Trennung
Noch vor drei Monaten sagte Robert Rhiner: «Wir als Spital müssen bis zum Bezug des Neubaus einen Wandel durchmachen»

Der Verwaltungsrat des Kantonsspitals Aarau will einen jüngeren CEO, der in den nächsten sieben Jahren den Umzug in den Neubau und die Transformation des Spitals prägt. Der heute 62-jährige Robert Rhiner muss deshalb gehen - Aussagen im März deuten darauf hin, dass die Absetzung auch für ihn überraschend kam.

Fabian Hägler
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Robert Rhiner (links), seit Dezember 2014 CEO des Kantonsspitals Aarau, muss seinen Posten räumen - interimistisch übernimmt Sergio Baumann (rechts), bisher Leiter Betrieb und Verantwortlicher für den Neubau.

Robert Rhiner (links), seit Dezember 2014 CEO des Kantonsspitals Aarau, muss seinen Posten räumen - interimistisch übernimmt Sergio Baumann (rechts), bisher Leiter Betrieb und Verantwortlicher für den Neubau.

Alex Spichale

Nächstens solle der Spatenstich für den Neubau des Kantonsspitals Aarau erfolgen, sagt Verwaltungsratspräsident Peter Suter. Für das KSA ist das Projekt mit dem Namen «Dreiklang» einerseits dringend nötig, weil es die heute weit verstreuten Abteilungen zusammenbringt und damit für effizientere Abläufe und tiefere Kosten sorgt. Andererseits ist der geplante Neubau auch eine finanzielle Belastung für das grösste Spital im Aargau.

Ursprünglich galt für das Vorhaben ein Kostendach von 500 Millionen Franken. Das Siegerprojekt, das im April 2019 vorgestellt wurde, wäre jedoch auf 619 Millionen Franken zu stehen gekommen. Das löste scharfe Kritik des damaligen SVP-Fraktionspräsidenten und heutigen Gesundheitsdirektors Jean-Pierre Gallati aus. Inzwischen wurden die Kosten für «Dreiklang» um 50 Millionen reduziert, jetzt soll der Neubau noch 569 Millionen Franken kosten.

In einem AZ-Interview im März dieses Jahres sagte Robert Rhiner, dessen Zeit als CEO laut Mitteilung des KSA vom Dienstag nur noch bis Ende Juni dauert, das 38-Millionen-Defizit des Spitals im letzten Jahr gefährde das Neubauprojekt nicht. Tatsächlich wird wohl ein beträchtlicher Teil der coronabedingten Ausfälle im Jahr 2020 durch den Kanton ausgeglichen.

KSA verfehlte Vorgaben des Kantons – immer wieder Thema in der Politik

Doch auch in früheren Jahren verfehlte das KSA regelmässig die Vorgabe des Regierungsrats: Die geforderte Ebitda-Marge (eine Kennzahl für die Rentabilität) von 10 Prozent erreichte das Spital nie. Dennoch sagte Rhiner im März, der Businessplan des Kantonsspitals stimme noch. Eigenmittel für die Finanzierung des Neubauprojekts konnte das KSA in den letzten Jahren allerdings kaum erwirtschaften.

Weil das Spital vollständig im Besitz des Kantons ist, wird die mangelnde Rentabilität in der Politik immer wieder thematisiert. Die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) kam in einer Analyse im Jahr 2018 zum Schluss, dass das KSA in der Lage sei, den Neubau selber zu finanzieren. Dafür seien jedoch eine höhere Rentabilität und eine «Führung mit hoher Umsetzungsstärke» nötig.

Rhiner ging im März wohl davon aus, dass er CEO bleiben würde

Kurz darauf kam es zu einem Führungswechsel: Konrad Widmer reichte seinen Rücktritt als Verwaltungsratspräsident per Ende 2018 ein. Im April 2019 trat Peter Suter seine Nachfolge an. In seiner Mitteilung zu Rhiners Abgang verwendet der Verwaltungsrat eine ähnliche Formulierung wie PwC knapp drei Jahre zuvor. Der geplante Neubau und die damit einhergehende Transformation seien grosse Herausforderungen, heisst es da. Um diese zu bewältigen, brauche das KSA «eine über mehrere Jahre stabile operative Führung sowie ein hohes Mass an unternehmerischer Agilität».

Noch im März ging Rhiner wohl davon aus, dass er beim Spatenstich als CEO dabei sein und die Transformation des Spitals begleiten würde. «Der Neubau ist ein Konstrukt aus Beton, Stahl und Glas. Der Umzug in den Neubau bedeutet aber auch eine Transformation. Wir als Spital müssen bis zum Bezug des Neubaus einen Wandel durchmachen», sagte er im Interview. Er sagte aber auch: «Mir ist wichtig, dass der Neubau nicht mein Projekt ist, sondern gemeinsam entsteht.» Nun entsteht «Dreiklang» ohne Rhiner.