Wohin mit dem Geld?
Tresor-Geschäft boomt dank der Angst vor Negativzinsen

Wegen der tiefen Zinsen herrscht ein Anlagenotstand. Zugleich haben Sparer heute mehr Investitionsmöglichkeiten denn je. Was tun? In die Weltbörse investieren oder einen Tresor kaufen?

Peter Brühwiler
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Nicht ganz billig in der Anschaffung, dafür verlangt er garantiert keine Negativzinsen: Marco Bundi, Inhaber der Targo Tresore, präsentiert einen Tresor aus seinem Sortiment.

Nicht ganz billig in der Anschaffung, dafür verlangt er garantiert keine Negativzinsen: Marco Bundi, Inhaber der Targo Tresore, präsentiert einen Tresor aus seinem Sortiment.

Alex Spichale

Benjamin Franklin wusste es bereits vor 250 Jahren: «Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.» Der Gründervater der Vereinigten Staaten könnte heute wohl mehr denn je hinter dieser Aussage stehen. Denn in den Zeiten des billigen Geldes tendiert die Rendite auf die meisten anderen Investitionen gegen null. «Es herrscht ein Anlagenotstand», sagt Michael Mathys, Leiter der Niederlassung des VZ Vermögenszentrums in Aarau.

Wohin also mit dem Geld, wenn man keine Lust auf Abendkurse hat? Die Schweizer scheinen sich vermehrt für die Aufbewahrung in den eigenen vier Wänden zu entscheiden. So ist der Wert der 1000er-Noten im Umlauf in den vergangenen zehn Jahren laut der «Ostschweiz am Sonntag» um 70 Prozent angestiegen, während die Zunahme bei den 10er-Noten nur 20 Prozent betrug. «Dies deutet darauf hin, dass das Geld primär als Wertaufbewahrungsmittel und nicht als Zahlungsmittel verwendet wird», kommentierte Nationalbank-Sprecher Walter Meier.

«Kein Bargeldabfluss»

Die Aargauer Banken spüren von diesem angeblichen Trend nichts. Man habe «weder signifikant mehr Kontoschliessungen noch Bargeldabzüge», heisst es bei der Aargauischen Kantonalbank. Und auch die Neue Aargauer Bank registriert bezüglich Bargeldabfluss keine Veränderungen.

Rational lässt sich der Entscheid, grosse Mengen an Bargeld zu Hause aufzubewahren, sowieso nicht erklären. Denn Kontogebühren fallen unabhängig vom Kontostand an und der komplette Verzicht auf ein Bankkonto und die dazugehörige Debitkarte ist wohl nur für die wenigsten eine Option.

Eine neue Ausgangslage würde die flächendeckende Einführung von Negativzinsen schaffen. «Dann», sagt der Anlageberater Mathys, «könnte ich das Horten von Bargeld in den eigenen vier Wänden nachvollziehen.» Absehbar seien solche Strafzinsen, die Grossanleger den Banken ab gewissen Beträgen schon heute bezahlen, für Privatsparer aber nicht — «zumindest, solange die Nationalbank nicht weiter an den Negativzinsen schraubt.»

Gut möglich, dass sich der eine oder andere bereits auf dieses Szenario einstellt. Das Geschäft von Targo-Tresore-Inhaber Marco Bundi jedenfalls boomt. Der Tresorproduzent aus Rudolfstetten spürt seit eineinhalb Jahren eine wachsende Nachfrage. Und die Einführung der Negativzinsen hat diese noch weiter angeheizt. «Verglichen mit dem Vorjahresmonat sind die Verkaufszahlen auf dem Schweizer Markt im Januar um 23 Prozent angestiegen», sagt Bundi.

Bis sich die Anschaffung eines Tresors wegen allfälliger Negativzinsen finanziell rechnet, müsste die Negativzins-Phase allerdings sehr lange dauern. Ein versicherungstechnisch für die Aufbewahrung von 50 000 Franken zertifizierter Tresor kostet 3500 Franken. Dazu kommen die Kosten für die Montage mit 2,5 Zentimeter dicken Betonschrauben. Denn, so Bundi: «Wir stellen nicht nur Tresore her, wir schaffen Sicherheit.»

Risikoscheu seit der Finanzkrise

Sicherheit: Das Bedürfnis danach scheint in der Schweiz allgemein weit verbreitet zu sein. Während die privaten Haushalte Ende 2007, also kurz vor der Finanzkrise, noch 13,2 Prozent ihrer Aktiven in Aktien investiert hatten, waren es Ende 2013 nur noch 6,8 Prozent. Unterdessen wird laut Mathys aber wieder mehr in Unternehmensanteile investiert. Zu Recht, findet er. Vor allem gegenüber Obligationen seien Aktien derzeit deutlich im Vorteil. Der Anlageberater warnt allerdings davor, alleine wegen der tiefen Zinsen sein Risikoverhalten zu ändern.

Falls die Risikobereitschaft und ein genügend langer Investitionshorizont vorhanden sind, rät Mathys zum Kauf sogenannter Exchange Traded Funds (ETFs). Im Unterschied zu den teureren, aktiv gemanagten Aktienfonds bilden diese einen Aktienindex ab. Das ETF-Universum sei in jüngster Zeit stark gewachsen, sagt Mathys. «Durch eine in Franken abgesicherte Investition in den MSCI World Index kann man beispielsweise von der Weltbörse profitieren.»

Weniger spektakulär tönt sein wichtigster Tipp: «Auf alle Fälle in die dritte Säule einzahlen» – die meisten Banken bezahlen hier Zinsen von über 1 Prozent. Und: Gelassen bleiben. Denn «in den Neunzigerjahren lagen die Zinsen zwar bei 5 Prozent, gleichzeitig frass die Inflation aber den Zinsertrag weg.» Heute, und das ist die gute Nachricht für Sparer, ist die Inflationsrate noch tiefer als der aktuelle Sparzins – also negativ.

Lesen Sie den Kommentar dazu hier.