindern bewirken. Deshalb habe ich mich für das Studium an der Pädagogischen Hochschule der FHNW entschieden. Die Volksschule steht mit 6/3 vor einer grossen Reform. Hinzu kommen die Sparpläne der Regierung. Keine einfache Zeit für Lehrer. Ich versuche mir zu sagen, dass ich den Job nicht wegen des Geldes mache, sondern ich möchte den Job gerne und mit Freude ausführen, damit er mir einen Lebensinhalt gibt. Ich möchte in meinem Job den Bildungsauftrag erfüllen. Im Aargau herrscht Lehrermangel. Macht es das für Sie einfacher, einen Job zu finden? Ja, wegen des Lehrermangels habe ich vielleicht nicht schlechte Chancen, einen Job zu finden, wenn ich in zwei Jahren mein Studium beende. Der Lehrermangel könnte auch bedeuten, dass jeder Lehrer angestellt wird - egal, welche Ausbildung er hat. Das könnte sich negativ auswirken. (CFÜ)  

Lara Müller, angehende Primarlehrerin Lara Müller ist eine von über 3000 Studierenden an der Ph in Brugg-Windisch: Frau Müller, Sie studieren an der Pädagogischen Hochschule. Warum wollen Sie Lehrerin werden? Lara Müller: Es war immer mein Traum, Lehrerin zu werden und mit Kindern zusammenzuarbeiten. In diesem Beruf kann man etwas Sinnvolles bei Kindern bewirken. Deshalb habe ich mich für das Studium an der Pädagogischen Hochschule der FHNW entschieden. Die Volksschule steht mit 6/3 vor einer grossen Reform. Hinzu kommen die Sparpläne der Regierung. Keine einfache Zeit für Lehrer. Ich versuche mir zu sagen, dass ich den Job nicht wegen des Geldes mache, sondern ich möchte den Job gerne und mit Freude ausführen, damit er mir einen Lebensinhalt gibt. Ich möchte in meinem Job den Bildungsauftrag erfüllen. Im Aargau herrscht Lehrermangel. Macht es das für Sie einfacher, einen Job zu finden? Ja, wegen des Lehrermangels habe ich vielleicht nicht schlechte Chancen, einen Job zu finden, wenn ich in zwei Jahren mein Studium beende. Der Lehrermangel könnte auch bedeuten, dass jeder Lehrer angestellt wird - egal, welche Ausbildung er hat. Das könnte sich negativ auswirken. (CFÜ)  

Zur Verfügung gestellt

Man kann auch Teilzeit studieren

Dabei kann sich die PH FHNW über steigende Studienzahlen freuen. Letzten Herbst studierten unter anderem in Brugg-Windisch über 3000 künftige Lehrpersonen. Damals meldete die PH, dass sich die Studierendenzahlen seit der Gründung im Jahr 2006 verdoppelt hätten. In der ganzen Nordwestschweiz, besonders im Kanton Aargau, sei die Anzahl Studierender deutlich gestiegen.

Jetzt werden die letzten Anmeldungen für den kommenden Herbst erfasst, wenn das neue Studienjahr losgeht. Doch Christian Irgl, der Kommunikationschef der PH FHNW, nimmt vorweg: «Wir werden vermutlich wiederum ein leichtes Wachstum verzeichnen können». Vor Jahresfrist waren es 1100 Erstsemestrige, eine davon ist Lara Müller (siehe Interview unten).

Nicht jeder, der mit dem Studium beginnt, beendet es auch. An der PH Zürich vermeldete der «Tages-Anzeiger» im Oktober 2013, dass jeder fünfte Student das Studium abbreche. Die PH der FHNW konnte gestern kein eigenes Zahlenmaterial liefern.

Immer mehr Personen lassen sich also zum Lehrer oder zur Lehrerin ausbilden, obwohl ihnen im Aargau ein rauer Wind entgegenweht. Wenn man die PH nach den möglichen Gründen fragt, lautet die lapidare Antwort: «Viele haben erkannt, dass der Lehrerberuf anspruchsvoll, spannend und vielseitig ist.»

Dass die Anmeldungen zugenommen haben, führt Irgl auch auf das flexible Angebot der Studiengänge zurück. «Die Studiengänge der PH lassen sich auf die persönliche Lebenssituation abstimmen», sagt er. Ein modulares Studiensystem sei eine Ausnahme unter den Pädagogischen Hochschulen. An der PH FHNW kann man zum Beispiel Teilzeit studieren und nebenbei arbeiten.

Quereinsteiger «sehr motiviert»

Um gegen den Lehrermangel vorzugehen, lancierten die Kantone der Nordwestschweiz 2011 ein Schnellstudium für Quereinsteiger aus anderen Berufen. Im letzten Sommer schlossen die ersten 90 Quereinsteiger das Programm ab und erhielten eine Lehrbefähigung für den Aargau, Solothurn und die beiden Basel. 260 haben den Studiengang im letzten Jahr begonnen.

Den Quereinsteigenden gelinge der Berufseinstieg in den meisten Fällen gut, schrieb die PH ein Jahr nach der Einführung. «Diese Studierenden sind in der Regel sehr motiviert», ergänzt Mediensprecher Irgl heute. Er führt dies darauf zurück, dass die Quereinsteiger eine klare Vorstellung von ihrem Karrierewechsel hätten und diesen auch entschieden verfolgten. Zudem durchliefen die Bewerber ein Assessment. Nur knapp 30 Prozent erhielten schliesslich die Zulassung.

Ab Herbst werden die Aussichten für Quereinsteiger noch besser. Mit der erweiterten Studienzulassung ist es ihnen möglich, ein schweizweit anerkanntes Lehrdiplom zu erwerben. Mit diesem können sie in der ganzen Schweiz und nicht nur in den vier FHNW-Kantonen unterrichten. Ein Wermutstropfen bleibt: Die Chance schwindet, dass die Quereinsteiger den Lehrermangel im Aargau bekämpfen helfen.