Erneut verwüsteten am Donnerstag heftige Böen das Turnfest-Gelände in Biel. Toi-Toi-WCs, Kühlschränke und ganze Zelte flogen durch die Luft. Menschen rannten in Panik um ihr Leben. Dies berichten Augenzeugen betroffener Aargauer Turnvereine.

So erlebten Turner aus dem Sendegebiet von TeleM1 den Horror-Sturm

So erlebten Turner aus dem Sendegebiet von TeleM1 den Horror-Sturm

Sie sind in erster Linie froh, dass nichts noch Schlimmeres passiert ist. Als der Sturm seine ganze Wucht entfaltete, hielten sich viele Aargauer im weggewindeten Festzelt auf. Der TV Hellikon beklagt neun Verletzte, Holderbank vier, die Turnvereine aus Hendschiken, Unterkulm und Muhen je eine verletzte Person.

Augenzeugen berichten vom Sturm am eidgenössischen Turnfest.

Augenzeugen berichten vom Sturm am eidgenössischen Turnfest.

Erschütternde Szenen

«Wer nicht dabei gewesen ist, kann sich das gar nicht vorstellen», sagt Roger Lüscher. Er ist Präsident des Turnvereins Muhen und musste mitansehen, wie ein Mädchen mitsamt dem Zelt durch die Luft gewirbelt wurde.

Wie andere auch hatte sich die Jugendliche an eine Querstange des Zeltes gehängt, um es zu beschweren. In Panik liess sie auch dann nicht los, als das Zelt weggewindet wurde. «Das Zelt hat sich längs überschlagen und die junge Frau mit sich durch die Luft gewirbelt.» Dann sei sie gegen einen Bagger geprallt und reglos liegen geblieben, berichtet Lüscher.

Der STV Muhen habe mehr Glück gehabt, so Lüscher. Die Vereinsmitglieder folgten der Weisung des Speakers und gingen ins Festzelt. Dass sie es wieder hätten verlassen sollen, hörten sie nicht mehr, weil der laute Wind den Speaker übertönte. Dann ist es zu spät: Ein Muhener wird getroffen, sein Arm gequetscht.

«Diesen Sturm werden wir nicht so schnell vergessen», so Lüscher.

Augenzeugen berichten vom Sturm am eidgenössischen Turnfest.

Augenzeugen berichten vom Sturm am eidgenössischen Turnfest.

TV Hellikon sitzt am falschen Ort

Den TV Hellikon trifft es schwerer. Die Helliker sitzen ausgerechnet dort, wo das Unglücks-Zelt zu Boden kommt. Neun Verletzte sind die Folge. Ein Turner muss zur Untersuchung im Spital bleiben, nachdem eine gebrochene Rippe seine Lunge durchbohrt hat.

Präsident Michael Meier ist trotzdem erleichtert, dass nicht mehr passiert ist. Die Helliker gründeten eine Whatsapp-Gruppe und tauschen sich laufend aus, um das Geschehene zu verarbeiten.

Auch Manuel Leder, Präsident des STV Holderbank, musste mit Schnittverletzungen am Kopf ins Spital gebracht werden. «Alles ist sehr schnell gegangen. Der eigentliche Sturm hat nur eine Minute gedauert, kurz nach der offiziellen Warnung wurde das Zelt weggewindet», so Leder.

Vier Mitglieder des Turnvereins werden verletzt, zwei davon am Kopf. Die Wiederholung des Teamwettkampfs vom Sonntag werden die Holderbanker nicht bestreiten.

Hendschiker wollten anstossen

Rahel Zobrist von der Damenriege Hendschiken schildert den Sturm so: «Eine Kollegin hat mich auf den Boden gedrückt. Sie sagte, wir seien so am sichersten.» Eine Turnerin wird an Bein und Kopf getroffen. Die anderen müssen sich erst aus den Trümmern befreien, um ihr zu helfen.

Zobrist: «Erst als sie im Spital war, habe ich gemerkt, dass ich völlig durchgefroren war.» Eigentlich wollte die Damenriege im Zelt auf die gute Leistung im Wettkampf anstossen.