Kriminalität

Trotz erfolgreicher Arbeit: Aargauer Kantonspolizei muss weiter sparen

Die Arbeit der Polizei im Aargau zahlt sich aus: Im letzten Jahr gab es weniger Einbrüche im Aargau. (Symbolbild)

Die Arbeit der Polizei im Aargau zahlt sich aus: Im letzten Jahr gab es weniger Einbrüche im Aargau. (Symbolbild)

Die Aargauer Kantonspolizei hatte es im vergangenen Jahr vor allem mit dem Vierfachmord Rupperswil, Terrorverdächtigen und Asylbewerbern zu tun. Obschon sie sehr erfolgreich arbeitete, muss sie weiterhin sparen.

Eines ist sicher: Die Sicherheit gab schon lange nicht mehr so viel zu reden wie in den letzten Monaten. Kriege, Terror, Amok. Und das praktisch täglich. «Wir müssen Tendenzen zu fundamentalistischen Ideologien genau beobachten und dürfen nicht blauäugig sein», schreibt der Aargauer Sicherheitsdirektor Urs Hofmann (SP) im Editorial zum am Montag veröffentlichten Jahresbericht «Polizeiliche Sicherheit 2016».

Zwar zeigten aktuelle Studien, dass sich die Schweizer Bevölkerung grundsätzlich sicher fühle. Doch das Sicherheitsgefühl des Einzelnen habe gelitten. Das sehe man etwa «in einer markant höheren Anzahl an Gesuchen für einen Waffenerwerbsschein».

Laut Michael Leupold, Kommandant der Aargauer Kantonspolizei, hat «die sicherheitspolitische Grosswetterlage direkte Auswirkungen auf die Arbeit und die Prioritäten der Polizei im Kanton Aargau.» Man habe Lücken in Schutz und Bewaffnung geschlossen und das sicherheitspolizeiliche Training konsequent auf das das aktuelle Geschehen ausgerichtet.

Weniger Tötungsdelikte

Der Jahresbericht zeigt: Die Aargauer Polizistinnen und Polizisten haben 2016 gut gearbeitet. Weniger Einbrüche, weniger Gewaltstraftaten, weniger Unfälle, bei denen Verkehrsteilnehmer verletzt wurden oder ums Leben kamen. Im letzten Jahr gab es zwei vollendete und 13 versuchte Tötungen. Das sind 6 weniger als 2015. Alle Tötungsdelikte wurden rasch aufgeklärt.

Auch die grösste Kennziffer, die Anzahl aller registrierten Delikte nach Strafgesetzbuch, wäre theoretisch zurückgegangen. Aber eben nur theoretisch. Praktisch wuchs sie von 30'500 auf fast 36'000 an. Grund ist ein einziges Ermittlungsverfahren: der Anfang Jahr publik gewordene Fleischskandal in Baden. In der örtlichen Manor-Filiale hatten Metzgereimitarbeitende abgelaufenes Fleisch neu etikettiert und konventionelles als biologisches ausgegeben – in 3920 Fällen.

Nach Strafgesetzbuch wird jede Tat doppelt gezählt; als Betrug und als Urkundenfälschung. Diese 7840 Straftaten verzerren die Statistik insgesamt, aber auch unter den Bezirken. Es ist zwar normal, dass Baden als bevölkerungsreichster Bezirk die Aargauer Kriminalstatistik anführt, aber 9500 Straftaten «Vorsprung» auf den Bezirk Aarau sind dann doch ungewohnt happig.

Bis im Frühling war es hauptsächlich der Vierfachmord Rupperswil, der das Korps beschäftigte. Kommandant Leupold schreibt, «in einem eigentlichen kriminalistischen Kraftakt» sei es gelungen, den Täter rasch zu identifizieren und am 12. Mai festzunehmen. Markus Gisin, Chef der Kriminalpolizei, betont: «Der Ressourceneinsatz in diesem Verfahren war enorm.» Gegenüber dem Vorjahr hätten die Personalstunden in diesem Bereich um 53 Prozent zugenommen.

Trotz der grossen Belastung mit dem Fall Rupperswil, latenter Terrorbedrohung und rund 1000 Einsätzen bei Streitigkeiten unter Asylbewerbern habe man, so Leupold, die operativen Ziele erreicht: weniger Einbrüche, höhere Aufklärungsquote, weniger Schwergeschädigte im Strassenverkehr. Getrübt wird die Bilanz durch die Art von Gewalt, die oft unsichtbar ist: die häusliche. In 1855 Fällen kam es zur Intervention. Das entspricht einer Zunahme von 10 Prozent gegenüber 2015 und ist «ein trauriges Allzeithoch».

Polizisten teilen Pulte

Die Kantonspolizei kostete den Kanton 2016 rund 77 Millionen Franken. Das sind 2 Millionen weniger als 2015 – Regierung und Grosser Rat hatten im Zuge der Spardebatte auch von der Polizei verlangt, ihren Beitrag zu leisten. Gespart wurde «im Personal- und Sachbereich» und es wurde weniger investiert. Auch der Abstieg des FC Aarau in die Challenge League hatte Folgen: Einnahmen aus Ordnungsdiensteinsätzen fehlten.

Die schwierige Finanzlage des Kantons habe auch vor der Kantonspolizei nicht Halt gemacht, schreibt Regierungsrat Urs Hofmann: «Und sie wird uns wohl leider weiterhin beschäftigen.» Von grosser Bedeutung sei deshalb das Reorganisationsprojekt «Kapo 2020». Es wurde per 1. Januar 2017 umgesetzt. Das Ziel: eine mobilere Kantonspolizei mit weniger festen Posten.

Dafür wurden alle Angehörigen in den letzten Monaten mit speziellen mobilen Computern ausgerüstet. Sie haben Internetverbindung via Mobilfunknetz, bieten so überall Zugriff auf alle Informationen und Systeme und können auch als Tablets genutzt werden. Weil künftig mehr Polizistinnen und Polizisten auf weniger Standorte kommen, gibt es auch eine «Verdichtung der Büroarbeitsplätze». Pulte werden mit sogenanntem «Desk-Sharing» künftig vermehrt geteilt.

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