Nachgefragt
Trotz Kooperation mit Radio 24: «Radio Argovia bleibt eigenständig»

Die zwei Lokalsender «Radio Argovia» und «Radio 24» werden enger zusammenarbeiten. Bildungsdirektor Alex Hürzeler befürchtet, Argovia könnte zum Zürcher Satellitensender werden. Argovia-Geschäftsführer Roland Baumgartner erklärt die Kooperation.

Fabian Hägler
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«Die Argovia-Identität bleibt bestehen»: «Radio Argovia»-Geschäftsführer Roland Baumgartner über die Kooperation mit «Radio 24».

«Die Argovia-Identität bleibt bestehen»: «Radio Argovia»-Geschäftsführer Roland Baumgartner über die Kooperation mit «Radio 24».

Argovia/André Albrecht

Herr Baumgartner, vor einer Woche wurde die Kooperation mit Radio 24 angekündigt. Am Freitag forderte Kulturdirektor Alex Hürzeler, Radio Argovia müsse eigenständig bleiben.

Dennoch wird phasenweise dasselbe Programm ausgestrahlt – werden die Leute im Aargau dann als Hörer von Radio 24 angesprochen?

Nein, die Argovia-Identität bleibt bestehen. Wir können beide Sender weiter regionalisiert ausstrahlen. Dies bedeutet, dass es weiter die bekannten Signete, regionale Höreraktionen, regionale Werbung und regionalisierte Inhalte geben wird. Wir bleiben das Radio aus dem Aargau für den Aargau.

Alex Hürzeler befürchtet, Argovia könnte zum Zürcher Satellitenradio werden und verweist auf die Vorgaben der Konzession. Diese schreiben regionale Informationen vor – kann das eingehalten werden?

Ja – absolut. Wir werden nicht zum Satellitenradio, auch wenn gewisse Sendungen künftig in Zürich produziert werden. Das gemeinsame Sonntagsprogramm wird übrigens in Aarau produziert und von dort aus moderiert. Der Leistungsauftrag der Konzession wird auch in Zukunft vollständig erfüllt, es wird auch im gemeinsamen Programm weiterhin Sendeplätze für regionale Beiträge und Nachrichten geben. Die redaktionellen Inhalte werden wie bisher von den getrennt arbeitenden Redaktionsteams in Aarau und Zürich produziert. Unser technisches Sendesystem macht es möglich, in den Mittagsstunden die Beiträge getrennt für den Aargau und Zürich auszustrahlen.

Wann beginnt die Kooperation?

Wir starten im September, bis dahin verfeinern wir das Konzept und planen die Umsetzung detailliert. Speziell für die Moderatorinnen und Moderatoren wird die Kooperation eine Herausforderung: neu moderieren sie ein Programm für über 500 000 Hörerinnen und Hörer von Radio Argovia und Radio 24. Dies in einer Region, die weite Teile der Deutschschweiz umfasst.

Was ist der Grund für die Kooperation? Versprechen Sie sich mehr Werbeeinnahmen, wenn die Hörerzahl tagsüber grösser ist?

Nein, darum geht es nicht. Die beiden Sender verfügen schon heute über konstant gute Hörerzahlen. In den letzten Jahren hat der nationale Werbemarkt stagniert, seit 2013 war er sogar rückläufig. Wir sparen mit der Kooperation Ressourcen und Mittel und machen die Radios fit für die Zukunft.

Was heisst das für die Arbeitsplätze bei Radio Argovia? Man hört, dass drei Stellen verloren gehen sollen?

Es wird über beide Radios einen moderaten Stellenabbau geben, der mehrheitlich über natürliche Personalfluktuation realisiert werden kann. Aber nochmals: Das Studio in Aarau bleibt erhalten, wir produzieren unsere Beiträge und Inhalte weiterhin hier.

Ist später eine weitergehende Kooperation mit Radio 24 geplant?

Nein, solche Pläne gibt es nicht. Unsere Analysen haben auch klar gezeigt, dass die Hörerschaft ihr regionales Radio will. Eine gemeinsame Morgenshow würde zum Beispiel nicht funktionieren, der Hörer legt Wert darauf, dass sein Radio, mit dem er aufsteht, ihn als Aargauer begrüsst.