Feuerwehr

Trotz Pflicht: Aargauer Feuerwehren haben immer wieder Unterbestand

Feuerwehrleute im Einsatz: Es gibt Aargauer Feuerwehren mit Unterbestand

Feuerwehrleute im Einsatz: Es gibt Aargauer Feuerwehren mit Unterbestand

Derzeit führen die Aargauer Feuerwehren ihre Rekrutierungen durch, um die zurückgetretenen durch neue Feuerwehrleute zu ersetzen und so den Sollbestand zu halten. Im Schnitt haben ein bis zwei Feuerwehren pro Jahr einen leichten Unterbestand.

Noch vor wenigen Jahren zählte der Kanton Aargau rund 18 000 Feuerwehrleute. Inzwischen wurde diese Zahl durch sinnvolle Zusammenlegungen auf rund 10 000 Feuerwehrleute reduziert. Trotzdem kommt es vor, dass eine Feuerwehr ihren Sollbestand nicht erreicht.

«Bei der alle fünf Jahre stattfindenden Inspektion der Feuerwehren müssen wir pro Jahr bei ein bis zwei Korps einen leichten Unterbestand bemängeln», sagt Urs Ribi, Abteilungsleiter Feuerwehrwesen bei der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV).

Die betreffende Feuerwehr habe dann Zeit, diesen Mangel bis zur nächsten Inspektion zu beheben. In jedem Fall sei die Sicherheit stets gewährleistet und alle Feuerwehren einsatzbereit, betont er.

Die Zusammenlegungen hatten zuerst zu einem Überbestand geführt, sodass vorübergehend keine Rekrutierungen nötig waren. Es galt jedoch, den richtigen Moment nicht zu verpassen und auch die übersprungenen Jahrgänge nicht komplett auszulassen. Dies ist nicht allen Feuerwehren gelungen.

Jedes Jahr werden im Aargau rund 1000 neue Feuerwehrleute ausgebildet. Sie füllen die Lücken, die durch altershalber ausscheidende oder wegziehende Korpsangehörige entstehen.

«Das bedeutet, dass wir jedes Jahr 1000 Leute für die Feuerwehr gewinnen müssen», sagt Ribi, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass dies nicht die Aufgabe der Gebäudeversicherung, sondern der Feuerwehrkommandanten ist, die von ihrer Gemeinde den Auftrag zur Führung der Feuerwehr erhalten haben. Und dazu gehört auch die Rekrutierung der Mannschaft.

Im Aargau besteht für Männer und Frauen von 20 bis 44 Jahren Feuerwehrpflicht. Wer keinen Dienst leistet, zahlt eine Ersatzabgabe. Jeder und jede kann indes vom Kommandanten zum Feuerwehrdienst gezwungen werden.

«In der Praxis macht dies aber wenig Sinn, denn der Einsatzwille in der Feuerwehr dürfte recht bescheiden sein», sagt Ribi. «Eine Mannschaft ist nur so gut wie die Motivation», ist er überzeugt.

Die Feuerwehrkommandanten stellt dies bei der Rekrutierung vor eine grosse Herausforderung. Sie können sich nicht auf einen einzigen Informationsabend verlassen, sondern müssen das ganze Jahr hindurch versuchen, durch Vereine und das Netzwerk der bestehenden Feuerwehrleute an mögliche Nachwuchskandidaten zu gelangen.

«Es ist eine stetige Aufgabe», weiss René Lüscher aus eigener Erfahrung. Der Verantwortliche für die Aus- und Weiterbildung in den Feuerwehren war selber jahrelang Kommandant und kennt die Probleme der Rekrutierung und auch die üblichen Ausreden.

«Es ist wichtig, die Rekrutierungsabende sorgfältig vorzubereiten und auch auf die Vorteile des Feuerwehrdienstes hinzuweisen», sagt René Lüscher.

Der Aufwand mit 6 Übungen pro Jahr sei relativ bescheiden, man lerne Leute aus allen Schichten kennen und erhalte neben dem Sold auch eine Erwerbsausfallentschädigung von der Gemeinde.

Obwohl der Anteil an Frauen in der Feuerwehr im Aargau mit 12 Prozent über dem schweizerischen Durchschnitt von 8 Prozent liegt, ortet Urs Ribi hier noch Steigerungspotenzial, vor allem im Kader.

Bei den Gruppenführern beträgt der Anteil rund 8 Prozent, bei den Offizieren um die 5 Prozent. Frauen hätten zudem oft den Vorteil, auch tagsüber verfügbar zu sein.

«Der Aargau hat zurzeit kein akutes Rekrutierungsproblem», fasst Urs Ribi zusammen. Man müsse aber dranbleiben, denn es werde in Zukunft nicht einfacher, genügend Leute für den Feuerwehrdienst zu begeistern.

Auch vonseiten der AGV setzt man deshalb vermehrt auf die Jugend, indem man die Jugendfeuerwehren finanziell und materiell unterstützt und mit der Durchführung von Schülertagen bereits die nächste Generation für die Feuerwehr und ihre Aufgaben sensibilisiert.

Als neuestes Projekt in dieser Richtung werden nächstes Jahr Kurz-Clips über die Feuerwehr via Youtube und Facebook verbreitet. Es handelt sich dabei um kurze Sequenzen, die speziell auf die Jugend zugeschnitten sind.

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