Jahreszeiten sind hinterhältig. Denn: Sie beginnen immer zweimal. Einmal erwartet, drinnen an der Wand, wenn man das Kalenderblatt abreisst. Und einmal immer unerwartet, draussen unter dem Himmel, wenn es plötzlich – je nach Saison – schneit, scheint, stürmt. Jahre, in denen ein Sommer oder ein Winter nicht zu früh oder zu spät kommt, sondern schlicht rechtzeitig, sind so häufig wie glückliche Gesichter in Pendlerzügen. Logische Folge: Wer mit der Saison arbeitet, muss immer auf alles gefasst sein.

Aargau beliefert die Nation

Zu ihnen gehört Carlo Habich. Er ist verantwortlich dafür, dass es im Land genügend Streusalz hat – und das war in den vergangenen Jahren nicht immer einfach. Auf der Visitenkarte heisst das: Leiter Business Unit Primärsalze, Schweizer Salinen AG, Schweizerhalle. Ein guter Winter ist für ihn einer mit guten Zahlen. Versinkt der Aargau im Schnee, wie zwischen Weihnachten und Neujahr und zuletzt vergangene Woche, spricht Habich von einer Nachfrage, die sich «sehr erfreulich entwickelt». Oder, salopp übersetzt: Er scheffelt, wenn andere schaufeln.

Als der Winter auf dem Kalender begann, meldeten die Schweizer Salinen: 230'000 Tonnen Streusalz sind eingelagert – Allzeitrekord. Jetzt, da der Winter auch draussen auf den Gemeinde- und Kantonsstrassen begonnen hat, sind die Lager laut Habich nach wie vor gut gefüllt: 157'000 Tonnen. «Diese Menge ist, verglichen mit früher, immer noch überdurchschnittlich und wurde erst möglich durch den ‹Saldome 2›», erklärt Habich. Der «Saldome 2» ist die grösste Holzkuppel Europas. 100'000 Tonnen Lagerkapazität, 120 Meter Spannweite. Produziert und gelagert wird das Streusalz, das in die ganze Deutschschweiz geliefert wird, in zwei Aargauer Gemeinden. Denn: «Die Saline Riburg liegt auf Rheinfelder Boden, die meisten Bohrfelder liegen heute aber in Möhlin.»

Der Name «Rheinsalinen» existiert seit einem Jahr nicht mehr. Seit der Fusion mit den Waadtländer Salinen von Bex firmieren sie heute sec als Schweizer Salinen AG. Mit dem Zusammenschluss der zwei Salinen hat sich für die Werkhöfe im Aargau laut Habich aber nichts geändert: «Das Auftausalz für die Nordwestschweiz kommt nach wie vor aus der Produktion am Rhein.»

Dass die Schweizer Salinen gut gegen den Winter gerüstet sind, war lange Zeit nicht selbstverständlich. Bevor der neue Saldome 2 eingeweiht wurde, gab es immer wieder Salzmangel. Die Speicher waren leer, die Winterdienste mussten mit dem Streugut haushälterisch umgehen. Und selbst als 2012 der riesige Saldome in Betrieb genommen wurde, funktionierte nicht alles am Schnürchen. Vor zwei Jahren gab es zwar keinen Salzmangel, aber das gespeicherte Salz konnte zuwenig schnell verladen werden. Weil die damaligen Rheinsalinen eines der beiden grossen Lager vollständig gelehrt hatten - und somit eine Verladestation wegfiel.

«Kommen sehr gut zurecht»

So entspannt wie die Salinenchefs sind auch die Werkhofchefs im Aargau. Eine Umfrage der «Aargauer Zeitung» bei Werkhöfen von Kanton, Städten und Gemeinden zeigt: Die Salzsilos sind nach dem – genau: «späten» Winterbeginn – noch gut gefüllt. So etwa bei Hanspeter Benz, Strassenmeister Sektion Kreis II, im kantonalen Werkhof Windisch. Er sagt: «Wir kommen sehr gut zurecht.» Oder bei Peter Moos, Strassenmeister Sektion Kreis III, im Werkhof Wohlen: Er schätzt, zwei Drittel seines Siloinhalts aufgebraucht zu haben. «Die letzte Woche war intensiv, wir fuhren fast rund um die Uhr. Davor war es dafür lange ruhig», sagt Moos. Jahreszeiten sind eben hinterhältig. (mfu/az)