Furkabahn
Treue Geldgeber dampfen mit Sponsoren-Kohle über die Furka

Als Dank und Anerkennung für ihre Unterstützung der geschichtsträchtigen Furkabahn wurden Sponsoren aus dem Aargau von der hiesigen Sektion des Vereins Furka-Bergstrecke zu einer Extrafahrt in die romantische Alpenwelt eingeladen.

Hans Lüthi
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Dampfbahn Furka Bergstrecke
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Dampfbahn Furka Bergstrecke
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Dampfbahn Furka Bergstrecke

Toni Widmer

Ein ohrenbetäubendes Pfeifen, schriller als von einer ganzen Murmeltier-Kolonie, signalisiert den Start zu einer wildromantischen Dampffahrt über die Furka. Die beiden Lokführer Georges Studer und Walter Wäfler haben längst Kohle nachgeschaufelt und den Wassertank über ein dickes Rohr gefüllt. Eine dunkle Rauchsäule über der Lokomotive und das beginnende Schnaufen begleiten die in Oberwald in die drei roten Wagen eingestiegene Reiseschar. Die Frauen und Männer freuen sich wie Kinder auf die abenteuerliche Passfahrt mit dem Zug.

Furkabahn: Geld, Gäste, Sponsoren und Mitglieder gesucht

Eine französische Gesellschaft baute ab 1911 die Bahnlinie Brig-Furka-Disentis und erreichte 1914 Gletsch. Der Erste Weltkrieg verzögerte den Weiterbau bis 1925. Erst 1926 konnte die Verbindung durchgehend befahren werden. Mit Eröffnung des 15,4 Kilometer langen Furka-Basistunnels im Herbst 1981 fuhr vorerst der letzte Zug auf der Bergstrecke. Mit einem gewaltigen Aufwand erreichten die Freunde der Furka-Dampfbahn von Realp her 1992 Tiefenbach, 1993 die Station Furka und im Jahr 2000 Gletsch. Das Traumziel wurde am 12. August 2010 gefeiert: der durchgehende Dampfbetrieb von Oberwald bis nach Realp.

Die Freunde der Dampfbahn sind ständig auf Geldsuche, denn die kurze Betriebszeit von Ende Juni bis Anfang Oktober reicht niemals, um die hohen Kosten und Investitionen zu decken. Mit 31000 Passagieren oder 90 Prozent Auslastung waren die passquerenden Züge 2011 gut besetzt. Dieses Jahr ist die Zahl ähnlich hoch,nur das Zusatzangebot Oberwald-Gletsch ist mit 30 Prozent weit unter den Erwartungen. Allein die Aargauer Sektion des Vereins Furka-Bergstrecke zählt aktuell 1339 Mitglieder, «aber es ist sehr schwer geworden, neue Leute zu finden», sagt Vizepräsident Heinz Unterweger aus Suhr.(Lü.)

www.vfb-aargau.ch

«Diese Extrafahrt ist Dank und Anerkennung für unsere Sitzplatz-Sponsoren», sagt Organisator Heinz Unterweger, Vizepräsident der Sektion Aargau des Vereins Furka-Bergstrecke (VFB). Zwei Drittel der Sponsoren aus dem Aargau sind angereist, ein Car voll aus Aarau und Brugg über Brünig und Grimsel.

Felsenwand statt Rhonegletscher

Die ungebrochene Faszination für Dampfzüge vereinigt sich hier mit einer hochalpinen Landschaft, die im Wallis sanft mit Blumenwiesen und Wäldern beginnt. In der Rotten (junge Rhone) stürzen grosse Wassermassen in die Tiefe, Gletsch markiert den Wechsel zur Felsenwelt. Als die erste Furkabahn 1914 bis Gletsch kam, reichten die gigantischen Eismassen des Rhonegletschers bis in den Talboden. Jetzt ist auch von der Bahn aus kein Eismeer zu sehen.

Einzig die über die abgeschliffenen Felsen stürzenden Wassermassen zeigen, wohin sich der Gletscher zurückgezogen hat. Bei der Station Muttbach liegt im Frühjahr meterhoch Lawinenschnee. Jetzt prägen Blumenwiesen das Bild. Aus dem Scheiteltunnel kommt uns der fahrplanmässige Dampfzug mit den blauen Wagen entgegen. Bei jedem Halt steigen alle aus, machen Fotos, geniessen die Alpenluft und blicken zu den Gipfeln hinauf.

Im Tunnel zum höchsten Punkt

Der 1847 Meter lange Scheiteltunnel hat bis zu 37 Promille Steigung, die Strecke bis zu 110 Promille. Aus Sicherheitsgründen wird eine kleine Diesellok angehängt, denn bei einem Ausfall der Dampflok bliebe der ganze Zug im Tunnel stecken – was im dichten Rauch gefährlich werden könnte. An der Station Furka auf 2160 Metern erreichen wir den höchsten Punkt, aber die Passhöhe der Strasse liegt weit darüber, auf 2431 Metern.

Beim Furka-Apéro der Aargauer Sektion erklärt Unterweger, die Doppelpack-Wägeli seien von der Werkstatt in Aarau aus vor genau einem Jahr nach Realp transportiert worden. Der Umbau des Kabelwagens und der Küche zu Personenwagen kostete 20000 Frondienst-Stunden und 125000 Franken für Material. Heute haben diese Wagen einen Wert von rund einer Million Franken. Aus dem Sitzplatz-Sponsoring kamen 70000 Franken zusammen.

Lok-Wende und Rumpelfahrt

Die originalgetreu um- und nachgebauten Wagen der Dampfbahn kommen aus der Werkstätte Aarau und sind im Besitz der Aargauer Sektion. Während die Gäste sich an Weisswein und Alpkäse gütlich tun, fährt die kleine Lokomotive Weisshorn am Zug vorbei und wird auf dem Drehgestell gewendet. Denn die Talfahrt kann sie nur rückwärts bewältigen, weil sie für die Visp-Zermatt-Bahn so gebaut worden ist. «Wegen der Schräglage wäre die Feuerbrücke nicht mehr mit Wasser bedeckt», begründet Lokführer Walter Wäfler das Manöver.

Während der Fahrt entlang der wilden Furkareuss erreicht der Blick links oben am Horizont die Passstrasse. In den Wagen rüttelt, schüttelt und lärmt es, als führe der Zug direkt auf dem Schotterbett. Wer den Komfort nicht missen kann, ist hier im falschen Zug. Denn die Fahrt auf Holzbänken entspricht der Eisenbahn vor hundert Jahren, in einer kargen, wilden, harten Bergwelt. Entbehrungen sind Teil des Abenteuers Furkabahn. Die vielen Fronarbeiter könnten ein Lied davon singen.