Ausfälle

Trotz – oder wegen – Coronakrise: Aargauer Spitälern fehlen die Einnahmen

Die Coronakrise wird sich in den Jahresberichten der Spitäler niederschlagen.

Die Coronakrise wird sich in den Jahresberichten der Spitäler niederschlagen.

Politiker und Verbände fordern, dass der Kanton den Gesundheitsinstitutionen coronabedingte Ausfälle ersetzt.

Die Spitäler und Kliniken dürfen seit dem 23. März nur noch lebenswichtige Operationen und Behandlungen durchführen. So soll verhindert werden, dass unnötig Ressourcen gebunden werden, die bei einem Anstieg der Fälle für Coronapatienten gebraucht werden.

Bisher ist der befürchtete Ansturm auf die Spitäler ausgeblieben. Die Anzahl Ansteckungen nimmt aber weiterhin zu. Gestern gab es im Aargau 499 bestätigte Fälle, 18 mehr als am Montag. 85 Personen sind im Spital. 25 müssen auf der Intensivstation künstlich beatmet werden. Unter den Intensivpatienten sind auch drei Personen aus dem Elsass und eine Person aus dem Tessin, teilt der Kantonale Führungsstab mit. Bisher sind elf Personen an den Folgen des Coronavirus gestorben.

Sind die Betten leer, werden auch die Kassen leerer

Die Spitäler, Rehakliniken und Psychiatrien warten auf Patientinnen. Und mit jedem Tag, der verstreicht, fehlen Einnahmen, weil sie nur noch lebenswichtige Eingriffe durchführen dürfen. Einige Leistungserbringer haben deshalb bereits Kurzarbeit beantragt.

Das Verbot von nicht dringenden Eingriffen und Behandlungen sei teilweise mit massiven Ertragsausfällen verbunden, sagt Hans Urs Schneeberger, Geschäftsführer des Verbands der Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen (vaka). Der Verband sei mit dem Kanton in Kontakt, um eine gute Lösung für alle zu finden. Schneeberger betont, die Spitäler wollten sicher keinen Gewinn aus der Krise machen. «Zunächst gilt es die Liquidität der Spitäler zu sichern. In diesem Bereich sind wir gut unterwegs.» Die Rechnungen, welche die Spitäler an den Kanton stellen, würden sehr rasch bezahlt.

Ob es reichen wird, nur die Liquidität zu sichern, ist unklar. «Das Problem mit den leeren Betten und den fehlenden Patienten ist natürlich enorm. Es gibt Spitäler und Kliniken, da ist fast jedes zweite Bett leer. Vor der Krise waren sie alle ausgelastet», sagt Schneeberger. Der tatsächliche Schaden könne wohl erst Ende Jahr beziffert werden. «Wenn der befürchtete Ansturm auf die Spitäler noch kommt, sieht es natürlich anders aus, als wenn er praktisch ausbleibt.»

Spitäler erbringen Leistung, die der Kanton bestellt hat

Für Schneeberger ist aber klar, dass die vaka finanzielle Hilfe vom Kanton fordern wird, wenn es zu einem Ausfall kommt. «Schliesslich erbringen die Spitäler im Auftrag des Kantons eine Art Vorhalteleistungen, indem sie sich vorbereiten und alles andere herunterfahren.» Dafür stehe ihnen – wie für andere Vorhalteleistungen auch – eine Entschädigung zu. Auch für Gesundheitspolitiker ist klar, dass Handlungsbedarf besteht. CVP-­Grossrat Andre Rotzetter sagt: «Wie bei den anderen betroffenen Branchen sind auch im Gesundheitswesen Bund und Kantone gefordert. Sie müssen eine Lösung finden, um die Ausfälle zu entschädigen.»

Martina Sigg (FDP) findet, der Kanton könne nicht den Verlauf der Krise abwarten, sondern müsse jetzt vorspuren. «Er muss für die Spitäler Sicherheit schaffen.» Sigg verweist auf die Verordnung des Kantons Bern. Dort hat die Regierung beschlossen, den Listenspitälern den Ertragsausfall, der auf den Wegfall von nicht dringenden Eingriffen und Behandlungen zurückzuführen ist, zu ersetzen. Und zwar soweit, bis das Spital eine Ebitda-Marge von höchstens acht Prozent realisiert. «Der Aargau müsste eine ähnliche Lösung für seine Listenspitäler inklusive Psychiatrien und Rehakliniken sicher auch prüfen», findet Sigg.

Clemens Hochreuter (SVP) findet es sinnvoll, zunächst einmal die Liquidität der Spitäler sicherzustellen. Weitergehende Massnahmen seien zu prüfen, sagt er. «Den Spitälern muss signalisiert werden, dass man sie finanziell nicht alleine lässt.» Die Situation sei schliesslich von den Behörden verordnet worden. Für ihn ist klar, dass der Kanton wohl nicht um gewisse Finanzhilfen herumkommen wird. Gleichzeitig erwartet er, dass auch der Bund solche prüft.

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