Atomkraft
Trotz Mühleberg-Schlappe: Beznau-Gegner fordern weiterhin fixe Abschaltdaten

Die Berner Stimmbürger lehnten ein fixes Abschaltdatum für das AKW Mühleberg am Sonntag ab. Umweltverbände fordern trotzdem ein fixes Abschaltdatum für die Aargauer Atomkraftwerke.

David Egger
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Für das AKW Beznau fordern Atomkraftgegner weiterhin ein fixes Abschaltdatum.

Für das AKW Beznau fordern Atomkraftgegner weiterhin ein fixes Abschaltdatum.

Keystone

Es ist das älteste AKW der Welt und Block I wurde 1969 in Betrieb genommen: das AKW Beznau. Nur drei Jahre jünger ist das AKW Mühleberg. Dessen sofortige Abschaltung wollten 64 Prozent der Berner Stimmbürger nicht.

Ist Mühleberg weniger gefährlich als Beznau? Für Philip Gehri, Mediensprecher des WWF, stellt sich die Frage nicht: «Fakt ist: Beide sind uralt und ihre kleine Strommenge ist ersetzbar.»

Die Axpo als Betreiberin des AKW Beznau betont nicht das Alter, sondern wartet mit einem anderen Superlativ auf. «Das Kernkraftwerk Beznau ist das am umfassendsten nachgerüstete Kernkraftwerk der Welt», schreibt Mediensprecherin Monika Müller auf Anfrage.

Zu wenig Platz für Erneuerbare

Ein Reaktor des AKW Beznau liefert 38 Prozent der Strommenge des AKW Gösgen. Beide Beznau-Reaktoren liefern etwas mehr als drei Viertel des Stroms, den Gösgen produziert.

Laut Müller entspricht das dem doppelten Jahresverbrauch der Stadt Zürich. Das ist viel Strom. Die Umweltverbände sehen den Atomkraft-Strom aber als Übel. «Solange diese Geräte am Netz sind, hat es zu wenig Platz für erneuerbare Energien», sagt Urs Wittwer, Kommunikationschef von Greenpeace.

Laut Philip Gehri stehen die AKW so der Energieeffizienz im Weg: «Nur mit klaren Abschaltdaten können sich Stromversorger und Wirtschaft auf eine nachhaltige Stromversorgung einstellen und tun es auch. Das brauchen wir für die Energiewende. Ohne Abschaltdaten hoffen zu viele einfach, dass die AKW noch möglichst lange laufen.»

Initiative will Beznau den Stecker ziehen

Ein klares Abschaltdatum könnte eine Initiative bringen. Auf kantonaler Ebene ist aber keine geplant. «Aus unserer Sicht ist es ein Fehler, dass es für die Abschaltung keine konkreten Daten gibt», sagt Philip Gehri vom WWF.

Eine breite Allianz mit Mitgliedern wie der EVP, der SP, den Grünen, Pro Natura und der Gewerkschaft Unia hat im November 2012 eine nationale Initiative eingereicht, mit der sie Kraftwerke wie jene in Beznau abschalten wollen. «Der Betrieb von Kernkraftwerken zur Erzeugung von Strom oder Wärme ist verboten», soll neu in der Bundesverfassung stehen. Bei einem Ja müssten beide Beznau-Reaktoren spätestens 2016 stillgelegt werden.

«Eine Enttäuschung»

Die Planungssicherheit, die sich die Umweltverbände von einem fixen Abschaltdatum erhoffen, wünscht sich auch Jonas Fricker, Präsident der Aargauer Grünen: «Wenn bekannt ist, wann die AKW abgeschaltet werden, können langfristige Investitionen in die erneuerbaren Energien getätigt werden.»

Was meint er zur Mühleberg-Abstimmung? «So eine Abstimmung hat schon eine Signalwirkung für einen geregelten statt für einen sofortigen Ausstieg. Darum ist es auch eine Enttäuschung.»

Fricker hofft aber, dass die Energiewende im Grundsatz nicht infrage gestellt sei. Er findet es auch richtig, dass die Laufzeiten national bestimmt werden, sagt aber: «Eigentlich müsste man diese Frage ebenfalls internationalisieren, weil es der Strommarkt auch schon ist.»

International denkt zum Beispiel die Axpo. «Wir planen die Energiezukunft ohne den Bau von Ersatz-Kernkraftwerken und investieren dafür verstärkt in profitable Geschäfte mit neuen Energien und Energiedienstleistungen.» Diese Geschäfte befänden sich vorwiegend im Ausland und bestünden in erster Linie aus Windparks an Land.

In den vergangenen Jahren habe die Axpo 1,6 Milliarden Franken in Nachrüstungen und Erneuerungen des AKW Beznau investiert. In den nächsten Monaten würden weitere Nachrüstungen folgen, so Sprecherin Monika Müller.