Die allgemeine Haushaltsentwicklung des Kantons Aargau wird von Standard & Poor's positiver als noch letztes Jahr beurteilt. Für 2019 wird ebenfalls ein positives Jahresergebnis erwartet, aber nicht im selben Ausmass wie im Vorjahr.

Dennoch werden ab 2020 mit moderaten Defizite gerechnet, da die Prognosen keine positiven Sondereffekte wie beispielsweise die Heimfallverzichtsentschädigung für das Kraftwerk Klingnau 2018 oder eine doppelte Gewinnausschüttung der Schweizerischen Nationalbank berücksichtigen.

Haushaltsanierung noch nicht abgeschlossen

«Standard & Poor's erwartet, dass die Haushaltsanierung wie geplant umgesetzt wird», heisst es in einer Mitteilung der Aargauer Staatskanzlei. Aufgrund des guten Ergebnisses im 2018 werde jedoch davon ausgegangen, dass der Druck für Ausgabenerhöhungen steigen werde.

Auch aus Sicht des Finanzdirektors Markus Dieth sei es daher zentral, «dass die Reformvorhaben der Gesamtsicht Haushaltsanierung umgesetzt werden, damit das strukturelle Defizit vollständig beseitigt werden kann. Wir dürfen unser Ziel nicht aufgrund des sehr guten Abschlusses 2018 aus den Augen verlieren».

Ausblick dank solidem Finanzmanagement stabil

In ihrem Ausblick geht Standard & Poor's von einer stabilen Entwicklung aus. Besonders erwähnt werden das nach wie vor solide und umsichtige Finanzmanagement, das ausgezeichnete Liquiditätsmanagement sowie die starke Wirtschaftsleistung.

Trotzdem beeinflusst nach Auffassung von Standard & Poor's der enge finanzielle Handlungsspielraum die strategischen politischen Entscheide. Unter anderem wird dabei die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform (STAF) erwähnt, welche im Kanton Aargau deutlich weniger weit geht als in anderen Kantonen.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass die geplanten oder bereits beschlossenen Investitionen der Kantonsspitäler der Verschuldung des Kantons angerechnet werden. Es sei daher wichtig, dass die Kantonsspitäler, die zu hundert Prozent im Besitz des Kantons sind, keine Investitionsprojekte verfolgen, die ihre finanziellen Kapazitäten übersteigen. «Der Regierungsrat ist sich dieser Thematik bewusst und begleitet die Kantonsspitäler in dieser Phase enger», wird Finanzdirektor Markus Dieth zitiert. Die Verschuldung werde dennoch insgesamt als moderat beurteilt.

Tiefere Zinsen dank Rating

Dank des zweitbesten Ratings von AA+ verfügt der Kanton Aargau weiterhin über eine sehr hohe Schuldnerbonität. Diese ermöglicht dem Kanton, Geld zu tiefen Zinsen aufzunehmen. Bei kurzfristigen Geldaufnahmen können zurzeit Negativzinsen vereinnahmt werden. «Unser Ziel ist klar: Wir wollen die AAA-Bestnote wieder zurück. Wenn wir den eingeschlagenen Weg der Haushaltsanierung konsequent weitergehen und nachhaltig umsetzen, können wir dieses Ziel erreichen», ist der Finanzdirektor überzeugt.

Standard & Poor's gehört neben Moody's und Fitch zu den wichtigsten internationalen Rating-Agenturen. Durch die Ratings werden international vergleichbare Informationen über Schuldner zur Verfügung gestellt. Diese sind für Kapitalgeber und deren Anlageentscheide von grosser Wichtigkeit.

Von den heute in der Schweiz durch Standard & Poor's direkt bewerteten acht Kantonen weisen drei Kantone (BaselStadt, Waadt und Zürich) ein Rating von AAA aus. Die anderen Kantone (BL, GE, SG, SO) verfügen wie der Kanton Aargau über ein AA-Rating. (mgt)